Interview

Gülle belüften und Mulch einarbeiten

Der Schweizer Inforama-Berater Simon Jöhr erläutert, wie Regenerative Landwirtschaft funktioniert und warum auch viele Biobauern umdenken müssen.

Den Boden zu regenerieren ist das Ziel der Regenerativen Landwirtschaft. Mit der Wiederbelebung des Bodens steigen Humusgehalt und Bodenfruchtbarkeit. Zwischenbegrünungen und Untersaaten stabilisieren den Humusgehalt und ernähren die Bodenlebewesen. Fermente, welche vorwiegend Milchsäure- und Cyanobakterien enthalten, fördern dabei den Rotteprozess. Der Mulch sollte daher möglichst flach eingearbeitet werden. Dazu eignen sich ein Geohobel oder eine Fräse. Über diese Details sprach Kirsten Müller von der Schweizer Fachzeitschrift LANDfreund mit Simon Jöhr von der Agrar-Beratungsfirma Iforama in Zollikofen.

Ich möchte in die Regenerative Landwirtschaft einsteigen. Was muss ich als Erstes tun?

Simon Jöhr: Ihnen als Tierhalter empfehle ich, Hofdünger aufzubereiten. Die günstigste Methode ist, Gülle korrekt zu belüften.

Warum belüften?

Jöhr: Weil es unnatürlich ist, wenn Kot und Harn zusammengemischt und unter Luftausschluss gelagert und dann ausgebracht werden. Boden und Pflanze sind mit den entstehenden Abbauprodukten überfordert und verunkrauten oder werden krank.

Muss ich zur Gülleaufbereitung Zusätze kaufen?

Jöhr: Nicht unbedingt. Ich empfehle Güllebelüftung mit mehreren kurzen Belüftungsintervallen pro Tag. Sie soll feine Luftbläschen in die Gülle bringen. So können aerobe Bakterien den Stickstoff in körpereigenes Eiweiss einbauen. Ihre Gülle enthält dann weniger Fäulnisbakterien, was von Vorteil für das Bodenleben ist. Auf der Gülle soll sich ein Espressoschäumchen bilden, dann funktioniert die Belüftung richtig. Mit Pflanzenkohle und Fermenten erreichen Sie ähnliche Effekte. Pflanzenkohle wird aber zu einem bedeutenden Kostenfaktor, wenn sie für die Gülleverbesserung in wirksamen Mengen zugekauft werden muss.

Was wäre der zweite Schritt?

Jöhr: Ihr Boden sollte immer begrünt sein. So verwandelt er Sonnenenergie in Zucker und baut organisches Material und damit Humus auf. Das verhilft zu gesunden Pflanzen und stabilen Erträgen. Verwenden Sie Zwischenbegrünung in Form von hoch geschnittenem Zwischenfutter oder einer Gründüngung. Auch wenn die Zwischenfrucht in einem sehr jungen Stadium eingearbeitet wird, hat das einen positiven Effekt auf den Boden.

Warum empfehlen Sie Untersaaten?

Jöhr:...


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