USA

Glyphosat: Immer mehr Klagen gegen Bayer-Monsanto

Die Zahl der Klagen gegen die Bayer-Tochter Monsanto im Zusammenhang mit Glyphosat ist in den vergangenen Monaten sprunghaft gestiegen.

In den USA haben sich in den letzten Monaten immer mehr Menschen entschlossen, gegen Bayer-Monsanto und dessen Pflanzenschutzmittelwirkstoff Glyphosat zu klagen. Wie aus dem am Dienstag vorgestellten Halbjahresbericht hervorgeht, nahm die Zahl sprunghaft zu auf 18.400 Klagen am 11. Juli. Anders in Kanada: Dort gibt es bislang fünf Klagen mit Antrag auf Sammelklage, die im Zusammenhang mit Roundup stehen.

Das Unternehmen ist nach eigener Aussage aber weiterhin überzeugt, gute Argumente zur Verteidigung gegen die erhobenen Ansprüche zu haben, und beabsichtigt, sich in all diesen Verfahren entschieden zur Wehr zu setzen. Parallel wird sich Bayer konstruktiv in den Mediationsprozess einbringen, der von einem Bundesrichter in Kalifornien angeordnet wurde, hieß es.

Der Aktienkurs des Dax-Konzerns reagierte am Dienstag dennoch mit kräftigen Abschlägen auf die jüngsten Nachrichten. Im frühen Handel verlor das Papier mehr als mehr als 3 % und sank auf etwas mehr als 57 Euro.

Bayer operativ auf Kurs

Laut Halbjahresbericht vom Dienstag ist der Bayer-Konzern im 2. Quartal 2019 weiter gewachsen. „Bayer ist operativ auf Kurs“, sagte der Vorstandsvorsitzende Werner Baumann. „Während unser Crop-Science-Umsatz vor allem durch die extremen Wetterbedingungen in Nordamerika beeinträchtigt war, erzielten wir bei Pharmaceuticals erfreuliche Zuwächse.“

Der Konzernumsatz erhöhte sich im 2. Quartal währungs- und portfoliobereinigt (wpb.) um 0,9 % auf 11,485 Mrd. Euro. Nominal entspricht das einem deutlichen Plus von 21,1 %. Das EBITDA vor Sondereinflüssen stieg um 24,7 % auf 2,927 Mrd. Euro.

Im Jahresvergleich belasteten negative Währungseffekte, insbesondere aus Hedging, das Ergebnis mit 59 Mio. Euro. Das EBIT sank um 31,2 % auf 926 Mio. Euro. Im EBIT sind per saldo Sonderaufwendungen von 859 (Vorjahr: 362) Mio. Euro enthalten. Diese stehen im Wesentlichen in Verbindung mit Wertminderungen im Zusammenhang mit der vereinbarten Desinvestition von Dr. Scholl’s sowie den Aufwendungen für die angekündigten Restrukturierungen.

Das Konzernergebnis ging um 49,1 % auf 404 Mio. Euro zurück. Das bereinigte Ergebnis je Aktie aus fortzuführendem Geschäft verbesserte sich hingegen um 5,9 % auf 1,62 Euro. Der Free Cash Flow belief sich auf 751 Mio. Euro (minus 60,8 %). Der deutliche Rückgang ist auf die Saisonalität des neu erworbenen Crop-Science-Geschäfts zurückzuführen. Durch den Erwerbszeitpunkt im Juni 2018 waren die cashflow-belastenden Monate April und Mai im Vorjahr nicht enthalten. Die Nettofinanzverschuldung erhöhte sich zum 30. Juni im Vergleich zum 31. März 2019 um 5,6 % auf 38,808 Mrd. Euro, im Wesentlichen durch die Dividendenausschüttung.

Crop Science durch extreme Wetterbedingungen beeinflusst

Im Agrargeschäft (Crop Science) erzielte Bayer einen Umsatz von 4,788 Mrd. Euro. Nominal stieg der Umsatz um 59,0 %, im Wesentlichen durch die Übernahme von Monsanto. Insgesamt war das Crop-Science-Geschäft im 2. Quartal maßgeblich durch extreme Wetterbedingungen beeinflusst. Insbesondere wirkten sich Überschwemmungen und starke Regenfälle im Mittleren Westen der USA sowie Trockenheit in weiten Teilen Europas und in Kanada negativ aus. Zudem beeinträchtigten die anhaltenden Handelskonflikte das Geschäft.

Der wpb. Umsatzrückgang von 3,1 %, bei dem die Entwicklung des akquirierten Geschäfts nur für den Zeitraum vom 7. Juni bis zum 30. Juni berücksichtigt wird, war im Wesentlichen durch deutlich rückläufige Umsätze in Nordamerika bedingt. Merkliche Zuwächse in Lateinamerika konnten dies nicht ausgleichen.

Auf Pro-forma-Basis sank der Umsatz von Crop Science währungsbereinigt (wb.) um 9,9 %. Dabei werden die Umsätze so dargestellt, als wären die Übernahme von Monsanto und die damit zusammenhängenden Desinvestitionen bereits zum 1. Januar 2018 erfolgt. Rückläufig waren auf dieser Basis insbesondere die Geschäfte mit Sojabohnensaatgut und Pflanzeneigenschaften, mit Herbiziden sowie mit Maissaatgut und Pflanzeneigenschaften. Positiv entwickelte sich dagegen der Umsatz mit Insektiziden.

Das EBITDA vor Sondereinflüssen von Crop Science erhöhte sich um 66,9 % auf 1,075 Mrd. Euro. Der Anstieg ist insbesondere auf den Ergebnisbeitrag des akquirierten Geschäfts zurückzuführen. Negativ wirkten sich der Umsatzrückgang, der Wegfall des Ergebnisbeitrags der an BASF veräußerten Geschäfte, Wertminderungen auf Vorräte sowie ein negativer Währungseffekt von 26 Mio. Euro aus.

Die Redaktion empfiehlt

Am 19. August soll in St. Louis ein weiterer Prozess gegen Glyphosat von Bayer-Monsanto starten. Hier setzt Bayer auf Expertenaussagen und winkt mit neuen Arbeitsplätzen am Monsanto-Stammsitz.

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Ein US-Gericht hat die Strafe im Glyphosat-Prozess gegen Bayer nachträglich deutlich reduziert, da es keine Beweise für eine bewusste Vertuschung eines Gesundheitsrisikos gebe.


Diskussionen zum Artikel

von Edelhard Brinkmann

Zulassung

Ist das Mittel nicht irgendwie zugelassen worden von den Behörden ?

von Alexander Audrit

Und die Milliarden fließen...

...früher musste der Dollar gestützt werden, heutzutage wird es nicht ganz so offensichtlich gemacht. Aber egal wie, Deutschland bezahlt! Sobald jetzt ein neuer Wirkstoff gefunden und patentiert ist, stellt Bayer fest, dass Monsanto untragbar ist und trennet sich wieder vom US-Konzern. ... mehr anzeigen

von Willy Toft

Die Urteile gegen Glyphosat sind Bauchgefühl- Urteile, ohne wirklich relevante ....

Wissenschaftliche Begründungen! In Amerika ist alles möglich, wenn die Hexenjagd erst eingesetzt hat! Der Konzern soll in die Knie gezwungen werden. Was ein Glyphosat- Verbot für die Welternährung bedeutet, übersieht Keiner!

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