Düngeverordnung

Gülleausbringung: Das ist erlaubt

Seit Februar schlägt die neue Regel „Kein Einsatz von stickstoffhaltigen Düngemitteln auf gefrorenen Böden“ voll in der Praxis durch. Bei wassergesättigten Böden müssen Gespanne auf dem Hof bleiben.

Die Diskussionen und Fragen zu unserer Leserfrage:"Wer haftet, wenn der Lohnunternehmer Gülle bei Frost fährt?" zeigt, dass es bei den neuen Regeln zur Gülleausbringung noch Unklarheiten gibt. Die Düngeverordnung spricht ein absolutes Aufbringungsverbot von stickstoffhaltigen Düngemitteln, Bodenhilfsstoffen, Kultursubstraten oder Pflanzenhilfsmitteln auf überschwemmte, wassergesättigte, gefrorene oder schneebedeckte Böden aus. Das gilt seit dem 1. Mai 2020 mit der geänderten Fassung der Düngeverordnung.

Die bisherige Ausnahmeregelung der DüV 2017, bei gefrorenem Boden Festmist von Huf- und Klauentieren und Kompost fahren zu dürfen, ist damit nicht mehr gültig. Daraus resultiert in den meisten Bundesländern, dass nur gedüngt werden darf, wenn der Boden komplett frostfrei ist. Bayern dagegen definiert lauf LfL z. B. aber Boden als gefroren, wenn der Boden tagsüber nicht mindestens bis in eine Tiefe von 20 cm auftaut. Daher dürfen Sie auf Ihren Flächen in Bayern fahren, wenn der Boden mindestens 20 cm weit aufgetaut ist.

Für Stallmist und Kompost gilt eine Sperrfrist vom 1. Dezember bis 15. Januar. Dennoch ist auch diese Düngung nur erlaubt, wenn der Boden frostfrei ist.

Düngung dem Bedarf der Pflanzen anpassen

Auch bei frühzeitiger Düngung Anfang Februar bis zum Einsetzen der Vegetation bestehe auf Grünlandflächen kein nennenswertes Risiko von Stickstoffverlusten. Das liegt bei intakten Flächen an der dichten Grasnarbe und dem Wurzelfilz, in dem Nährstoffe sehr gut gebunden werden. Versuchsergebnisse zeigen laut der LWK Niedersachsen zudem, dass in dieser Zeit die Ammoniakverluste geringer sind als bei einer Ausbringung im wärmeren März. Grundsätzlich ist die Düngung dem Bedarf der Pflanzen anzupassen. Dazu sind Düngezeitpunkt und Düngermenge so zu wählen, dass die Nährstoffe möglichst vollständig von den Pflanzen aufgenommen werden. Der Boden muss dabei aufnahmefähig sein.

Bei Wassersättigung des Bodens, schneebedecktem oder gefrorenem Boden dürfen Gülle, Gärreste und andere stickstoff- und phosphathaltige Düngemittel nicht ausgebracht werden. Seit vergangenem Jahr dürfen flüssige organische Düngemittel, wie zum Beispiel Gülle, Jauche und Gärreste auf bestelltem Ackerland - also Ackerflächen, auf denen aktuell Kulturpflanzen wachsen - nur noch streifenförmig auf den Boden aufgebracht oder direkt in den Boden eingebracht werden.

Ziel: Verringerung von Ammoniak-Emissionen

Sinn der Regelung ist die Verringerung von Ammoniak-Emissionen in die Atmosphäre, die bei breitflächiger Ausbringung von Gülle und Gärresten deutlich höher sind als bei bodennaher Ausbringung mittels Schleppschlauch-, Schleppschuh- und Schlitzverteilern. Die Vorschriften gelten zunächst nur für Ackerland, nicht für Grünland und Ackergrasflächen. Dort können in den nächsten Jahren noch weiterhin die gängigen Breitverteiltechniken, etwa nach unten abstrahlende Prallbleche oder Schwenkdüsen, eingesetzt werden. Allerdings werden diese Techniken aufgrund der bekannten Nachteile - schlechtere Stickstoff-Ausnutzung, Windanfälligkeit, mitunter Futterverschmutzung - aber auch auf Grünland nicht mehr empfohlen.

