Streitthema DüngeVO

Dr. Klages: Düngeverordnung heizt Strukturwandel nicht an

In der Vergangenheit habe die Politik bei Verschärfungen der Düngegesetzgebung stets Rücksicht auf die Bauern genommen und Kompromisse umgesetzt. Der Strukturwandel sei trotzdem so hoch wie immer gewesen, sagt Dr. Susanne Klages. Sie geht daher nicht davon aus, dass die neuerliche Verschärfung der DüngeVO zu mehr Betriebsaufgaben führen wird.

Sollte es zu den geplanten Verschärfungen der Düngeverordnung kommen, erwartet der Bauernverband insbesondere in den roten Gebieten einen beschleunigten Strukturwandel. Stimmt nicht, kontert die Wissenschaftlerin Dr. Susanne Klages. Sie beschäftigt sich seit vielen Jahren mit den Themen Düngung und Düngerecht in der Landwirtschaft und war 2017 und 2018 als federführende Autorin an der Erstellung der BZL-Broschüren zur Düngung beteiligt.

„Auch bislang ist es zu einem erheblichen Strukturwandel gekommen, obwohl in der Düngegesetzgebung immer ein Kompromiss zwischen Umweltschutz und sozioökonomischen Erfordernissen angestrebt wurde“, sagte sie im Interview mit dem Bundesinformationszentrum Landwirtschaft.

„Kompromisse zum scheinbaren Wohle der Landwirte haben in der Vergangenheit dazu geführt, dass bei den Düngeregeln kontinuierlich nachgebessert werden musste. Dies hat dann die Landwirte – verständlicherweise – verärgert. Einschränkungen bei der Düngungshöhe können dadurch aufgefangen werden, dass der in diesem Fall noch zulässige Stickstoff effizienter eingesetzt wird: Hierzu haben wir in der BZL-Praxisbroschüre Effizient düngen – Anwendungsbeispiele zur Düngeverordnung Hinweise erarbeitet“, so Klages weiter.

Sie weist zudem darauf hin, dass prinzipiell das Gesetz des abnehmenden Ertragszuwachses gilt, das heißt eine Verminderung der Düngungshöhe um 20 Prozent führt nicht zu einem um 20 Prozent geringeren Ertrag. Die Nährstofflücke könne – zumindest teilweise – dadurch geschlossen werden, dass vermehrt effizienzsteigernde Maßnahmen eingesetzt werden, nach dem Motto "Der Pflanze ins Maul düngen". Allerdings könnte es bei bestimmten Kulturen – auch in Abhängigkeit von der angebauten Sorte – zu Qualitätseinbußen kommen, z. B. bei Brotweizen und Gemüse.

In Ackerbauregionen könne man z. B. durch die vorsichtige Anwendung von organischen Düngern, bei denen ja nur ein Teil des Stickstoffs im Anwendungsjahr angerechnet werden muss, im Boden ein Nährstoffdepot angelegt werden, lautet ihr Tipp.

Vom Staat wünscht sich Klages eine Förderung jeglicher Maßnahmen, welche der präziseren Anwendung von Düngemitteln dienen. Dies betrifft Investitionen in Lagerkapazitäten, über die allgemein geltenden sechs Monaten hinaus, die Förderung der bodennahen Aus- oder Einbringung und die genauere Ermittlung des Stickstoffs im wirtschaftseigenen Dünger (z. B. Förderung von überbetrieblichen Ausbringgeräten, die mit NIRS-Technik ausgestattet sind). Von Bedeutung ist ihrer Ansicht nach außerdem die stärkere Implementierung von Maßnahmen zur Stickstoff-Bedarfsprognose der Bestände, über Satellit, Drohne oder schleppergestützt. Damit in Zusammenhang steht eine Prognose der Bodenwassergehalte, wie sie vom Deutschen Wetterdienst geplant ist.

