Ratgeber

Fruchtfolge: Alte Schwierigkeiten, neue Herausforderungen

Ackerbauliche Probleme lösen wir durch eine erweiterte Fruchtfolge, und die N-Bilanzierung gleich mit! Das ist leichter gesagt als getan. Denn neben der Wirtschaftlichkeit müssen die Kulturen passen.

Zahlreiche Probleme haben sich in den letzten Jahren im Ackerbau hochgeschaukelt: Ungräser und Unkräuter wie Ackerfuchsschwanz, Trespen, Hirsen, Altraps, Storchschnabel oder Kerbel. Darüber hinaus Schadinsekten wie Rapsglanzkäfer, Rapserdflöhe und Blattläuse genauso wie typische Krankheiten wie die Halmbasiserkrankungen beim Getreide oder Verticillium, Sklerotinia und Phoma im Raps.

Bei allen Unterschieden der Betriebe, Regionen und Schläge lassen sich oftmals erschreckende Parallelen erkennen. Viele der Probleme hängen zumindest indirekt mit der Fruchtfolge zusammen. Neben der abnehmenden Wirkstoffverfügbarkeit und einer schleichend abnehmenden Wirksamkeit verstärken Witterungsextreme, eine ungünstige Bodenstruktur oder die vernachlässigte Grunddüngung die Auswirkungen einer langfristig ungünstigen Fruchtfolgegestaltung.

Durch die in vielen Betrieben angespannte Liquidität werden Aufdüngung, Kalkung oder für Fruchtfolgeerweiterungen notwendige Investitionen aufgeschoben. Die Folgen sind bekannt, aber die Wege, dies zu ändern, weniger eindeutig.

Kritisch ist vor allem die starke Häufung des Weizenanbaus innerhalb eines einzelnen Betriebes. Daraus folgen nicht nur Arbeitsspitzen bei Bodenbearbeitung, Aussaat und Ernte, sondern auch im Hinblick auf einen termingerechten Pflanzenschutz. Muss das Saatzeitfenster ausgeweitet werden, sinkt der Anteil optimaler Aussaattermine.

Aussaattermin entscheidend

Frühe Saattermine beim Getreide erfordern in der Regel einen höheren Pflanzenschutzaufwand. Verungrasung, früher Krankheitsbefall, etwaige Vektorenbehandlungen gegen Blattläuse oder Zikaden sowie ein erhöhter Wachstumsreglerbedarf können die Folgen sein. Spätsaaten dagegen fallen ertraglich oft ab. Dies ist unter anderem bedingt durch eine verringerte Ausbildung stabiler Ertragsanlagen sowie die schwache Wurzelausprägung, die zu einer schlechten Wasser- und Nährstoffausnutzung führen kann.

Überdies kann sich in Spätsaatbeständen (bedingt durch ihre geringe Konkurrenzkraft) eine nicht zu unterschätzende Spätverunkrautung etablieren. Beim Stoppelweizen können in Abhängigkeit vom Aussaattermin im Grunde fast alle genannten negativen Faktoren zum Tragen kommen. Viele pflanzenbauliche Probleme ergeben sich darüber hinaus durch die Ausweitung des Weizenanbaus auf Grenzstandorte.

Unkräuter und vor allem Ungräser fallen den meisten Landwirten zuerst ein, wenn sie an die Auswirkungen enger Fruchtfolgen denken. Aber eben nicht nur Ackerfuchsschwanz, sondern auch Trespen, Hirsearten, Altraps, Storchschnabel, Kerbel, Erdrauch, Weißer Gänsefuß und viele mehr werden begünstigt. Darüber hinaus treten zahlreiche Schaderreger vermehrt in bestimmten Anbaufolgen auf. Dabei sind nicht nur einjährige Effekte zu beobachten.

Anbaudichte und Anbauhäufigkeit erhöhen Schaderregerauftreten

Typische Fruchtfolgepathogene wie Verticillium und Kohlhernie im Raps oder die Schwarzbeinigkeit im Getreide sind häufig wiederkehrende Begleiter, die grundsätzlich schwer bekämpfbar sind und mehr oder weniger ertraglich in Erscheinung treten.

Selbst im Hinblick auf mobile Schadinsekten zeigen zahlreiche Untersuchungen, dass nicht nur die Anbaudichte einer Fruchtart in der Region zu einem stärkeren Auftreten führen kann. Auch eine höhere Anbauhäufigkeit auf derselben Fläche kann das Schaderregerauftreten fördern, selbst wenn die Fruchtart nicht in Selbstfolge angebaut wird. Durch die zunehmende Bekämpfungshäufigkeit wird folglich die Resistenzentwicklung bei vielen dieser Unkräuter, Krankheits- und Schaderreger vorangetrieben.

Zielkonflikte programmiert

Im genauen Gegensatz dazu steht die Forderung einiger Umweltverbände, Ackerflächen nach Aberntung der Hauptfrucht gänzlich unbearbeitet zu lassen, um Biodiversität in Form von Unkräutern, Insekten, Vögeln oder Niederwild zu fördern. Hierbei sind Zielkonflikte programmiert, da dies der dringend notwendigen Verbesserung der Feldhygiene komplett entgegensteht.

Die Fruchtfolge zu ändern, wird oftmals als Ultima Ratio angesehen. Davor werden jedoch eher vorbeugende Maßnahmen versucht:...