Die Redaktion empfiehlt

Leserfrage

Wer haftet, wenn der Lohnunternehmer Gülle bei Frost fährt?

vor von Jörn Krämer

Ich bin Lohnunternehmer. Einige Kunden wollen, dass ich für sie Gülle auf gefrorenen Böden fahre. Ich will mich nicht strafbar machen, meine Kunden aber auch nicht verlieren. Wie ist die...

Das gilt ab jetzt

Gülle-Sperrfrist endet am 31. Januar

vor von Alfons Deter

Die neuen Vorschriften zur Gülleausbringung gelten zunächst nur für Ackerland, nicht für Grünland und Ackergrasflächen. Dort sind weiter die gängigen Breitverteiltechniken erlaubt.


Diskussionen zum Artikel

von Renke Renken

Den meisten Schwachsinn

mit der Gülle veranstalten wir, weil Schwachmaten sich das ausgedacht haben. Erklär mir mal bitte einer, wo der umwelttechnische Nutzen zu einer vernünftigen unter Einbeziehung des Wetters Breitverteilung besteht, wenn man jetzt statt Ammoniakemission jede Menge zusätzlich Energie ... mehr anzeigen

von Erwin Imschloss

Stickstoffsteuer

Wäre eine gute Lösung, aber zu wenig Bürokratie und Gewinneinbußen für die Industrie. Außerdem gibt es dazu auch keine Einigkeit in der Landwirtschaft.

von Rudolf Rößle

Letztes Jahr

haben wir es deutlich am Ertrag gesehen. Die Gülle ,die Ende Februar/ Anfang März ausgebracht werden konnte, hat einen deutlichen Mehrertrag im Grünland erbracht. Wenn der Boden aufnahmefähig ist und sogar bei Temperaturen von 0 Grad gedüngt wird, kann ich mir nicht vorstellen, dass ... mehr anzeigen

von Heinrich Schröder

gülle

und dann im märz bodenschonend durch die nassen felder wie lange lassen wir uns das noch von den schreibtischbeamten gefallen ?

von Erwin Imschloss

Hallo Herr Steffek

Ich hab vor ein paar Jahrzehnten auch noch Gülle auf Schnee gefahren. Damals hat das Lager nur für 4 Wochen gereicht, dann wurde das Zeug rausgefahren. Aus heutiger Sicht war das aber ganz klar eine Entsorgung, die zur Schneeschmelze die Gewässer enorm belastet hat. Die fehlenden ... mehr anzeigen

von Willy Toft

Wenn das nicht bald wieder revidiert wird, wird es Gebietsweise zu erheblichen Engpässen führen!

Fahren im "Hohen Bestand" sieht auch nicht lecker aus, und verfehlt die die Umsetzung um Wochen, die Entscheident sein können!

von Christoph Schulte

Gülleausbringung

Als nächstes kommt das Ausbringungsverbot auf zu trockenen Böden und ein Verbot der Ausbringung bei Temperaturen von mehr als 10 Grad ! Zusätzlich darf man Gülle nur noch von 8.30 Uhr bis 15.30 Uhr aufbringen und Freitags nur bis 11.30 Uhr damit ein Kontrolleur anwesend seien kann! ... mehr anzeigen

von Gerhard Steffek

Auf Schnee ausbringen!

Genau das taten aber unsere Altvorderen immer gerne mit bestem Wissen und Gewissen. Denn wie der Absatz "Düngung dem Bedarf der Pflanzen anpassen" bestens aussagt, hat man auf Grünland mit die wenigsten Verluste. Der kalte Schnee verhinderte ein austreiben des Ammoniaks, band ihn sogar ... mehr anzeigen

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