Landwirtschaft im Dialog

Düngung: Strengere Regeln in Dänemark

Mit welchen Düngestrategien lassen sich die Klimaziele erreichen? Darüber wird bei "Landwirtschaft im Dialog" am 11.02 diskutiert. Wir haben Podiumsteilnehmer Hans Otto Sørensen vorab befragt.

Im Rahmen der europäischen NEC-Richtlinie hat sich Deutschland verpflichtet, den Ammoniakausstoß bis zum Jahr 2030 um 29% zu senken. Gilt dieser Wert auch für die dänischen Landwirte?

Sørensen: Dänemark hat sich im Rahmen des Göteborg Protokolls verpflichtet, den NH3-Ausstoß in der Zeit von 2005 bis 2020 um 24 % zu senken. Dieses Ziel war bereits sehr ambitioniert. Nach der neuen europäischen Richtlinie kommen bis 2030 noch 13 % hinzu – das ist eine extrem schwierige Aufgabe, die mit enormen Kosten verbunden sein wird.

Mit welchen Maßnahmen versucht die dänische Regierung, das Ziel zu erreichen?

Sørensen: Schon vor 2005 galten in Dänemark strenge Regeln bei der Verwendung von organischen Düngern wie z.B. die Injektion, das Verschlauchen, die sofortige Einarbeitung, enge Sperrfristen und Regeln zur Lagerung. Zudem wurden die N-Mengen begrenzt - so gab es eine Quote pro Hektar, abhängig von der angebauten Kultur wie Getreide, Gras oder Rüben, aber auch von Parametern wie z.B. Fruchtfolge, Bodenart (Lehm, Sand, Moorboden), Bewässerung, Nitratgehalt und Ertragshöhe. Die Quote wurde in den Jahren bis 2015 dramatisch vermindert. Dazu kommt, dass wir jedes Jahr die Größe und Leistung der Tierhaltung auf dem Hof melden müssen - alles wird intensiv kontrolliert. Beim Neubau gelten strenge Genehmigungsregeln, die auch NH3-Emissionen betreffen. Weil Dänemark den NH3-Ausstoß in der Vergangenheit schon stark senken musste, wird es für uns viel schwieriger als für unsere Nachbarländer sein, die zusätzlichen Minderungsziele bis 2030 zu erreichen.

Zurzeit ist die Ausbringung von Gülle nur unter sehr strengen Regeln zulässig. Dazu zählen z.B. die Ansäuerung der Gülle mit Schwefelsäure oder Nitrifikationshemmern. Neue Ställe müssen mit Luftfiltern und Versäuerungsanlagen ausgestattet sein. Auch gelten Abstandsvorschriften zu Ortschaften. Die Gülle darf zudem nur in geschlossenen Behältern lagern und Mist muss nach dem Ausmisten spätestens nach 24 Stunden abgedeckt werden. Wird der Mist gestreut, muss man ihn innerhalb von 4 Stunden einarbeiten.

Die Regierung erwartet, dass wir das Minderungsziel der EU-Richtlinie ohne große Einschränkungen im Tierbestand schaffen können. Nach meiner Meinung schaffen wir die 37 % NH3-Minderung nicht bis 2030.

Werden die Düngeregeln in Dänemark jetzt noch strenger?

Sørensen: Die Quotenregelung zur Reduktion von Stickstoff ist zwar seit 2016 aufgehoben. Die Regierung wird die Düngeregeln aber wohl wieder verschärfen, um die ambitionierten NH3-Minderungsziele zu erreichen.

Wie vermeiden Sie in Ihrem Betrieb die Ammoniakemissionen?

Sørensen: Im Getreide setzen wir der Gülle z.B. Schwefelsäure zu, um die Emissionen niedrig zu halten. Zu Mais arbeiten wir die Gülle entweder sofort in den Boden ein oder injizieren sie. Auch Nitrifikationshemmer kommen zum Einsatz. Unsere Güllebehältern sind zudem mit einer dichten Fliesschicht (gehäckseltes Stroh auf die Oberfläche) versehen.

Was sind die Konsequenzen aus den strikten Vorgaben?

Sørensen: Wegen der viel zu strengen Regeln geht die Anzahl der Bauern in Dänemark stark zurück und damit auch die Anzahl von Höfen mit Tierhaltung. Rund drei Viertel sind bereits verschwunden.

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Die Veranstaltung "Effizient düngen und das Klimas schützen - geht das überhaupt?", die top agrar im Rahmen des Diskussionsformats „Landwirtschaft im Dialog“ durchführt und moderiert, findet am  11. Februar 2020 in Berlin in der Vertretung des Landes Hessen  statt. Die Teilnahme ist kostenlos. Weitere Informationen und die Anmeldung finden Sie unter www.seminare.lv.de. 

