Dürre2018: Bauernverband korrigiert Ernteerwartung deutlich nach unten

Der Deutsche Bauernverband (DBV) korrigiert seine Ernteprognose noch einmal deutlich nach unten. Statt der zuletzt geschätzten 41 Millionen Tonnen Getreide rechnet der DBV nur noch mit einer Erntemenge von rund 36 Millionen Tonnen.

Der Deutsche Bauernverband (DBV) korrigiert seine Ernteprognose noch einmal deutlich nach unten. Statt der zuletzt geschätzten 41 Millionen Tonnen Getreide rechnet der DBV nur noch mit einer Erntemenge von rund 36 Millionen Tonnen.

Die neuen Zahlen aus der zweiten Erntemeldung beziehen nun in großem Umfang die tatsächlichen Erntemengen mit ein und bestätigen die pessimistischen Einschätzungen aus den zurückliegenden Tagen. Angesichts dieser Entwicklung fordert der Präsident des Deutschen Bauernverbandes, Joachim Rukwied, die Bundesländer zum zügigen Handeln auf, der Bund müsse dann folgen.

„Viele Bauern brauchen jetzt eine schnelle Unterstützung. Die aus unserer Sicht eindeutigen Zahlen lassen eine grundsätzliche Entscheidung über Dürrehilfen schon jetzt zu. Nach den uns vorliegenden Meldungen aus den Landesbauernverbänden sind die Voraussetzungen für Finanzhilfen durch die Länder in den besonders betroffenen Regionen klar erfüllt.“
 
Die Getreide- und Rapsernte ist in den vergangenen Wochen zügig vorangeschritten. „Selbst in den norddeutschen Regionen ist die Ernte ungewöhnlich weit und zeigt das katastrophale Ausmaß der Dürreschäden. Die Erntemengen bleiben deutlich hinter unseren ohnehin geringen Erwartungen zurück“, betont Rukwied anlässlich des zweiten Ernteberichtes des DBV.

„Die geringen Ertragserwartungen und die Sorge um eine ausreichende Futterversorgung hat einige Betriebe veranlasst, ihre Getreidebestände vorzeitig zu häckseln. Die Maisbestände bilden wegen der anhaltenden Trockenheit keine Kolben aus. Das wird die Körnermaisernte erheblich schmälern und hat auch bei der Verwendung als Silomais Auswirkungen auf die Qualität des Futters“ erklärt Rukwied mit Blick auf die Futterversorgung.
 
Die wichtigste in Deutschland angebaute Getreideart ist Winterweizen mit einer Anbaufläche von 2,96 Millionen Hektar. Die Weizenernte steht in den überwiegenden Regionen kurz vor dem Abschluss. Noch zu erntende Flächen finden sich in Höhenlagen und im Norden Deutschlands. Die Druschergebnisse lassen im Bundesdurchschnitt auf einen Ertrag von 6 Tonnen pro Hektar schließen. Damit liegt der Ertrag dieser für das gesamte Ernteergebnis so wichtigen Getreideart 20 Prozent unterhalb des Vorjahresertrages in Höhe von 7,7 Tonnen pro Hektar. Der Durchschnittsertrag der Jahre 2013 bis 2017 in Höhe von 8 Tonnen pro Hektar wird sogar um 25 Prozent verfehlt. Folglich ergibt sich eine Winterweizenernte in Höhe von knapp 18 Millionen Tonnen (Vorjahr: 24,1 Millionen Tonnen).
 
Eine für den von der Trockenheit besonders betroffenen Norden und Osten Deutschlands wichtige Getreideart ist Winterroggen. Hier stehen 448.000 Hektar der insgesamt zur Ernte 2018 angebauten 532.000 Hektar. Auch Roggen wird in Kürze vollständig eingebracht sein. Die Erträge fallen mit nur 3,7 Tonnen pro Hektar deutlich hinter den Vorjahreswert von 5,1 Tonnen pro Hektar zurück (minus 28 Prozent) und auch der Durchschnittsertrag der letzten fünf Jahre von 5,7 Tonnen pro Hektar wird um 35 Prozent unterschritten. Insgesamt ist in diesem Jahr von einer Roggenernte von knapp 2 Millionen Tonnen auszugehen (2017: 2,7 Millionen Tonnen).
 
Die Ernte von Winterraps, der wichtigsten Ölpflanze im deutschen Ackerbau, ist bis auf Restflächen abgeschlossen. Im Bundesdurchschnitt wird ein Ertrag von nur knapp 2,6 Tonnen pro Hektar erzielt. Das ist gegenüber dem Vorjahresertrag ein Rückgang um 21 Prozent; der Fünf-Jahresdurchschnitt wird sogar um 32 Prozent verfehlt. Unter Berücksichtigung der Anbaufläche von 1,26 Millionen Hektar beläuft sich die diesjährige Rapsernte auf knapp 3,3 Millionen Tonnen. Gegenüber der Vorjahresernte entspricht dies einem Rückgang von etwa 1 Million Tonnen Raps bzw. einem Minus von 24 Prozent. Im Mittel der vergangenen fünf Jahre ernteten die deutschen Bauern noch 5,2 Millionen Tonnen.

Kommentar zur Düngeverordnung: „Anderswo ist es auch hart!“

Meldung verpasst? Wir verhindern, dass Sie nicht mitreden können. Tragen Sie sich jetzt für unseren Newsletter ein und wir benachrichtigen Sie über alle wichtigen Ereignisse rund um die Landwirtschaft.

Artikel geschrieben von

Alfons Deter

Redakteur top agrar Online

Schreiben Sie Alfons Deter eine Nachricht


Diskussionen zum Artikel

Kommentar schreiben

von Ottmar Ilchmann

Interessenvertretung?

