Landvolk/BWV/SLB

Düngeverordnung: Bauernpräsidenten entsetzt über erneute Verschärfung

„Die Viehbestände sinken und der Düngereinsatz geht zurück. Das sind Belege dafür, dass die Landwirte auf dem richtigen Weg sind", stellt Landvolkpräsident Schulte to Brinke fest. Er mahnt, dass die neue Düngeverordnung doch erst einmal wirken müsse. Entsetzt reagiert auch sein Kollege Eberhard Hartelt. Die Bauern seien schon an die Schmerzgrenze gegangen.

Die erst vor einem Jahr umgesetzte neue deutsche Düngegesetzgebung muss zunächst einmal wirken! Das hob Landvolkpräsident Albert Schulte to Brinke hervor. Die von Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner vorgelegten Rahmendaten für eine erneute Verschärfung seien völlig übereilt.

„Die Viehbestände sinken und der Mineraldüngereinsatz geht zurück. Das sind Belege dafür, dass unsere Landwirte auf dem richtigen Weg sind. Wir appellieren an Bauern, aber auch Berater und nicht zuletzt die Politik, diesen Weg konsequent weiter mitzugehen“, benennt Schulte to Brinke eine Kompromisslinie in der Auseinandersetzung um das richtige Maß bei der Düngeverordnung.

Kritisch sieht das Landvolk in den jüngsten Vorschlägen aus dem BMEL die für sogenannte sensible Gebiete diskutierten Maßnahmen. Dazu zählen eine verpflichtende Reduzierung der Düngung um 20 Prozent unter den Bedarf der Pflanzen, ein Verbot der Herbstdüngung zu Winterraps und Wintergetreide sowie die Einschränkungen des Wirtschaftsdüngereinsatzes unter den tatsächlichen Düngebedarf der Pflanzen.

Die Landwirtschaft will mitwirken, die Einträge von Nitrat in das Grundwasser deutlich zu verringern, wenn die Grenzwertüberschreitungen im Einzugsbereich von Messstellen durch die Bewirtschaftung verursacht werden, betont das Landvolk. Dort, wo die Analysedaten der amtlichen Messnetze aber zeigen, dass die Grenzwerte im Einzugsbereich eines Brunnens nicht überschritten sind und auch kein stark steigender Trend in diese Richtung festgestellt werden kann, wehrt sich die Landwirtschaft gegen unbegründete Auflagen und Einschränkungen. Das Einstufungsverfahren nach Wasserrahmenrichtlinie bewertet das Landvolk als zu pauschal und zu grob bemessen. Es biete nicht die Grundlage dafür, große Gebiete, in denen es keine übermäßigen Nitrateinträge in das Grundwasser gibt, mit Auflagen zu überziehen.

Hartelt: Vertrauensbruch und fehlende Rechtssicherheit

LWK RLP (Bildquelle: BWV)

Entsetzt reagiert auch der Präsident des Bauern- und Winzerverbandes Rheinland-Pfalz Süd (BWV), Eberhard Hartelt: „Wenn eine Verordnung, über die jahrelang verhandelt wurde, bereits nach 18 Monaten wieder grundsätzlich in Frage gestellt wird, ist das ein Vertrauensbruch gegenüber den betroffenen landwirtschaftlichen Betrieben und widerspricht meinem Verständnis von Rechtssicherheit.“

Bei der Novellierung der Düngegesetzgebung im Jahr 2017 sei der Berufsstand an die Schmerzgrenze gegangen, die jetzt vorgelegten Pläne gingen deutlich darüber hinaus. Viele vorgeschlagenen Verschärfungen würden allen Grundsätzen der guten fachlichen Praxis wiedersprechen und eine pflanzenbaulich sinnvolle Bestandsführung in manchen Kulturen unmöglich machen. Der Berufsstand könne dies nicht akzeptieren. „Ich kann nur wohlwollend unterstellen, dass den politisch Verantwortlichen die Auswirkungen der geplanten Änderungen aufgrund von fehlender Praxisnähe nicht bekannt sind, ansonsten kann ich mir die gemachten Vorschläge nicht erklären“, so Hartelt. Es sei nicht zielführend, punktuellen Herausforderungen mit bundesweit noch strengeren Vorgaben zu begegnen. Dies gehe insbesondere zu Lasten von klein strukturierten Gebieten, was sicher nicht gewollt sei.

Den Verweis auf die noch immer zu hohen Nitratwerte im Grundwasser hält der BWV-Präsident für ein vorgeschobenes Argument. Zum einen gebe es bereits erste erkennbare Auswirkungen auf Düngeeinsatz und Betriebsstrukturen, zum anderen seien positive Effekte auf das Grundwasser nicht kurzfristig feststellbar. Er plädiert daher für eine Bewertung der bisherigen Maßnahmen nach einem Zeitraum, der Veränderungen auch erkennen lasse.