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Diskussionen zum Artikel

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von Hendrik Hueske

Schon interessant was die Niederländer so machen und man dann Timmermanns Äusserungen liest. "Letztes Jahr kündigte das Kabinett idiotische Stickstoffmaßnahmen an, die tiefe wirtschaftliche und soziale Auswirkungen haben. Die Begründung für diese weitreichenden Maßnahmen ist kurz, aber aussagekräftig: wegen der "Natur"; sie tun so, als hätten sie wirklich keine andere Wahl. Aber das ist absolut nicht der Fall! Aber es wurden politische Entscheidungen getroffen! Sie sind nur verborgen. Die Regierung schlägt vor, dass die Natur "gerettet" wird, sobald wir unsere Emissionen in Ordnung gebracht haben, und wir unsere wirtschaftlichen Aktivitäten fortsetzen können. Aber die Grenzen sind so gesetzt, dass sie gar nicht eingehalten werden können! Ein Beispiel: Der Stickstoffniederschlag auf der unbewohnten Watteninsel Rottumerplaat beträgt bereits 14 Kilogramm pro Hektar. Und es gibt keine Autobahn und keine Tierhaltung in der Umgebung. Der Stickstoffgrenzwert für die Deurnese-Schale wurde auf 5,5 Kilo (!!) pro Hektar festgelegt; selbst wenn morgen alle Rinderfarmen, Fabriken und Autos aus Noord-Brabant verschwinden, wird dieser Wert überhaupt nicht erreicht werden! Solche unmöglichen Grenzen sind ein Freibrief für weitreichende Maßnahmen. In einigen Jahren werden unzählige Familienbetriebe verschwunden sein. Die verbleibenden Bauern haben Millionen in "emissionsarme" Ställe investiert, und dennoch werden die Politiker feststellen, dass die "kritischen Grenzen" immer noch überschritten werden und noch mehr Maßnahmen ergriffen werden müssen. Sie winken mit detaillierten Zahlen, die den Stickstoffniederschlag zeigen. Dies ist nicht der tatsächliche Niederschlag, sondern das Ergebnis eines Modells, einer Berechnung. Die "Unsicherheitsmarge" steigt auf 70 oder sogar 100%. Und doch bestimmen diese Berechnungen die Zukunft für Tausende von Landwirten und alle damit verbundenen Industrien. Darüber hinaus wurde die Entscheidung getroffen, nur einige wenige Formen der Natur als Natur zu betrachten. Pflanzen, die Stickstoff lieben, werden besser wachsen und gegenüber anderen Pflanzen an Boden gewinnen. Dadurch kann die Natur anders, weniger unfruchtbar und holziger werden. Und das ist nicht erlaubt: Offenbar ist weniger Unfruchtbarkeit keine Natur? Noch seltsamer ist die politische Entscheidung, dass sich die Flora und Fauna in den Naturgebieten überhaupt nicht verändern soll. Heidekraut muss immer Heide bleiben, Wald muss immer Wald bleiben. Das ist eine politische Sichtweise, die von der Wissenschaft völlig ungestützt ist. Praktisch alle Naturschutzgebiete in den Niederlanden sind das Ergebnis einer vom Menschen verursachten Veränderung, daran ist nichts Natürliches! Die heute so schützenden Oostvaardersplassen und die Hoge Veluwe hätten ohne den Menschen gar nicht existiert. Das ist Naturpolitik heutzutage. Eine ausgewählte Vision der Natur, ein unbegründeter Fokus auf Stickstoffemissionen, Ziele, die per Definition unerreichbar sind und eine Politik, die auf einem Computermodell statt auf Messungen basiert." In manchen Dingen sind uns unsere Nachbarn ja voraus. Hat hier mal jemand hinterfragt wie sie hier gerechnet haben? Außerdem kommt ja die Phosphorgrenze auch noch dazu- wir sind eben etwas langsamer......dafür dann gründlicher

von Rudolf Rößle

Werden

dort dann landwirtschaftliche Flächen nicht mehr bewirtschaftet oder weiter munter verpachtet?

von Renke Renken

Und mir fehlt

immer noch die Aussage, daß im Luft- und Schiffsverkehr die Schadstoffemissionen auch drastisch reduziert werden müssen, in diesen Bereichen sind sie zurückgehend auf ein Basisjahr von meinetwegen 1995 oder auch 2005 nur drastisch angestiegen, und hier wird weiter mit Wachstum geplant. Ehrlich gesagt mir fehlen langsam die Worte, daß man die landwirtschaftliche Produktion in vorderster Front für die Reduktion von CO² vorranschiebt, und bei den anderen sich nicht mal traut das Thema überhaupt anzutasten, irgendetwas in unserer heilen Wohlstandsgesellschaft scheint total verschoben.

von Gerd Uken

TImmermanns

https://youtu.be/_EJIYCVLObg Da redet jemand Tacheles - so sehen unsere Niederländischen Bauern das auch.

von Georg Götz

Dünger aus dem Autoauspuff spielt wahrscheinlich auch dort keine Rolle

Der enorme Ammoniakausstoss von 3 Wege-Katylisator bleibt anscheinend auch in diesem Land ausser Betracht. Auch hier wird die Landwirtschaft als alleiniger Sündenbock bestraft.

von Stephanie Winhard

Dänemark wird uns ja als leuchtendes Beispiel vorgehalten

Dann dürfen wir davon ausgehen, daß auch bei uns die Abwicklung von 3/4 der (Klein)betriebe vorgesehen ist, die sich die neue Technik schlicht nicht leisten können? Das würde hier nur nie jemand laut aussprechen.

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