Glyphosat doch krebserregend? BfR gerät unter Druck

Die Krebsforschergruppe der Weltgesundheitsorganisation, kurz IARC, hat das Pflanzenschutzmittel Glyphosat als "wahrscheinlich krebserregend" eingestuft. Damit widersprechen die Forscher dem Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR), das kein Risiko für Menschen sieht.

Die Krebsforschergruppe der Weltgesundheitsorganisation, kurz IARC, hat das Pflanzenschutzmittel Glyphosat als "wahrscheinlich krebserregend" eingestuft. Damit widersprechen die Forscher dem Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR), das kein Risiko für Menschen sieht.

Laut der Süddeutschen Zeitung zeigt nun ein vertrauliches Dokument des BfR, dass auch der deutschen Behörde Hinweise vorliegen, die durchaus eine krebserzeugende Wirkung in Tierversuchen nahelegen, wie das Nachrichtenmagazin Fakt berichtet.

Die unterschiedlichen Einschätzungen hätten einen Expertenstreit zwischen der deutschen Behörde, der Industrie und den WHO-Forschern ausgelöst. Das BfR und auch die Industrie würden den Toxikologie-Experten der WHO vorwerfen, nicht sauber gearbeitet zu haben. Diese hatten am Mittwoch einen umfassenden Bericht veröffentlicht, in dem sie ihr Urteil ausführlich begründen.

In dem nun bekannt gewordenen Papier, das auch der Süddeutschen Zeitung vorliegt, gehen die Experten des BfR auf mehrere Studien ein, die auf ein Krebsrisiko hinweisen. Unter anderem wird eine Langzeitstudie an Mäusen erwähnt, bei der den Tieren zwei Jahre lang unterschiedliche Dosen von Glyphosat ins Futter gemischt wurden. Dabei zeigte sich in der Hochdosisgruppe ein deutlicher Anstieg von Krebserkrankungen des Lymphsystems. Dennoch kommt die Behörde zu dem Schluss, all diese Ergebnisse seien nicht relevant.

Das 18-seitige Papier ging auch an die Mitglieder des Agrarausschusses im Bundestag. In der Opposition stößt es auf Unverständnis. Die Behörde habe immer wieder betont, dass sie keinerlei Hinweise auf ein Krebsrisiko habe, kritisiert Harald Ebner von den Grünen. "Jetzt kommen sie im Nachhinein doch mit einer Studie raus, die evidente Hinweise auf eine krebserzeugende Wirkung zeigt. Da fühle ich mich als Parlamentarier verschaukelt."
 
Das BfR weist den Vorwurf zurück und beharrt darauf: "Die zitierte Zwei-Jahres-Studie an Mäusen weist kein toxikologisch signifikantes Risiko für Kanzerogenität beim Menschen nach." Außerdem heißt es in der Stellungnahme, das BfR habe im Rahmen der EU-Wirkstoffprüfung sämtliche relevanten Studien zur Kanzerogenität des Wirkstoffes geprüft.

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