Das ganze Interview lesen Sie hier

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Artikel geschrieben von

Alfons Deter

Redakteur top agrar Online

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Diskussionen zum Artikel

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von Hubert Dabbelt

Hoffentlich irrt sich die Dame nicht

Wenn ich die Stimmung Faktenlage für unserer Region betrachte wird mir Angst und Bange!

von Norbert Post

allein nicht

Sie hat recht, die neue DVO allein nicht. Es ist die Summe aller Verordnungen, Kontrollen, der öffentliche Hass aus uns, schlechte Preise sowie die Stimmung. Man kann hier wieder sehen, was so wissenschaftliche Studien wert sind, wenn man nur isoliert ein Thema betrachtet ohne das drumherum zu sehen.

von Christian Aukamp

Düngeverordnung löst Strukturbruch aus

vollkommen unnötig werden bäuerliche Strukturen zerstört, weil man anstatt einer sinnvollen praxisnahen Neuen Düngeverordnung ein Bürokratiemonster, dazu mit falschen Grundlagen schuf . Genauso unnötig werden sehr viele Sauenhalter durch polit. Versagen zur Aufgabe gezwungen. Das gr. Höfesterben beginnt erst, und -unsere Wissenschaft- hat leider bisher nichts gemerkt . . . !

von Rudolf Rößle

Entschärft

sich automatisch, da immer mehr kleine und mittleren Betriebsgrößen wegbrechen und die gut mechanisierten Betriebe sie schlucken. Verteilt sich die Düngermenge auf mehr Fläche.

von Jörg Meyer

Sorry aber die Theorie entfernt sich immer mehr von der praxis

Wir haben im Deutschland und auch in der Ei so viele Vorschriften die heute schon aus verschiedenen Gründen nicht umgesetzt werden! Wer nach immer neuen Regelungen ruft sollte erstmal sicherstellen das die alten überall umgesetzt werden! Sorry Frau Dr. aber sie haben wenig Ahnung von der Praxis wie es scheint!

von Jörg Meyer

Sorry aber die Theorie entfernt sich immer mehr von der praxis

Wir haben im Deutschland und auch in der Ei so viele Vorschriften die heute schon aus verschiedenen Gründen nicht umgesetzt werden! Wer nach immer neuen Regelungen ruft sollte erstmal sicherstellen das die alten überall umgesetzt werden! Sorry Frau Dr. aber sie haben wenig Ahnung von der Praxis wie es scheint!

von Michael Koch

Es wird doch zu einem Strukturwandel kommen

viele von uns haben keine Lust mehr .

von Hermann Kamm

wenns so weiter geht,

dann redet bald niemand mehr über Insektensterben!!!!!!!!!!!!!!! sondern viel schlimmer, wenn laufend Höfe weg sterben!!!!!!!!!!!!

von Gerhard Steffek

Bei jeder Schraube -

die zu fest angezogen wird heißt es einmal: "nach fest kommt ab!" Bei den Bauern wird es dann aber wahrscheinlich genauso sein wie beim "abnehmenden Ertragszuwachs". In absoluten Zahlen werden dann nicht mehr so viele aufhören, da nicht mehr so viele da sind. Man kann sich seine Welt auch schönrechnen. Wie heißt es so schön: "Statistik ist das Glaubhaftmachen der Lüge."

von Thomas u. Helmut Gahse GbR

Scheuklappen

Wenn man Scheuklappen an hat und dann nur die DüV sieht, mag Frau Dr. recht haben. Aber auf unsere Betriebe wirkt sich ja nicht nur die DüV aus, sondern auch noch diverse andere Verordnungen die aktuell verändert (verschärft) werden. Und dann gilt die Devise: lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende.

von Wilhelm Grimm

Herr Summerer, die Sache ist gannz einfach !

