LWK-Versuche

Herbstdüngung zu Raps – darf nicht und muss doch?

Ist es sinnvoll, bei der eng bemessenen N-Menge immer noch einen Teil bereits im Herbst zu platzieren? Oder besser die komplette Menge im Frühjahr? Welche Strategie rettet den Ertrag?

Unsere Autoren: Kai-Hendrik Howind, Dr. Dagmar Matuschek, LWK Niedersachsen

Die Stickstoffdüngung zu Winterraps im Herbst ist seit jeher ein stark diskutiertes Thema. Für viele Praktiker ist es eine pflanzenbaulich sinnvolle Maßnahme, um ihren Bestand sicher zu etablieren. Doch die strengen Reglementierungen durch die Düngeverordnung (DüV) bei der Herbstdüngung lassen kaum noch eine pflanzenbaulich sinnvolle Empfehlung zu. Dennoch gilt es nun, mit den gegebenen Umständen erst mal bestmöglich zurecht zu kommen.

Herbstgabe ist anzurechnen

Bundesweit gilt seit Mai 2020, dass der verfügbare Stickstoff (N) aus einer Herbstdüngung zu Raps auf den Düngebedarf im Frühjahr anzurechnen ist. Ging es bislang vor allem um die Frage, ob eine zusätzliche Herbstdüngung einen Mehrertrag bringt oder nicht, so muss nun genau überlegt werden, ob die durch die DüV begrenzten N-Menge den Pflanzen bereits im Herbst oder erst im Frühjahr zur Verfügung gestellt werden soll.

Die Übersicht 1 zeigt Beispiele, wie sich eine Herbstdüngung auf den Düngebedarf im Frühjahr auswirkt. Der verfügbare Stickstoff einer Herbstdüngung ist im Frühjahr zu berücksichtigen. Das entspricht bei organischer Düngung in der Regel dem NH4-Gehalt und bei mineralischer Düngung 100% der eingesetzten N-Menge.

Sind im Herbst beispielsweise 10 m³/ha Gärrest (5 kg Gesamt-N und 3 kg NH4-N) gefallen, so müssen Sie bei der Bedarfsermittlung 30 kg/ha anrechnen, bei einer mineralischen Düngung mit 1,5 dt/ha KAS 40 kg N/ha. Setzt man einen Nmin-Wert von 25 kg N/ha im Frühjahr an, so verbleiben anstatt 175 kg N/ha ohne Herbstdüngung noch 145 kg/ha bei organischer Düngung und 135 kg N/ha bei mineralischer Düngung.

Zu berücksichtigen ist weiterhin, dass Sie 10% Nachlieferung des organischen Stickstoffs bei der nachfolgenden Kultur anrechnen müssen. Somit sind zur Folgekultur noch mal 5 kg N/ha abzuziehen.

Knappe Zeiten in roten Gebieten

Liegen Betriebsflächen im roten Gebiet, so reduziert sich die Düngermenge um weitere 20% auf 116 bzw. 108 kg N/ha. Ob dieses für eine bedarfsgerechte Düngung des Rapses ausreicht, ist fraglich. Und vor diesem Hintergrund ist dann um so gründlicher zu überlegen, ob die N-Düngung nicht in jedem Fall ins Frühjahr verlagert werden sollte, damit zu diesem Zeitpunkt ausreichend Stickstoff zur Verfügung steht, um sowohl Massebildung als auch Blütenansatz zu fördern.

Ohnehin ist eine Herbstdüngung zu Raps in den roten Gebieten nur noch möglich, wenn ein Nmin-Gehalt von weniger als 45 kg N/ha nachgewiesen wurde. Jedoch...


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