Wertvoller Dünger

Gülle und Gärreste plötzlich gesucht!

Hohe Kosten für die Gülleverwertung sind ein massiver Wettbewerbsnachteil in viehdichten Regionen. Doch nun dreht sich der Wind. Gülle und Gärreste sind plötzlich gesucht.

Seit Jahrzehnten kennen die Verwertungskosten für Wirtschaftsdünger eigentlich nur eine Richtung. Denn strengere Düngeregeln, steigende Flächenkonkurrenz durch Biogasanlagen und höhere Transportkosten trieben den Aufwand für Viehhalter von Jahr zu Jahr weiter in die Höhe. Doch seit einigen Monaten entspannt sich die Lage am Nährstoffmarkt spürbar.

Schon im Sommer berichteten Händler von Wirtschaftsdünger, dass in vielen Regionen die Verwertungskosten um einige Euro pro Kubikmeter gesunken sind. Was sind die Gründe und wie sollten sich Betriebe verhalten, die im nächsten Frühjahr Gülle abgeben wollen? top agrar hat sich umgehört.

Abgabepreise sinken

Die Kosten für die Verwertung von Wirtschaftsdünger lassen sich nicht pauschal beziffern, weil sie von vielen Faktoren abhängen. Der saisonale Verlauf der Kosten bzw. Preise ist hingegen seit Jahren identisch. „Normalerweise steigen die Verwertungskosten für Schweinegülle und Gärreste zum Herbst bzw. Winter an“, berichtet Andreas Wissing vom Nährstoffvermittler Odas aus dem westfälischen Dorsten. In diesem Jahr seien die Preise, um Gülle oder Gärreste zu verwerten, allerdings seit dem Sommer sogar teilweise gesunken, berichtet er.

Diesen Trend bestätigt auch Kathrin Albers. Sie ist Geschäftsführerin der Naturdünger-Verwertungs GmbH, deren Gesellschafter unter anderem die beiden Kreislandvolkverbände Cloppenburg und Vechta in Niedersachsen sind. Aufnehmer von Geflügelmist müssten schon länger dafür zahlen, nun sei es bei Schweine- und Rindergülle auch so weit, sagt Albers.

„Früher war es üblich, dass der abgebende Betrieb die Einarbeitungskosten übernimmt“, berichtet sie. Sie könne sich aber gut vorstellen, dass im nächsten Jahr, je nach Region, der aufnehmende Betrieb das zahlt und sich sogar an den Transportkosten beteiligen müsse. Was die Verwertung nun konkret kostet oder vielleicht sogar an Erlösen bringt, ließ Albers offen. Das sei regional sehr unterschiedlich und hänge letztlich auch vom Wetter ab.

Julia Lambers vom Landesverband der Maschinenringe in Westfalen-Lippe e.V. sieht das ähnlich. „Bei den Verwertungskosten ist momentan ein leichter Rückgang zu verzeichnen“, sagt sie. Die Abgabebereitschaft sei momentan aber noch nicht sehr hoch, da viele Landwirte die Entwicklungen im Frühjahr abwarten wollten.

Immer weniger Gülle

Grundsätzlich geht das Nährstoffangebot aus Wirtschaftsdünger schon seit einigen Jahren zurück. Verlässliche Statistiken dazu gibt es nur wenige, aber die Ergebnisse der letzten großen Landwirtschaftszählung 2020, die sich auf 2019 beziehen, zeigen den Abwärtstrend.

Und die Güllemengen dürften seit dieser Zählung noch weiter gesunken sein. Denn laut der Viehzählungsergebnisse sind die Rinderbestände seit 2019 um rund 4 % und die der Schweine um rund 5 % zurückgegangen. Vor allem bei Schweinehaltern beschleunigt sich der Strukturwandel derzeit sogar. „Hinzu kommt, dass Schweinemäster ihre Ställe wegen schlechter Preise zeitweise leer stehen lassen“, berichtet ­Albers. Außerdem sei die Belegdichte durch die Vorgaben der Initiative Tierwohl auf vielen Betriebe reduziert.

Abgesehen davon lässt auch der Nährstoffdruck aus dem Ausland...

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