Darüber hinaus müssten sich Bund und EU fragen, welches finale Ziel mit einem immer weiter verschärften Düngerecht erreicht werden soll. Sollte die sukzessive Verlagerung der landwirtschaftlichen Produktion ins Ausland mit deutlich geringeren Standards angestrebt werden, wäre die erneute Revision der Düngeverordnung ein großer Schritt auf diesem Weg.

SLB: Schluss mit dem Ping-Pong-Spiel zwischen Brüssel und Berlin

SLB (Bildquelle: SLB)

Der Sächsische Landesbauernverband hat für die Forderungen der EU-Kommission nach einer erneuten Änderung der deutschen Düngeverordnung kein Verständnis. Die Bauern in Deutschland arbeiten laut Bauernpräsident Wolfgang Vogel mit Hochdruck daran arbeiten, die gestiegenen Anforderungen im Gewässerschutz umzusetzen, hätten aber kein Verständnis für das aktuelle Ping-Pong-Spiel zwischen Brüssel und Berlin. Die Glaubwürdigkeit, auch der deutschen Politik sei gefährdet, wenn ohne eine fundierte Bewertung des geltenden Düngerechts und vor der Vorlage des nächsten Nitratberichts 2020 die Grundlagen des Düngerechts erneut geändert werden.

Das neue Düngerecht zeige auch bereits Wirkung und führe schon im ersten Düngejahr zu spürbaren Veränderungen in der Tierhaltung, in den Betriebsstrukturen und beim Düngeeinsatz. So geht der Einsatz von stickstoffhaltigen Handelsdüngern und Klärschlamm deutlich zurück und auch die Bestände von Rindern und Schweinen nehmen überproportional ab.

Artikel geschrieben von

Alfons Deter

Redakteur top agrar Online

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Diskussionen zum Artikel

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von Yvonne Richter

Lamentieren hilft nicht

Lamentieren hilft nicht--> HANDELN Lamentieren hilft nicht Solange Politiker sich anmaßen, über die Köpfe von denen die sie gewählt haben hinwegsetzen zu können wird es immer wieder Entscheidungen von Nichtskönnern geben, die ALLES KÖNNEN, egal auf welchem Gebiet. Im Industriebereich muss man ja "Rücksicht" auf die Lobby nehmen. Welche Lobby haben eigentlich diejenigen, die die Menschen satt machen? KEINE!!!!!!!!! So und nun zum Thema lamentieren: EUCH LANDWIRTEN hilft niemand, auch Eure tollen Verbände nicht, denn diese reagieren immer nur auf das, was die Politik gerade veranstaltet. Also, "Hilf dir selbst, sonst hilft Dir niemand" sagt schon ein altes Sprichwort. Wie wäre es wenn die in den Kommentaren angesprochenen "Kleinen" das Hefter selbst in die Hand nehmen. Machen wir aus 200.000.000 m³ Gülle und Gärresten, doch einfach nur 200.000 t hochwertigen Dünger, der direkt und zielgerichtet in den Regionen eingesetzt wird, wo man ihn braucht, oder den Überschuss einfach verkauft!!! Viele "Kleine" sind eine Macht, wenn Sie sich zusammenschließen und eine Genossenschaft oder anderes sinnvolles Zusammengehen im regionalen Bezug macht stark und kann die Probleme lösen. Wir haben technische Möglichkeiten, die darauf warten umgesetzt zu werden, allerdings bedeutet diese auch Kampf gegen die Lobby der Mineraldüngerindustrie und damit gegen die Politik. Fangen wir endlich mit sinnvollen Maßnahmen an und lassen uns nicht ständig in sinnloser Existensbedrohung halten und den Schuldigen vielleicht noch bei unsere Nachbarn suchen, z.B. bei denen die Grünland bewirtschaften, oder vielleicht auch noch eine Biogasanlage betreiben ? Genau diese kleinliche Auseinandersetzung wird politisch gewollt, um die Schuldigen doch nur wieder bei den Landwirten zu suchen, damit die Nichtskönner von Politikern ihren Sessel behalten können. Wir habe sie gewählt, dann sollen sie auch ihre Arbeit machen. NEID AUF DEN ANDEREN NUTZ NICHTS UND ÄNDER SCHON GARNICHTS!!!

von Wilhelm Kruschwitz

Wir schaffen das

Wir in Deutschland schaffen es, uns abzuschaffen. So war es auch bei den Griechen und Römern. Gib dem Volk Brot und Spiele und du hast leichtes Spiel. Fragt sich nur , wie lange noch?

