1. Platz Kategorie Landwirte

Insektenschutz als Betriebszweig

Statt mehr klassische Feldfrüchte anzubauen, setzt Hendrik Schelle aus Niedersachsen verstärkt auf Biodiversitätsmaßnahmen. Für ihn sind sie ein neuer Betriebszweig.

Bei dem Wettbewerb "Insekten brauchen Bauern" haben acht Landwirte und Koopertionen von 130 Bewerbern aus ganz Deutschland gewonnen. Ihre Preise erhielten sie feierlich auf der Grünen Woche in Berlin, überreicht von Bundsumweltministerin Svenja Schulze. Wir stellen Ihnen die Gewinner vor, einer von ihnen ist Hendrik Schelle aus Moringen in Niedersachsen. Er belegt den 1. Platz in der Kategorie Landwirte. Hier ist seine Reportage:

Komisch sei es schon gewesen, als er das erste Mal im Frühjahr 2011 statt Getreide eine Blühmischung aussäte. „Ich war quasi mit einer Unkrautdrille auf dem Acker", sagt Hendrik Schelle aus Moringen in Südniedersachsen. Auf 2 ha drillte Schelle damals Blühstreifen.

Ich will der Natur etwas zurück geben. - Hendrik Schelle

Mit dem Saatgut für Blühmischungen loszufahren, ist für den 32-jährigen Landwirt mittlerweile selbstverständlich. Auf sage und schreibe einem Drittel seiner Ackerfläche – das sind 45 ha – führt er inzwischen Agrarumweltmaßnahmen für die Biodiversität durch. Vor allem der hohe Flächenanteil beeindruckte die Jury des Wettbewerbs. Zudem pflegt Schelle 20 ha extensives Grünland und u. a. 12 ha Dauerbrache – als freiwillige Vereinbarung mit den Stadtwerken Einbeck.

Randstreifen

Randstreifen länger stehen zu lassen, nützt Insekten und Niederwild. (Bildquelle: Mund)

Schelles Betrieb liegt am Fuße des Mittelgebirges Solling – Hanglage und flachgründige Böden inklusive. „Die sind nicht immer leicht zu bewirtschaften", sagt der Landwirt. Statt mehr Winterweizen, -gerste und Rüben anzubauen, wollte der junge Betriebsleiter einen anderen Weg gehen und entschied sich, Biodiversität als neuen Betriebszweig aufzubauen.

Blühflächen optimiert

Von Blühstreifen wechselte Schelle zu Blühflächen. Seine Strategie dabei: Blühmischungen sät er auf alle Flächen, die flachgründig und kleiner als 2 ha sind. Er setzt zu gleichen Teilen einjährige und mehrjährige Mischungen ein, auf insgesamt 22 ha. Die einjährige Mischung sät er in Absprache mit Imkern, die mehrjährigen Blühflächen spricht er mit der Unteren Naturschutzbehörde ab. Schelle achtet zudem darauf, dass es sich bei den Mischungen um zertifiziertes Regiosaatgut handelt. Im Saatgut der mehrjährigen Blühmischung sind 34 Arten enthalten, davon 70 % Wildpflanzen. Durch die Trockenheit setzte sich 2019 vor allem die Schafgarbe auf den Flächen durch.

Blühfläche

Blühflächen sind ein Betriebszweig von Landwirt Schelle. (Bildquelle: Mund)

Mit den Blühflächen, Brachen, dem extensivem Grünland sowie den in Etappen gemulchten Wegrändern unterscheiden sich Schelles Flächen deutlich von denen seiner Berufskollegen. Das gilt auch für das Luzerne-Kleegras, das als mehrjähriger Schonstreifen für den Rotmilan in der Feldmark auffällt. Ebenso wie die Feldraine, die der junge Landwirt länger stehen lässt. Den Kleingehölzen und Gehölzinseln auf seinen Flächen gibt er Raum und mulcht nur die Ränder. „Ich will der Natur etwas zurückgeben“, erklärt er sein Engagement. Künftig will der Landwirt die Fläche für den Rotmilan aufstocken und dann abwarten, wie sich die Natur und das Förderrecht entwickeln.

Steckbrief

Auf einem Drittel der Ackerfläche führt Hendrik Schelle biodiversitätsfördernde Maßnahmen durch. (Bildquelle: top agrar)

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Bei dem Wettbewerb von der Stiftung LV Münster, Syngenta und top agrar gewinnen acht Landwirte. Schulze würdigt das Engagement der Landwirte.


von Christian Hoffmann

???

Und was bekommt er für die Blühstreifen oder die Brache? Wenn es Pachtfläschen sind geht die Rechnung kräftig ins minus.

von Franz Gerstner

Mehr..mehr.. immer noch mehr.

Wir müssen einfach dieses System ändern...wir müssen auch uns ändern..wir ..wenn er mit dem Herz dabei ist..passt es.

von Wilhelm Grimm

Richtig, Henrik tut was für das Gemeinwohl. Das steigert das Image der gesamten Landwirtschaft.

Aber wir Bauern von Vorgestern bauen Getreide, Raps und Zuckerrüben an und versündigen uns am Gemeinwohl. Das ist schlecht, sagt unsere Regierung und unsere Kirche, hat aber den unschätzbaren Vorteil, das wir in unserer Gunstregion den Hungernden dieser Welt nicht mehr helfen können. ... mehr anzeigen

von Hendrik Schelle

Kleiner Tipp an alle die sich nicht mit bzw. für die Preisträger freuen können : )

... legt eure Tablets bei Seite und geht raus an die frische Luft,... pflanzt Bäume, Sträucher oder Blühstreifen,... von mir aus auch Weizen ; ) Durch sinnlose Diskusionen können wir die Welt nicht verbessern,... # anpacken statt einpacken Grüße vom Bauern von nebenan

von Hans Spießl

wer finanziert diesen Quatsch

nebenher 5 G ausbau...... aber zurück, wieviele Kriegswaffen müssen wir exportieren damit wir aus diesen Gewinnen uns Volkswirtschaftlich das Leisten können.

von Rudolf Rößle

Funkmasten

In unserem Nachbarort soll ein neuer großer Funkmasten installiert werden. Dort installieren mehrere Dienstleister ihre Anlagen. Die höhere Funkleistung reicht bis 150 Meter an unserer Haus heran. Diese durchdringt alle Insekten. Dazu gibt es aber keine veröffentlichte mir bekannte ... mehr anzeigen

von Gerhard Steffek

The trend is your friend!

Und derzeit geht der Trend halt nunmal dahin, daß das "gemeine Volk" anscheinend wünscht daß der moderne und hocheffiziente Landwirt von heute zum "Landschaftsgärtner" mutiert. Schließlich bekommt man sein Futter ja schließlich en masse und billigst von Aldi, Lidl und Co. Für was ... mehr anzeigen

von Johann Schneider

Hoffentlich

Geben die 3 Kommentare vor mir nur die Meinung von 0,3% der Landwirte wieder

von Rudolf Rößle

Hat

hier der Nabu auch seine Insektenfallen aufgestellt und gezählt. Das wäre doch eine interessante Auswertung. Geld für Insektenmasse, wenn es dort mehr Arten geben sollte.

von Hans Spießl

gute Arbeit für die USA Vasallen, 1 Milliarde Menschen hungern

von Hermann Kamm

Wenn manche

in den Brunnen springen, braucht man deswegen nicht hinterher springen. :-)

von Albert Maier

Ganz ehrlich-

wenn Schwachsinn zur Weisheit erhoben wird, ist Widerstand Pflicht!

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