Bauernverband Thüringen

Feldmausplage: "Notfallzulassung zwingt zur Fortsetzung des Irrwitzes"

Trotz der Notfallzulassung von Gift gegen Mäuse in Thüringen ist der Einsatz von Rodentiziden in weiten Teilen des Landes weiterhin verboten, ärgert sich der Bauernverband.

Die am Donnerstag erteilte Notfallzulassung des BVL zur Mäuseplage ist aus Sicht des Thüringer Bauernverbandes (TBV) in jeder Hinsicht unzureichend, da die Bekämpfung der Feldmausplage für nahezu alle betroffenen Thüringer Landwirte weiterhin unmöglich sein wird.

Grund hierfür ist, dass sämtliche Auflagen, die einen Einsatz von Rodentiziden in weiten Teilen Thüringens verbieten, ausnahmslos bestehen bleiben. So dürften auch zukünftig aus Artenschutzgründen in allen Gebieten, in denen Feldhamster oder Haselmäuse möglicherweise vorkommen könnten, sowie in allen FFH-Gebieten und Rastplätzen von Zugvögeln keine Rodentizide ausgebracht werden, kritisiert der Verband.

„Damit ist eine selektive Bekämpfung der Feldmäuse auf nahezu allen betroffenen Flächen schlicht unmöglich“, so TBV-Präsident Dr. Klaus Wagner. „Der Irrwitz geht somit weiter: Statt mit der Aussaat die Grundlage für eine erfolgreiche Ernte und damit unser aller Lebensmittelversorgung zu legen, füttern wir derzeit die Feldmäuse. Diese fressen nämlich die ausgesäten Körner und die jungen Pflanzen. Das ist nicht nur aus sozialer Sicht völlig widersinnig, sondern auch ökonomisch für uns Landwirte desaströs“, so die Kritik des Bauernpräsidenten.

Andere Tiere werden nicht gefährdet

Aus Sicht der Landwirte ist eine Gefährdung anderer Arten durch den Einsatz der Rodentizide nicht zu befürchten, was die Entscheidung des BVL umso unverständlicher mache: „Bei einer sachgerechten verdeckten Ausbringung von Rodentiziden entsteht kein Schaden bei den Feldhamstern oder den Greifvögeln. Das bestätigen nicht nur Studien des staatlichen Julius-Kühn-Instituts eindeutig, sondern auch das BVL selber“, so Wagner.

Der Feldhamster ernährt sich von oberirdisch anfallendem Futter. Rodentizide werden jedoch verdeckt ausgebracht, sodass ein Kontakt durch den Feldhamster nicht besteht, erklärt der Präsident weiter. Die Löcher der Feldmaus, in denen Köder ausgelegt werden dürfen, seien zu klein, als dass sich der Feldhamster Zugang verschaffen könnte.

Was erlaubt die Notfallzulassung?

Durch die Notfallzulassung ist in den Schutzgebieten eine Ausbringung von Rodentiziden nach wie vor erst ab 1. November möglich. Außerhalb der Artenschutzgebiete erlaubt die Notfallzulassung das Ausbringen des Pflanzenschutzmittels Ratron Giftweizen mit dem Wirkstoff Zinkphosphid vom 9. September 2020 bis 6. Januar 2021.

Hierbei ist zusätzlich zu der bisher zugelassen Ausbringung mit der Legeflinte auch eine verdeckte Ausbringung mittels einer Köderlegemaschine (z.B. Wumaki Wühlmauspflug) möglich. Letzteres war bisher grundsätzlich verboten gewesen.

Mehr pflügen keine Alternative

Alternativen zur Feldmausbekämpfung mit Rodentiziden, wie z.B. der verstärkte Einsatz des Pfluges, sind für die Feldhamster sehr problematisch, da hier neben den Mäusegängen auch Hamsterbauten zerstört werden, erklärt der Bauernverband weiter. Zudem verringere sich durch die vermehrte Bodenbearbeitung das Futterdargebot nicht nur für die Feldmaus, sondern auch für den zu schützenden Feldhamster, da die Flächen „schwarz“ gemacht werden und brach liegen.

Die vermehrten Erdbewegungen führten außerdem zur Vergrämung des Hamsters. Eine weitere Nebenwirkung intensiver Bodenbearbeitung sei die Schädigung der Bodenstruktur. Zudem steige die Verdunstung des Wassers und der Boden trocknet aus, was gerade mit Blick auf die derzeitige Trockenheit problematisch ist. Auch der Aufbau von Humus verringert sich, so der TBV.

Die Redaktion empfiehlt

Deutschland erteilt Notfallzulassungen für die Bekämpfung von Mäusen auf Ackerland, Wiesen und in Obstkulturen. Sie gilt ab sofort und noch bis 6. Januar 2021.


Diskussionen zum Artikel

von Thies Kruse

Klärungsbedarf

Zu Zeit plant man neue Gesetze rund um die Insekten. Wieder einmal mit zusätzlichen Anwendungsverboten, und bei Problemen mit Sondergenehmigung. Genauso wie beim Wolf, genauso wie bei den Mäusen. Alles was erst einmal im Gesetz steht, wird so schnell keine funktionierende ... mehr anzeigen

von Gerhard Steffek

Erst ab dem 1. November möglich -

Wieviel Mäuse kommen bis dahin noch zur Welt? Ideologische Entscheidungen sind grundsätzlich nur eines: Schwachsinn!

von Wilhelm Grimm

Wenn das Pflügen hilft, meinetwegen,

trotz arbeitswirtschaftlicher Nachteile, auch für das Klima schlecht. Aber was machen wir auf dem Grünland ?

von Christian Bothe

Feldmäuse...

Was für eine dumme Entscheidung von den Verantwortlichen hier in Thüringen, und ich kann die Aussagen von Dr.Wagner nur unterstützen! Im Übrigen wird in Ostthüringen auch teilweise gepflügt(nur mal so für die Kommentatoren).

von Josef Meier

Am glücklichsten ist,

wer vergisst, dass ein Grüner Kommunist im Amte ist, und wer deshalb nichts erwartet, sondern die Ergebnisse mit Gleichmut zur Kenntnis nimmt.

von Albert Maier

Mehr pflügen ....

...heisst die Lösung. Aus ackerbaulicher Sicht ist doch der pfluglose Anbau längst gescheitert. Gerade in diesem Jahr zeigte sich deutlich, dass pfluglos bestellte Flächen als erstes und am heftigsten unter Wassermangel litten! Was zählt ist die praktische Realität und nicht irgend ... mehr anzeigen

von Andreas Gerner

Blödsinn

Ich kann Ihnen Flächen zeigen, wo eben gerade Pfluglos und Mulchauflage ein längeres Durchhalten bewirkt hat. Wird sich deutlich in den Erträgen widerspiegeln.

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