Grundwasserschutz

Düngeregulierung: NRW will Haupteintragsquellen von Nitrat identifizieren

NRW will das Grundwasser-Messnetz noch weiter ausbauen und verfeinern. Durch eine flexible Auslegung der Verschärfungen im Düngerecht sollen nur die Betriebe mit Problemen beim Nitrat betroffen sein.

Das nordrhein-westfälische Umweltministerium will die in einigen Gebieten nach wie vor zu hohe Nitratbelastung des Grundwassers mit gezielten Maßnahmen reduzieren.

"Mit dem Gießkannenprinzip kommen wir hier nicht weiter. Wir müssen die Haupteintragsquellen identifizieren und dort gezielt ansetzen", sagte Umwelt- und Landwirtschaftsministerin Ursula Heinen-Esser in Düsseldorf. Die Reduzierung der Nitratbelastung des Grundwassers sei eine der großen Herausforderungen der Wasserwirtschaft, eine nicht dem Pflanzenbedarf angepasste Düngung eine der Hauptursachen.

"Die Nitratbelastung des Grundwassers ist in der Gesamtheit der Messstellen in Nordrhein-Westfalen im vergangenen Jahrzehnt zwar leicht zurückgegangen. Aber es gibt nach wie vor Gebiete, in denen die Nitratgrenzwerte im Grundwasser deutlich überschritten werden. Hier müssen wir alles Erforderliche tun, das Grundwasser zu schützen, zugleich müssen wir dabei auch die Landwirte unterstützen", sagte Heinen-Esser.

Nach den Auswertungen für den Bewirtschaftungsplan 2015 - 2021 zur Umsetzung der EU-Wasserrahmenrichtlinie sind rund 41 % der Landesfläche nitratbelastet. Dabei wird ein Grundwasserkörper dann als insgesamt belastet eingestuft, wenn aufgrund erhöhter Messwerte festgestellt wird, dass mindestens ein Fünftel der Fläche des Grundwasserkörpers belastet ist.

Schaut man auf die Messstellen, weisen im landesweiten Durchschnitt rund 13 % aller Messstellen in Nordrhein-Westfalen Nitratgehalte über 50 mg/l auf. Auswertungen für den Nährstoffbericht 2017 zeigen, dass durchschnittlich 20 % der landwirtschaftlich beeinflussten Messstellen und rund 8 % der nicht landwirtschaftlich beeinflussten Messstellen in Nordrhein-Westfalen erhöhte Nitratwerte aufweisen.

"Daraus wird deutlich, dass wir weiter differenzieren müssen, damit wir zielgerichtet handeln können. Und da wir nicht alle hundert Meter eine Messstelle einrichten können, setzen wir hier verstärkt auf wissenschaftlich fundierte Modellierungen. Ziel ist es, die Betrachtung und Bewertung der Grundwasserkörper stärker zu differenzieren. Diese Binnendifferenzierung wollen wir möglichst schnell mit allen Beteiligten diskutieren und planen hierzu im Herbst ein Verbändegespräch", sagte Heinen-Esser.

Ziel des Ministeriums ist es, die Messstellen nach dem aktuellen Stand der Technik zu prüfen und die etablierten Standards in der Qualitätssicherung anzuwenden. Dies betrifft aktuell insbesondere die Gebiete, in denen überhöhte Nitratwerte im Grundwasser gemessen werden. Darüber hinaus sind, wo erforderlich, auch neue Messstellen vorgesehen, um die Repräsentativität des Messnetzes weiter zu verbessern.

Belastungssituation regional sehr unterschiedlich

Was in allen Erhebungen deutlich wird: Die Belastungssituation und Verteilung ist regional sehr unterschiedlich. NRW verspricht den Bauern daher eine flexible Regelung. Im Ergebnis beinhaltet der zwischenzeitlich seitens des Bundes an die EU übermittelte Vorschlag Ausnahmen für gewässerschonend wirtschaftende Betriebe. Auch soll die angestrebte Quote zur weiteren Reduzierung der Stickstoff-Düngung in belasteten Gebieten nicht schlagbezogen, sondern betriebsbezogen im Durchschnitt der im belasteten Gebiet liegenden Flächen gelten.

Als weitere Maßnahme setzt Nordrhein-Westfalen auf eine verbesserte Gülleaufbereitung. "Noch stärker als bisher gilt es, in Nährstoffkreisläufen zu denken, um Wirtschaftsdünger umweltverträglich und zugleich wirtschaftlich zu nutzen. Indem Nährstoffe aus Gülle, Mist und Ernterückständen speicher- und transportfähig gemacht werden, können sie überregional verwertet und gezielt eingesetzt werden. Dadurch kann auch der Einsatz von Mineraldünger drastisch reduziert werden", betont die Ministerin.

Derzeit ist noch offen, welche eingebrachten Lösungsansätze sich durchsetzen werden. Dies hängt von den tatsächlichen Entscheidungen auf EU- und Bundesebene ab. "Bedauerlicherweise haben die bisher vorgelegten Nachbesserungen die Kommission nicht überzeugt. Ich verstehe die Sorgen der Landwirte angesichts drohender zusätzlicher Düngeanforderungen. Während die Umstellungen mit der neuen Düngeverordnung noch in vollem Gange sind, soll es weitere Verschärfungen geben. Deshalb müssen wir alles tun, das Grundwasser zu schützen und den Landwirten kurzfristig unter die Arme zu greifen, damit sie die aktuelle Situation meistern können. Dazu müssen wir gemeinsam mit Bund und Ländern Wege einer unbürokratischen gezielten Förderung prüfen", sagte Heinen-Esser.

