top agrar plus Krautabtötung bei Kartoffeln

Elektrische Sikkation – wie gut funktioniert das?

Weil chemische Werkzeuge schwinden, sind zur Krautabtötung von Kartoffeln neue Lösungen gefragt. Versuche der LWK NRW zeigen, ob das Verfahren Nucrop eine Alternative sein kann.

Unsere Autorin: Dr. Marianne Benker, Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen

Seit dem Wegfall von Reglone sind chemische Strategien zur Krautregulierung in Kartoffeln oft nicht mehr wirkungssicher genug. Deshalb führt die LWK NRW seit nunmehr vier Jahren Versuche zur elektrischen Sikkation durch – seit 2020 auch mit dem hybridelektrischen Verfahren Nucrop.

Was ist Nucrop...

Im Vergleich zu anderen elektrischen Systemen kommen bei Nucrop Kurzstrecken-Applikatoren (SRA – short range applicator) zum Einsatz. Diese bewirken, dass der Strom nur oberirdisch durch die Pflanzen fließt. Unterstützt wird das Verfahren durch eine spezielle Elektrolytlösung (Volt.fuel plus Activator), um den elektrischen Widerstand der Pflanzen zu senken. Durch die Benetzung erhöht sich die Leitfähigkeit, sodass der Strom effektiver zum Wirkort gelangt. Zudem wird dadurch auch die Wachsschicht durchlässiger, was die Effizienz der Behandlung steigert.

Entwickelt wurde das Gerät vom Aachener Agtech-Startup crop.zone. In Kooperation mit der Firma Nufarm wurde das Nucrop-Verfahren 2021 dem deutschen Markt vorgeführt. Weitere Details dazu finden Sie auch unter www.nucrop.com. Bislang beschränkt sich der Einsatz des Systems auf die Sikkation von Kartoffeln – weitere Anwendungen sollen folgen.

...und wie funktioniert es?

Unmittelbar vor der elektrischen Maßnahme behandelt man die Kartoffelpflanzen über eine Feldspritze an der Fronthydraulik des Schleppers mit der leitfähigen Flüssigkeit Volt.fuel plus Activator. An der Heckhydraulik des Schleppers befindet sich ein zapfwellenbetriebener Generator, der die mechanische Leistung des Schleppers in Drehstrom umwandelt. Die elektrische Leistung wird dann über einen integrierten Schaltschrank zu 16 Hochspannungseinheiten verteilt, die jeweils einen von 16 Applikatoren versorgen. Diese sind 75 cm breit und 1 m lang und an einem hydraulisch klappbaren Gestänge hinter dem Generator angeordnet. Ein einzelner Applikator behandelt jeweils eine Kartoffelreihe.

An den Applikatoren befinden sich Elektrodeneinheiten mit unterschiedlicher Polung. Durch das Berühren der Pflanzen schließt sich der Stromkreis, die Zellen werden zerstört, die Abreife eingeleitet und die Schalenfestigkeit der Kartoffeln gefördert.

Insgesamt arbeitet man bei diesem System mit einer Leistung zwischen 1600 und 5500 Volt und pro Applikator mit bis zu 7 kW. Mit einer Arbeitsbreite von 12 m und einer Geschwindigkeit von bis zu 8 km/h (= 12 kWh/ha) lässt sich eine Flächenleistung von 4 bis 5 ha pro Stunde erreichen. Das Gerät wiegt 2,4 t und an der Zapfwelle sind für den Antrieb 145 kW erforderlich.

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1. Versuchsjahr: Sehr gute Wirkungsgrade erreichbar

Um zu prüfen, welche Sikkationsleistung mit Nucrop möglich ist, kam 2020 ein erstes Versuchsgerät mit einer Arbeitsbreite von 6 m am Standort Bedburg (NRW) in der Sorte Challenger zum Einsatz. In einem sehr großen Versuch wurden insgesamt 41 Varianten geprüft (drei Geschwindigkeiten, mit und ohne einem Additiv- bzw. Salzzusatz, zwei verschiedene Wasseraufwandmengen). Zusätzlich legte man drei Varianten ohne Strom an, um zu untersuchen, welchen Einfluss das Gerät hat.

Am ersten Termin (8.9.2020, BBCH 90) wurden 20 m lange und 6 m breite Parzellen behandelt, die zum...

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