Glyphosat: So reagieren andere EU-Mitgliedstaaten

Die Wiederzulassung von Glyphosat auf EU-Ebene hat in einzelnen Mitgliedstaaten konkrete Überlegungen über mögliche Ausstiegszenarien laut werden lassen. Frankreich will spätestens in 3 Jahren aussteigen. Die Niederlande prüfen Alternativen. Spanien ist hingegen enttäuscht.

Tweet von Emmanuel Macron (Bildquelle: twitter.com/emmanuelmacron)

Die Wiederzulassung von Glyphosat auf EU-Ebene hat in einzelnen Mitgliedstaaten konkrete Überlegungen über mögliche Ausstiegszenarien für das Totalherbizid laut werden lassen. Frankreich will spätestens in 3 Jahren aussteigen. Die Niederlande prüfen Alternativen. Spanien ist hingegen enttäuscht.

Nach dem positiven Votum der Mehrheit der EU-Länder am 27. November in Brüssel kündigte Frankreichs Staatspräsident Emmanuel Macron auf Twitter an, den Wirkstoff nach spätestens drei Jahren verbieten zu wollen. „Ich habe unsere Regierung aufgefordert, die notwendigen Vorkehrungen zu treffen, um die Nutzung von Glyphosat in Frankreich zu untersagen, sobald Alternativen gefunden sind“, erklärte Macron.

Niederlande will Entwicklung von Alternativen vorantreiben

Die niederländische Landwirtschaftsministerin Carola Schouten begrüßte zwar die Entscheidung zur erneuten Genehmigung von Glyphosat. Wie holländische Fachmedien berichteten, will sich die Ressortchefin - trotz der Zustimmung ihres Landes in Brüssel - aber ebenfalls dafür einsetzen, dass in den kommenden fünf Jahren die Entwicklung von Alternativen für das Herbizid verstärkt vorangetrieben wird. Die Umweltbelastung durch Pflanzenschutzmittel muss nach ihrer Ansicht sinken. „Bei der Kontrolle und der Bekämpfung von Unkräutern und Schadorganismen in landwirtschaftlichen Kulturen haben vorbeugende Maßnahmen sowie nachhaltige, nicht-chemische Mittel Vorrang“, wurde Schouten zitiert.

Spanien hätte gern eine Verlängerung für 15 Jahre gesehen

Derweil zeigte sich die spanische Landwirtschaftsministerin, Isabel García Tejerina, mit dem Abstimmungsergebnis in Brüssel zufrieden. Die Spanierin, die die Notwendigkeit einer weiteren Verfügbarkeit des Pflanzenschutzmittels immer wieder betont hatte, sprach von einer „verantwortungsvollen Entscheidung zugunsten einer nachhaltigen Landwirtschaft“. Zudem vertraue sie auf die Einschätzung der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA), die Glyphosat als „wahrscheinlich nicht krebserregend“ eingestuft habe. Schließlich sei die von den Mitgliedstaaten finanzierte Behörde in der EU zuständig für den Schutz der Bevölkerung. Insofern hätte García Tejerina auch gerne eine Verlängerung der Zulassung um 15 Jahre gesehen.

Landwirte in der EU sind erleichtert

Der landwirtschaftliche Berufsstand äußerte sich in vielen EU-Mitgliedstaaten erleichtert über die Entscheidung. In Spanien erklärte die Allianz für eine nachhaltige Landwirtschaft (ALAS), ein Verbot hätte „die europäische Lebensmittelproduktion in Gefahr gebracht“. Der französische Bauernverband (FNSEA) kritisierte, dass Frankreich mit dem von Macron angekündigten Ausstiegsszenario offenbar einen „europäischen Alleingang“ anstrebe. In den Niederlanden warnte der Berufsstand (LTO) vor einem zu schnellen Aus für Glyphosat. Es sei frustrierend, dass so viele Mitgliedsländer die wissenschaftliche Einschätzung der EFSA nicht akzeptiert hätten, hieß es bei der dänischen Land- & Ernährungswirtschaft (L&F). Nach Einschätzung des Vorsitzenden des Schwedischen Bauernverbandes (LRF), sind fünf Jahre aber womöglich zu kurz, um einen adäquaten Ersatz für das Herbizid zu finden.

Warnung vor Rückständen aus Importen

Kritisch sehen viele Bauernvertreter in der EU mittlerweile die Anwendung von Glyphosat zur Abreifebeschleunigung kurz vor der Ernte (Sikkation). Dadurch gelangten Rückstände in die Lebensmittel, so der Leiter der Abteilung Ackerbau des niederländischen Bauernverbandes der Region Nord (LTO Noord), Jaap van Wenum. Neben den Niederlanden sprachen sich auch Bauernvertreter aus Dänemark und Italien gegen die Sikkation aus. Es müsse jedoch auch sichergestellt werden, dass etwa Weizen aus Kanada, wo diese Praxis gang und gäbe sei, die EU-Standards erfülle, betonten italienischen Agrarvertreter.

Auch Landwirte außerhalb der EU äußern sich zufrieden

Auch Landwirte außerhalb der EU äußerten sich über die Brüsseler Entscheidung für eine Neuzulassung von Glyphosat erleichtert. So freute sich die Vereinigung der argentinischen Anwender von Direktsaatverfahren (Aapresid), dass nun zunächst keine Export- und somit Erlöseinbußen durch ein Glyphosatverbot in der EU als wichtigem Abnehmer von argentinischem Sojaschrot zu befürchten seien. Ein Verbot hätte als nicht-tarifäres Handelshemmnis gewirkt, weil die gelieferte Ware frei sein hätte müssen von Glyphosatrückständen, so Aapredis. Positiv sei die Entscheidung der EU aber auch deshalb, weil sich durch diese positive Beurteilung von Glyphosat in der Welt nichts geändert habe.

 

Artikel geschrieben von

Stefanie Awater-Esper

Korrespondentin Berlin

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