Durch seine vorherigen viel zu hohen Ernteprognosen hat der DBV nicht unerheblich dazu beigetragen, dass die Preise zu Beginn der Ernte viel zu niedrig waren! Er arbeitet damit direkt den Abnehmern, vor allem im genossenschaftlichen Bereich, in die Hände, mit denen er ja strukturell und personell auf das Engste verflochten ist. Jetzt soll der Steuerzahler die Verluste ausgleichen, die man mit frühzeitigen realistischen Prognosen und der starken Forderung nach sofortiger Anhebung der Preise zum Teil hätte verhindern können. Von den jetzt einsetzenden Preissteigerungen profitiert zum größten Teil der Handel. Wessen Interessen vertritt der Bauernverband?

von Edgar Ebrecht

Ernteschätzung

Wo sind eigentlich die ganzen Glaskugelleser, die schon im Februar wissen, wie die Ernte wird?

von Hans Nagl

Die Regierung wartet !

Die Preise im September ab ,dann sind die Verluste im Durchschnitt nicht so groß.

von Wolfgang Rühmkorf

Richard Huber Wir werden im nächsten Jahr gern Ihre geschätzte Ernteerwartung, die ein hohes Maß an Sicherheit aufweisen wird, erfragen. Ein Kollege

von Richard Huber

Das ist wirklich Realsatire.

Wenn alles vorbei und die Sachlage klar ist kommt der Bauernverband und bestätigt dies. Wer zahlt denn bei dieser Organisation noch Mitgliedsbeiträge?

von Christian Bothe

Was soll dieses Gerede von besseren Preisen,die natürlich absolut nötig sind.Aber glauben die Kommentatoren(das geistert ja schon ein paar Tage rum) wirklich,das der DBV und die anderen Verbände einen Einfluss darauf haben? Das ist Sache der Vertragspartner in der Primärproduktion mit dem Verarbeiter und dessen Aufgabe den EK mit dem LEH auszuhandeln.Glauben Sie das mich als Getreidehändler irgendein BV interessieren würde,wenn ich es denn wäre...Einkaufsgenossenschaften haben da andere Möglichkeiten auf die Preise Einfluss zu nehmen und Genossenschaftsmitglieder in den Milchhöfen sowieso.Alles andere ist Wunschdenken.

von Gerhard Steffek

Grundsätzlicher Fehler -

in dieser Diskussion, oder auch Gejammere wegen der fehlenden Erträge, vermisse ich grundlegende Aussagen wie jetzt die Eigenversorgung gesichert ist. Wie hoch ist der Bedarf im Land und wie hoch sind die Erträge? Wieviel wird zugekauft, wieviel muß jetzt zusätzlich zugekauft werden? Das würde dem Bürger vielleicht mal den Ernst der Sache verdeutlichen. Ständig wird von Überschüssen und Exporten gefaselt, aber nur wenn man ins Eingemachte geht dann bekommt man Daten und muß feststellen, daß wir nach wie vor im landwirtschaftlichen Bereich ein Importland sind, daß hier die Leistungsbilanz negativ ist. Dann kann ja mal der Bürger selber entscheiden was ihm lieber ist. Aus deutschen Landen frisch auf den Tisch, oder das genmanipulierte Sojaschnitzel aus den USA.

von Eike Bruns

Der DBV hat Erntezeit!

Wenn man sich jetzt so anhört oder liest was von der Nichtlandwirte Seite zum Thema Hilfen, Dürre und den Konsequenzen daraus alles zu Tage kommt dann sage ich nur danke DBV. Wir müssen uns selbst helfen wenn wir vom Steuerzahler Hilfe fordern dann wird der Gegenforderungen stellen. Wir brauchen Rahmenbedingungen die WIR mitgestalten und nicht die Öko, Bienenweide, Landlust , Bauernhofromantik, Kleinbauern Produktion , etc Phantasien die jetzt alle diskutiert werden. Wenn der DBV sich mal wieder als Weltmarkteroberer und Stützeforderer positioniert dann werden wir andere über uns entscheiden lassen. Der DBV ist Teil des Problems (Hauptteil) und nicht ansatzweise Lösung. Ja DBV wir ernten jetzt das was Du unter Sonnleitner und jetzt gesät hast.

von Otto Klapfenberger

Preise?

Die könnten die nächsten Wochen steigen, dann könnten wir preislich rund 20% gegenüber Vorjahr ausgleichen... Mir scheint es der Bauernverband vertritt nur noch die ganzen Ackerbaubetriebe die in den letzten 10 Jahren im Durchschnitt lt Buchführungsvergleiche sowieso schon die höchsten Gewinne aller Betriebsformen eingefahren haben. Sorry aber eine Ernte sollten diese Betriebe schon ausgleichen können! Für die anderen die letztes Jahr schon herbe Einbußen hatten, sehe ich es richtig hier zu helfen.

von Renke Renken

Die brauchen Geld, egal wie,

Hauptsache die Rendite der Investoren ist irgendwie hizubekommen.

von Heinrich Esser

Komisch...

...in der ganzen Diskussion um die anhaltende Dürre kam vom DBV nicht einmal etwas zu besseren Preisen. Oder irre ich mich da? Wollen die das etwa nicht?

Diskutieren Sie mit

Tragen Sie mit Ihrem Beitrag zur Meinungsbildung zu diesem Artikel bei.

Sie müssen sich einloggen um Kommentare zu bewerten

Abbrechen

Sie haben noch kein Benutzerkonto?

Benutzerkonto erstellen