Pflanzenschutz

Fungizide: Was gibt es Neues für 2022?

Wer auf die Resistenzentwicklungen schaut, dem wird eines klar: Nur mit geschickt kombinierten Wirkstoffen lassen sich Septoria tritici, Mehltau und Co. noch nachhaltig kontrollieren.

Unser Autor: Hermann Hangart, Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen:

Auch im kommenden Jahr verschwinden Produkte vom Markt. Der Wirkstoff Cyproconazol hat die Zulassung verloren, sodass man die Mittel Minister und Mercury Pro letztmalig in der Saison bis zum 30.11.2022 einsetzen darf. Zudem ist für Vegas die Zulassung abgelaufen. Restbestände sind bis zum 30.6.2022 aufzubrauchen.

Neue Produkte

Doch es wird auch neue Fungizide geben.  Verben  enthält 200 g/l Prothiocon­azol und 50 g/l Proquinazid. Ein Einsatz ist mit 1,0 l/ha in Weizen und Gerste bei maximal zwei Anwendungen von EC 30 bis 65 erlaubt. Das aus dem Talius bekannte Proquinazid ermöglicht eine lang anhaltende vorbeugende Mehltauwirkung. Verben lässt sich in der Gerste für die erste Behandlung um EC 32 und auch im Weizen vorzugsweise gegen Septoria, Rost und Halmbruch sowie bei beginnendem Mehltau einsetzen. Stärker vorhandenen Mehltau kontrolliert es aber nicht sicher – hierfür fehlt ein eradikativer Wirkstoff.

Erwartet wird die Zulassung für den Wirkstoff Fenpicoxamid, den die Herstellerfirma als  Inatreq  bezeichnet. Es ist ein neuer Wirkstoff aus einer neuen Wirkstoffklasse, entwickelt aus einem Naturprodukt und durch spezifische Fermentation produziert. In der Pflanze wird Inatreq wieder umgewandelt zu dem fungizidwirksamen Stoff UK-2A, der in der Natur durch ein bodenbürtiges Bakterium produziert wird. Inatreq wirkt breit gegen viele Krankheiten mit besonderen Stärken gegen Septoria tritici und Schneeschimmel.

Als erstes Produkt mit dem neuen Wirkstoff erwartet die Herstellerfirma die Zulassung von Univoq. Es enthält 50 g/l Fenpicoxamid und 100 g/l Prothioconazol. Zunächst wird eine Zulassung in Weizen, Triticale und Roggen mit 2,0 l/ha angestrebt. Der Wirkstoff Inatreq bringt eine sehr gute vorbeugende Wirkung mit guter kurativer Kontrolle. Diese wird durch die Zu­mischung von Prothioconazol zusätzlich unterstützt. In unseren Versuchen konnten wir sehr gute Wirkungen gegen Septoria tritici und Gelbrost nachweisen. Die Zulassung in Gerste wird folgen. Auch hier zeigte Univoq eine breite Wirksamkeit.

Da Inatreq ähnlich wie die Strobilurine und Carboxamide in den Mitrochondrien die Atmungskette unterbricht, besteht grundsätzlich die Gefahr einer Resistenzentwicklung. Daher ist es wichtig, Univoq und alle nachfolgenden Produkte mit dem Wirkstoff Fenpicoxamid im Rahmen eines guten Resistenzmanagements einzusetzen.

Auch für  Vegas Plus  wird eine Zulassung zum Frühjahr erwartet. Es ist eine Weiterentwicklung von Vegas. Neben 12,5 g/l Cyflufenamid enthält das Produkt zusätzlich 312 g/l Spiroxamine. Dadurch lässt sich vorhandener Mehltau erheblich besser kontrollieren. Gleichzeitig ist eine verbesserte Dauerwirkung im Vergleich zum alten Vegas zu erwarten. Angestrebt wird eine Zulassung in Weizen, Gerste, Triticale und Dinkel. Für frühe Behandlungen von EC 25 bis 29 ist eine Aufwandmenge von 0,48 l/ha und von EC 30 bis 55 von 0,8 l/ha Vegas Plus beantragt.

Grundsätzlich ist die Zulassung von Vegas Plus zu begrüßen, da es eine bessere Kontrolle von Mehltau ermöglicht. Behandlungen sollten aber nur bei konkreter Mehltaugefahr erfolgen, das heißt, wenn der Mehltau in der Kultur Ertragsverluste verursacht. Einsätze zur Vorsorge sollten unterbleiben, weil sie die Resistenzentwicklung fördern und die Umwelt belasten. Oft kommt Mehltau nur kurzweilig vor und verschwindet bei trockener, wenig infektionsfördernder Witterung wieder.

Das Produkt  Amistar Gold  soll nun auch zur Kontrolle von Krankheiten im Getreide zugelassen werden. Bis dato ist es in Zuckerrüben und Raps einsetzbar. Zukünftig soll dann mit 1,0 l/ha Amistar Gold eine Kontrolle von Abreifekrankheiten auch in Triticale und Weizen möglich sein. Der enthaltene Wirkstoff Difenoconazol ist im Getreide erst nach EC 49 verträglich. Grundsätzlich ist es angeraten, einen ausreichenden Abstand zu Herbizidbehandlungen einzuhalten. Aus unserer Sicht wird der Einsatz von Amistar Gold im Getreide erst interessant, wenn die Wirkstoffvielfalt deutlich stärker eingeschränkt ist. Momentan stehen noch besser wirksame und verträglichere Alternativen zur Verfügung.

Viele „Prothio-Mittel“ wegen fehlendem Patentschutz

In der kommenden Saison wird es viele Fungizide mit dem Wirkstoff...

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