Die Grünen haben eine Strategie und ein riesiges Netzwerk von "Nützlingen". Die Grünen bieten sehr schlechte Ware, die sie mit Hilfe ihrer "Nützlinge" sehr gut verkaufen. Wir haben fachlich gute Ware und können diese nicht verkaufen. Das lernt unser Berufsverband nicht mehr.

von Georg Summerer

Heizt Strukturwandel nicht an?

Wieder meldet sich eine Doktorin, die sich vor den Augen der betroffenen Landwirte blamieren will. Als erstes bringt Ihr erst mal die Beprobungsbrunnen in Ordnung und meldet eine AUSSAGEKRÄFTIGE Anzahl nach Brüssel bevor Ihr überhaupt den Landwirten irgendwelche Vorschriften machen wollt! Dann überlegt Ihr warum sich die Zahl der landwirtschaftlichen Betriebe so stark reduziert hat, eine kleine Hilfe: der Überfluss an Geld war es mit Sicherheit nicht! Wenn man wie Frau Klages die Auswirkungen der zwangsreduzierten Düngung allein auf den Ertrag beschränkt ohne die Rentabilität der Bewirtschaftung zu beachten, dann fragt man sich als Landwirt schon was diese Frau auf diesem Posten zu suchen hat.

von Willy Toft

Wir sind die Spezis, und wissen genau, was die Pflanzen brauchen!

Vom Schreibtisch aus zu glauben, dass man nur an der einen oder anderen Schraube dreht, und alles ist wieder in Butter, ist ein Trugschluss! Wer jetzt noch die 2 GV/ha- Grenze noch nach unten verschieben will, muss sich ernsthaft fragen lassen, was hier in Deutschland noch laufen soll? Mit der Brechstange eine DüV. durchsetzen, wo alles mit einem Rasenmäher gestutzt wird, kann doch nicht ihr Ernst sein, Frau Klages!

von Gerd Uken

Keinen Nachfolger haben

2. die Investitionen scheuen werden 3. Der nicht kostendeckende Milchpreis... wie sagte gestern jemand mit 120 Kühen ist man schon zu klein für die Zukunft!! Die Kammer rät mindestens für 200 zu bauen. Wo kommt dann der Strukturwandel her gute Frau? Die Milcherzeuger haben in den letzten 30 Jahren 2/3 der Betriebe verloren.

von Werner Kriegl

ganz schlaues Mädchen!

Der Pflanze ins Maul düngen - ganz schlau! Das halbe Jahr ist Sperrzeit, vermutlich wird es im Herbst in Zukunft noch schlimmer. Dann kann man z.B. dem Raps im Herbst schon gar nichts mehr ins Maul düngen. Und der Rest muss am besten auf einmal raus, solange man noch Feuchtigkeit hat. Aber am Schreibtisch ist ja alles wunderbar...

von Gerd Uken

Frau Dr. lebt in ihrer Welt

1. es werden viele aufgeben die kein

von Albert Maier

Scheinbar auch...

... eine Vertreterin ihrer Zunft, die sich in ihrem Wolkenkuckuksheim selbst eingemauert hat.

von Harald Finzel

Ich werde voraussichtlich die Tierhaltung aufgeben müssen, da mir die Auflagen der Düngeverordnung über den Kopf wachsen. Insbesondere würde sich die Anschaffung eines Systems zur bodennahen Ausbringung von Gülle nicht lohnen, und eine überbetriebliche Ausbringung ist aufgrund meiner Infrastruktur (innerorts, da passt kein größeres Güllefass hin) nur mit großen Aufwänden denkbar. Außerdem wäre ich bei den Lohnern aufgrund des geringen Ausbringungsvolumens ohnehin immer der Letzte auf der Liste. Ich kann Frau Klages nur raten, sich von Braunschweig in die strukturschwachen Regionen Süddeutschlands zu begeben, wo es noch viele Kleinbetriebe gibt, und mit den Bauern dort zu reden. Vielleicht kommt sie dann ein wenig von ihrer überheblichen Haltung herunter.

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