von Otto Müller

Wenn die Ställe leer stehen, dann haben die Biogassubventionen ihr Ziel erreicht

Das Schweigekartell aus Politikern, Medien und landw. Verbänden funktioniert. Es ist zwar soweit, dass auch der letzte die Ergebnisse sehen kann, die es ohne die Einigung von Bauernverband und Grünen nicht gegeben hätte: Umwelt- und Ökosubventionen bis der Arzt kommt und für 20 Jahre gesichert, gerne auch ohne die von der EU vorgeschriebene Einhaltung der 170kg N-Grenze zur Begrenzung von Nitrat im Grundwasser. Eine Farce! Das sagt aber keiner laut. Bei soviel Dauersubventionen lässt sich jeder kaufen. Z.B. der Landvolkpräsident Schulte to Brinke: „Die Viehbestände sinken... . Das sind Belege dafür, dass die Landwirte auf dem richtigen Weg sind".

von Leidenberger Horst

Hallo Herr Maier Mein Betrieb liegt zu 100% im Roten Gebiet . Die nächste Messtelle ist 10km entfernt und hat einen Nitratgehalt von 6.7mg. Mein Brauchwasserbrunnen liegt bei ca. 2mg, der Brunnen eines Berufskollegen (2km entfernt) ebenfalls unter 2mg. Für mich stellt sich schon die Frage nach welchen kriterien diese Gebiete ausgewiesen werden.

von Otto Müller

Wenn die Ställe leer stehen, dann haben die Biogassubventionen ihr Ziel erreicht

Das Schweigekartell aus Politikern, Medien und landw. Verbänden funktioniert. Es ist zwar soweit, dass auch der letzte die Ergebnisse sehen kann, die es ohne die Einigung von Bauernverband und Grünen nicht gegeben hätte: Umwelt- und Ökosubventionen bis der Arzt kommt und für 20 Jahre gesichert, gerne auch ohne die von der EU vorgeschriebene Einhaltung der 170kg N-Grenze zur Begrenzung von Nitrat im Grundwasser. Eine Farce! Das sagt aber keiner laut. Bei soviel Dauersubventionen lässt sich jeder kaufen. Z.B. der Landvolkpräsident Schulte to Brinke: „Die Viehbestände sinken... . Das sind Belege dafür, dass die Landwirte auf dem richtigen Weg sind".

von Hans Merk

Das wird die Politik beeindrucken

wenn die Herrn Präsidenten über eine Verschärfung entsetzt sind! Macht ruhig so weiter ihr großen Bauernführer, heute aufheulen, morgen jammern und übermorgen fügen. Das hat uns dorthin gebracht wo wir jetzt sind. Statt konstruktive einfache Vorschläge wie die des Bauernbund Brandenburg mit allen Mitteln, von Klagen bis Demos a la Frankreich, durchzudrücken setzt ihr weiterhin auf die Leidensfähigkeit eurern wenigen aktiven Mitgliedern. Es wird nie aufhören und wir alle sind genauso wie die Kirchen und die Vereine die Verlierer dieses Jahrhunderts weil die führenden Personen dieser Organisationen im bequemen "Weiterso" Halbschlaf dahindämmern und auf ein entgegenkommen der Kritiker hoffen . Auch auf der Titanic sollen welche erst aufgewacht sein als das Bett nass wurde.

von Wilhelm Grimm

Die Umweltverbände haben in Berlin und Brüssel erfolgreich gearbeitet !

Und die Bauernverbände ? Die müssen besser werden, wenn sie überleben wollen ! Wir haben gute und öffentlichkeitswirksame Ware, verkaufen uns aber schlecht. Die selbsternannten Umwelteliten haben schlechte Ware, verkaufen diese aber sehr gut.

von Heinrich-Bernhard Muenzebrock

Phosphor

Wenn die Phosphorwerte eingehalten werden, was Bestandteil der Düngeverordnung 2017 ist, dann wird sich die Nitratproblematik von allein erledigen. Der begrenzende Faktor in der heutigen Praxis der Düngung ist der Phosphorbedarf der Kulturen. Ich bin auch der Meinung, dass 80-90 % der Landwirte konform zur Düngeverordnung arbeiten. Es gilt die restlichen Berufskollegen auf den richtigen Weg zu bringen. Diese senken ihre Kosten auf dem Rücken der korrekt wirtschaftenden Landwirte. Zudem schädigen sie das Image der konventionellen Landwirtschaft.

von Willy Toft

Die Unsicherheit der Regierung treibt diese Blüten zum Nachjustieren!

Das Stochern im Nebel hält weiter an, die Messstellen werden nicht alle gemeldet, die Verbesserungen bisher, sind noch nicht messbar, aber wir setzen noch mal eins drauf, damit Brüssel beruhigt ist. Die Landwirte fragen sich schon länger, nach der Sinnhaftigkeit ihres Tuns, wenn nicht einmal der Staat Sicherheit ausstrahlt, bei dem was sie uns "verordnen"!

von Albert Maier

Genau diese sensiblen Gebiete,

in denen weniger als 10% der Bauern wirtschaften, haben uns die Suppe eingebrockt. Nach wie vor nimmt der DBV diese in Schutz und lässt dafür 90% der Bauern mithaften.

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