Kohlenstoff-Zertifikate

Indigo und Agrarhandel Beiselen starten Carbon Farming Pilotprojekt

Lässt sich mit Kohlenstoffspeicherung im Boden Geld verdienen? Bedingungen sind verifizierte Messungen und entsprechende Nachweise. Beides soll im Rahmen des Programms "Indigo Carbon" erprobt werden.

Dieser Artikel erschien zuerst in f3 farm. food. future.

Indigo Agriculture und das Agrarhandelsunternehmen Beiselen haben eine neue Partnerschaft bekannt gegeben. Damit sollen die ersten landwirtschaftlichen Betriebe am sogenannten „Indigo Carbon“-Programm teilnehmen können. Dieses soll Agrarbetrieben langfristig eine neue Einnahmequelle in Form von verifizierten Kohlenstoff-Zertifikaten bieten. Ein Pilotprojekt startet einer aktuellen Pressemitteilung zufolge nun in Sachsen-Anhalt und Nordthüringen.

Messung nach einem Standard von „Verra“

Das „Indigo Carbon“-Programm animiert Landwirte und Landwirtinnen dazu, ihre Bewirtschaftung auf Methoden der regenerativen Landwirtschaft umzustellen, um Humus anzureichern und Kohlenstoff im Boden zu speichern. Dazu gehören eine erweiterte Fruchtfolge, artenreiche Zwischenfruchtmischungen und der reduzierte Einsatz von Bodenbearbeitung sowie mineralischen Düngemitteln. Als Resultat, so die Annahmen der Unternehmen, verbessert sich die Bodenqualität und ihre Widerstandsfähigkeit, was wiederum die Rentabilität der Betriebe positiv beeinflusst.

Die Zusammenarbeit mit Indigo bietet Beiselen die Chance, in Deutschland eine führende Rolle bei der Kompensation von Treibhausgasemissionen durch Humusaufbau zu übernehmen." - Fritz Schuler, Beiselen GmbH

Die Kohlenstoff-Zertifikate sollen Unternehmensangaben zufolge auf der „Verified Carbon Standard“ (VCS) Methodik von Verra aufgebaut sein, einer unabhängigen amerikanischen Organisation. Diese Methodik quantifiziert die Reduzierung von Treibhausgasemissionen und die organische Kohlenstoffspeicherung im Boden. Die Einhaltung der VCS-Methodologie soll die Integrität der Kohlenstoff-Zertifikate gewährleisten, die aus diesen Praktiken entstehen. Dies ziehe auch bereits erste Unternehmen an, die in verifizierte Kohlenstoff-Zertifikate aus der Landwirtschaft investiert haben, darunter Barclays, IBM und JP Morgan.

Drohnenflug

Indigo setzt Ertrags-, Boden- und Wetterdaten miteinander in Verbindung, um Vorhersagen über die voraussichtliche CO2-Speicherkapazität zu erstellen. (Bildquelle: Schildmann)

Nutzbar für GAP-Öko-Programme?

Landwirtschaftsbetriebe, die die Qualifizierungskriterien erfüllen, verpflichten sich zunächst für fünf Jahre an dem Programm teilzunehmen. Die Geschwindigkeit und das Ausmaß, in dem die Agrarbetriebe ihre Bewirtschaftungsmethoden ändern, bestimmen dann die Höhe der Emissionsreduzierung und - so die Annahme - auch den Anstieg des organischen Kohlenstoffs im Boden. Dieses wiederum beeinflusst, wie viele Kohlenstoff-Zertifikate vom Landwirtschaftsbetrieb generiert werden können.

Das Interesse und die Nachfrage nach Carbon Farming haben im letzten Jahr deutlich zugenommen." - Georg Goeres, Indigo Agriculture

Indigo und Beiselen gehen davon aus, dass die kohlenstoffbindenden landwirtschaftlichen Methoden künftig auch in die vorgeschlagenen Öko-Programme der überarbeiteten Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) der Europäischen Kommission aufgenommen werden (Eco-Schemes). Dies könnte ein zusätzlicher Vorteil für Agrarbetriebe sein, die ab 2023 am „Indigo Carbon“-Programm teilnehmen.

Projektstart zur Frühjahrssaison

Beginnend mit der Frühjahrssaison werden Indigo und Beiselen zusammenarbeiten, um erste Landwirtschaftsbetriebe in das Pilotprojekt einzubeziehen. Die Regionen Sachsen-Anhalt und Nordthüringen wurden der Pressemeldung zufolge deshalb ausgewählt, weil die agronomischen Bedingungen für das Programm und die Bereitschaft der Agrarbetriebe, neue Methoden der regenerativen Landwirtschaft zu übernehmen und aufrechtzuerhalten, gut geeignet erscheinen. Beiselen wird für die Kundenansprache, die Qualifizierung der Landwirtschaftsbetriebe und die Registrierung der Teilnehmer verantwortlich sein. Das Unternehmen wird die involvierten Landwirte auch bei der Umsetzung der Methodenänderungen unterstützen und jährlich relevante Betriebsführungsdaten und Nachweise sammeln.

Das sagen die Chefs

Zur Verkündung der Partnerschaft sagte Georg Goeres, Geschäftsführer von Indigo Agriculture in Europa: „Das Interesse und die Nachfrage nach Carbon Farming haben im letzten Jahr deutlich zugenommen und Beiselen teilt unsere Überzeugung, dass es dazu beitragen kann, die Landwirtschaft in einer Weise zu verändern, die für Mensch und Umwelt viele Vorteile bringt. Durch die Zusammenarbeit mit Beiselen werden wir die jeweils einzigartigen Fähigkeiten des anderen nutzen und lernen, wie das Indigo Carbon Programm in Deutschland und darüber hinaus am besten umgesetzt werden kann, um den Agrarbetrieben die Möglichkeit zu geben, die wertvollen wirtschaftlichen, ökologischen und klimatischen Vorteile von Carbon Farming zu nutzen.“

Fritz Schuler, Gesellschafter der Beiselen GmbH und mitverantwortlich für strategische Projekte des Familienunternehmens, sagte: „Die Zusammenarbeit mit Indigo bietet Beiselen die Chance, in Deutschland eine führende Rolle bei der Kompensation von Treibhausgasemissionen durch Humusaufbau zu übernehmen. Der Agrarsektor befindet sich derzeit in einem Wandel und es werden Lösungen für eine produktive sowie nachhaltige Lebensmittelproduktion benötigt. Indigo Carbon ist ein zukunftsorientiertes Programm, das gleichzeitig die ökologischen und ökonomischen Prioritäten für die Landwirtschaft berücksichtigt. Wir sind fest davon überzeugt, dass ein hohes Maß an Engagement sowie das Vertrauen, das die Landwirtschaftsbetriebe in uns haben, sich mit der zukunftsweisenden Lösung von Indigo Carbon perfekt ergänzen werden.“


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