Die Anforderungen an den Grundwasserschutz werden nur zu erfüllen sein, wenn die Betriebe insgesamt alle Möglichkeiten zur Steigerung der Düngeeffizienz, also zur Vermeidung von Nährstoffverlusten, nutzen. Heinen-Esser: "Wir in Nordrhein-Westfalen haben mit der Landesdüngeverordnung unsere Hausaufgaben gemacht. Wir müssen das Grundwasser schützen und gleichzeitig die Landwirte bei den enormen Herausforderungen unterstützen. Das ist und bleibt unser ambitioniertes Ziel und hierfür benötigen wir praktikable Lösungen."

Kooperation statt Vorschriften

Dabei will die Landesregierung begleitend zum Ordnungsrecht verstärkt auf kooperative Ansätze setzen. So habe sich die langjährige erfolgreiche Zusammenarbeit zwischen Wasser- und Landwirtschaft in zahlreichen Wasserkooperationen sehr bewährt, sagt Heinen-Esser. "Wo sie bestehen, sind Erfolge sichtbar. Das Erfolgskonzept ist die freiwillige Teilnahme an den Kooperationen, die wir weiter fördern und ausbauen wollen", so die Ministerin.

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Artikel geschrieben von

Alfons Deter

Redakteur top agrar Online

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Diskussionen zum Artikel

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von Willy Toft

Das wäre der erste Schritt zur Besserung!

Damit die pauschale Diffamierung mal aufhört! Nach dem Motto, wir drücken der Landwirtschaft mal eben den Stempel des Verursachers auf, und dann müssen sie Werte besser werden, wenn man seine eigenen Probleme(Staat u. Kommunen) weiter vernachlässigt!

von Gerhard Steffek

Beispiel Bayern

In Bayern schon 2010 einmal einen "Leitfaden zur Inspektion und Sanierung kommunaler Abwasserkanäle". Aufgelegt wurde dieser, da das bayerische Landesamt für Umwelt zu der Erkenntnis kam das ca. 15 % der Abwasserkanäle Sanierungsbedürftig seien. Bei einer Länge von 100.000 km ist das dann nicht gerade wenig. 2018 wurde dann sogar noch ein extra Programm ("Schau auf die Rohre", (www.schaudrauf.bayern.de) aufgelegt um auf diese Misere hinzuweisen, da bis dahin von seiten der Kommunen wenig Resonanz kam. Dieses "anrüchige Thema" kostet ja schließlich Geld, obwohl keiner so recht sieht was dabei geschieht, es wird ja regelrecht vergraben. Dabei ist es nunmal so, daß bei so einem Abwasserrohr mit einer Haltbarkeit von ca. 50 Jahren gerechnet wird, wenn es länger hält, dann umso erfreulicher. Zwar haben besonders die großen Städte schon erheblich länger Kanäle, aber der Großteil der Kanäle wurde doch erst in den 70er Jahren des letzten Jahrhunderts gebaut. Zumindest in Bayern. Ich kann mich noch gut an den Bau des Ringkanals um den Chiemssee, aber auch um den benachbarten Simssee und Tegernsee erinnern. Die meisten begannen in den 80er Jahren und endeten dann mit den letzten Maßnahmen erst nach 2000, 2010. Bis 2015 lief in Bayern dann noch ein Programm in dem die kleinen Hauskläranlagen noch in der Reinigungsleistung verbessert werden sollten. Zwingende Überwachung dann inbegriffen. Das alleine zeigt schon mal die Brisanz in der es um die Belastungen des Grundwassers geht. Bedenkt man dann noch dazu, daß im Durchschnitt jeder Bürger ca. 130 ltr. Wasser pro Tag verbraucht, dieser durch die Kläranlage fließt und am Ende dann immer noch einen Stickstoffgehalt von ca. 5 mg/ltr hat, dann fließt trotz aller Reinigungsleistung der Kläranlagen immer noch eine gewisse Menge an Stickstoff in die Oberflächengewässer ein. Da müssen es dann gar nicht mal die Bauern sein. Denn dann fließen im Jahr in DE knapp 20.000 Tonnen in unsere Gewässer. Bringen da die Bauern soviel ein? Dass ist aber nur die Menge, die offiziell und erfaßt über den Ablauf der Kläranlagen in die Gewässer gelangt. Schlimmer ist dann doch die Abwassermenge die ungeklärt über defekte Kanäle direkt in den Unterboden versickert. Bei ca. 15 % defekter Kanäle kann dann auch schon einiges zusammenkommen, wobei es auch noch darauf ankommt wo der Kanal liegt. Diese Rechnung zeigt aber auch noch auf, daß wir in Deutschland ständig einen Verlust an Nährstoffen haben. Punktuell mag es an einigen Stellen einen Überschuß geben, aber über die gesamte Fläche betrachtet muß aber von außen eine Zufuhr von Nährstoffen kommen, ansonsten haben wir eine Verarmung unserer Böden.

von Werner Kriegl

Nur die Landwirte?

https://youtu.be/6FXigj_R6Dc

von Georg Summerer

Genau so muss es sein!

Hoffentlich wird es dann auch so durchgeführt. Kein Landwirt wird sich dem entziehen wenn ersichtlich wird dass im Grundwasser letztlich sein Geld schwimmt. So kann auch das verlorengegangene Vertrauen in die Behörden wiederhergestellt werden. Doch wer an einem eventuellen Problem nicht schuld ist darf auch nicht belangt werden.

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