Getreideernte

Gute Aussichten für Ernte in Bayern

Agrarministerium und Bauerverband rechnen in diesem Jahr mit einer guten Ernte für die bayerischen Landwirte – zumindest dort, wo die Fläche von Unwettern verschont blieben.

Trotz der regional teilweise heftigen Wetterereignisse und des wechselhaften Frühjahrs können die bayerischen Landwirte Agrarministerin Kaniber zufolge heuer insgesamt betrachtet mit einer guten Ernte rechnen: „Wir fiebern und leiden auch mit unseren Bäuerinnen und Bauern mit. Nach dem frostigen April – der kälteste seit 83 Jahren – hat der Mai rechtzeitig so viele Niederschläge gebracht, dass das Getreide gut gewachsen ist. Damit erwarten die Experten heuer einen Ertrag, der insgesamt über dem Durchschnitt liegt“, erklärte die Ministerin während der diesjährigen Erntepressefahrt in Petershausen.

Mehr als 120.000 Hektar mit Unwetterschäden

„Wer vom Unwetter verschont geblieben ist, für den war es bislang eine gute Wuchssaison mit ausreichend Regen und angenehmen Temperaturen für die Feldfrüchte. Ich möchte aber nicht verschweigen, dass wir die Unwetterschäden durch Starkregen oder Hagel auf mehr als 120.000 Hektar schätzen“, ergänzte BBV-Präsident Walter Heidl.

Wie bereits in den vergangenen Jahren haben Unwetter für regional eng begrenzte Ernteausfälle auf Feldern und Wiesen gesorgt. Kaniber sieht darin die Prognosen von Klimaforschern bestätigt: „In unseren Breiten gibt es immer häufiger Extremwetterlagen, die sich auf das Pflanzenwachstum und die Arbeit der Landwirte auswirken.“ Gerade für die Tierhalter bedeuteten die vergangenen trockenen Jahre deutliche Einbußen an Futter. Umso erfreulicher sei es, dass sich heuer auch beim Grünland gute Erträge und Qualitäten abzeichnen.

Bei Zuckerrüben, Kartoffeln, Mais und Leguminosen bremste das kalte Frühjahr das Wachstum zu-nächst. Die hohen Temperaturen ab Mitte Juni sorgten aber dafür, dass der Vegetationsrückstand wieder aufgeholt wurde. Für die Erträge komme es jetzt auf die Witterung der nächsten Wochen an.

Leichte Veränderungen bei den Anbauflächen

Die Anbauflächen haben sich Kaniber zufolge im Vergleich zum Vorjahr leicht verändert: Die Getreidefläche ist mit etwa einer Millionen Hektar leicht gesunken. Winterweizen, die wichtigste Brotgetreideart, wurde auf etwa 434.000 Hektar angebaut. Aber auch die Nischenkultur Dinkel wird immer mehr angebaut: In diesem Jahr ist die Fläche um 35 Prozent auf fast 63.000 Hektar gestiegen.

Als sehr erfreulich wertet die Ministerin den auch heuer anhaltenden Anstieg beim Anbau von Eiweißpflanzen. Vor allem bei den Sojabohnen ist die Fläche um fast 2.000 auf rund 20.300 Hektar gewachsen. Eine weitere positive Entwicklung sei, dass fast die Hälfte der Wiesen und Weiden in Bayern – etwa 500.000 Hektar – mittlerweile extensiv bewirtschaftet werden..

Der deutliche Rückgang der Anbaufläche von Braugerste um fast 10.000 Hektar auf rund 85.000 Hektar ist der Ministerin zufolge vor allem auf die Corona-Pandemie zurückzuführen. Diese hatte zu einem entsprechenden Rückgang bei Nachfrage und Preisen geführt.

BBV-Präsident Heidl fordert faire Preise, Planungssicherheit und Vertrauen

Neben der Situation auf den Feldern sprach Heidl die angespannte Stimmung bei den Bäuerinnen und Bauern an. „Die Sorge um die Zukunft der Landwirtschaft in Bayern ist groß. Da wir die Lebensmittelversorgung sicherstellen, wurde unsere Arbeit angesichts der Corona-Pandemie zwar als systemrelevant eingestuft. Doch die Rahmenbedingungen von Politik und Markt passen dazu ganz und gar nicht. Immer höhere Standards und höhere Kosten bei der Arbeit auf dem Feld und im Stall führen dazu, dass unseren Bauernfamilien allmählich die Luft ausgeht“, sagte Heidl. Hinzu komme die Doppelmoral vieler Verbraucherinnen und Verbraucher. „Wer Regionalität und Tierwohl will, der muss auch an der Ladentheke entsprechend handeln. Immer mehr verlangen und gleichzeitig immer weniger zahlen? Das funktioniert einfach nicht!“

Heidl: „Was wir brauchen, sind faire Preise, Planungssicherheit und Vertrauen für die Landwirtschaft. Nur so können wir unsere Stärken ausspielen: kurze Wege durch Regionalität, Teil der Lösung beim Klimaschutz und Erhalt der bayerischen Kulturlandschaft. Die Landwirtschaft ist ein echtes Multitalent – und das wollen wir auch zeigen!"