Rundschau

Kampf ums Grünland: Wildgänse und Feldmäuse werden zur Plage

Gänse und Feldmäuse fressen Flächen kahl. Den Bauern fehlt das Futter. Erste Betriebe bangen um ihre Existenz. Jetzt rückt auch noch der Wolf vor.

Melf Melfsen schaut besorgt auf seine Grünlandflächen: Tausen­de von Nonnengänsen (auch Weißwangengänse genannt) fressen auf den Wiesen und Weiden Gras, das eigentlich für seine Kühe gedacht war.

Das ist zwar nicht neu für den Landwirt und Vorsitzenden des Kreisbauernverbandes Nordfriesland aus Bordelum (Schleswig-Holstein): Seit Jahren fallen die Vögel von November bis Mai auf den Flächen ein. Sie nutzen die Rast auf ihrem Zug, um sich mithilfe der jungen Wintergetreidepflanzen und vor allem dem Gras über Winter ein Fettpolster anzufressen. Im Frühjahr ziehen sie dann weiter Richtung Skandinavien oder Sibirien ins Sommerquartier.

Was ihn und andere Berufskollegen an der Küste von Schleswig-Holstein, Hamburg und Niedersachsen aber in diesem Jahr besonders beunruhigt: Es droht jetzt im vierten Jahr in Folge Futterknappheit. Seit dem Jahr 2017 haben Nässe oder starke Trockenheit manchen Schnitt zunichte gemacht, viele Betriebe müssen Futter zukaufen.

Der Schaden für die Landwirte wird jedes Jahr größer: „Allgemein nehmen die Bestände von Gänsen exponentiell zu, und bei den meisten gibt es kein Anzeichen dafür, dass diese Entwicklung aufhört“, zitiert die Süddeutsche Zeitung den Gänseforscher Jasper Madsen von der dänischen Universität Aarhus. Er geht von 10 % jährlichem Wachstum aus. Auf eine parlamentarische Anfrage der CDU-Fraktion antwortete das Umweltministerium in Niedersachsen jedoch, dass ein exponentielles Wachstum nicht bei jeder Art pauschal an­genommen werden könne. Denn die Bestandsentwicklung hänge von Faktoren wie Nahrungsangebot, Brutmöglichkeiten oder Anzahl der Räuber ab.

Allerdings räumt das Ministerium ein, dass in den letzten 25 Jahren die Bestände von Nonnen- und Blässgänse, aber auch der Graugänse stark zugenommen haben. Das Problem bei der Nonnengans: Sie hat einen sehr kurzen Schnabel und frissst die Grasnarbe tief ab. „Einzelne Flächen sind komplett kahl, da wächst auch nichts mehr“, hat Melfsen festgestellt.

Aber nicht nur der Fraß macht dem Landwirt Sorge:

  • Im Jahr 2019 hat Melfsen mit dem fehlenden Aufwuchs von 40 ha einen Verlust von rund 17.000 € errechnet. Hinzu kommt eine ständige Verschlechterung der Narbe durch den Verbiss.
  • Der fehlende, ertragreiche 1. Schnitt macht den Bauern Schwierigkeiten bei der Düngebilanz und -bedarfsermittlung nach der neuen Düngeverordnung.
  • Seit 2018 gilt für Dauergrünland die Bedingung, dass Flächen nur alle fünf Jahre umgepflügt werden dürfen, z. B. zur Narbenerneuerung. Auf Melfsens Flächen ist die Belastungsgrenze der Grasnarbe wegen des Gänsefraßes aber bereits nach drei Jahren erreicht.

Keine Entschädigung in Sicht

Während die Schäden mit weiteren Folgen immer mehr zunehmen, warten die Landwirte in Schleswig-Holstein seit Jahren auf eine praktikable Lösung der Entschädigung. Bislang ist davon jedoch nichts in Sicht. Im Gegenteil: Die Landesregierung will diese an Bedingungen knüpfen.

„Die Vorschläge sind zu kompliziert. Insbesondere sind keine Vorbedingungen zu stellen hinsichtlich Gebietskulisse, Vergrämung und bereitzustellender Duldungsflächen, da die Schäden inzwischen nicht nur räumlich begrenzt auftreten, die Vergrämung stattfindet, aber wirkungslos bleibt und das Konzept der Duldungsflächen schon jetzt nicht funktioniert“, heißt es dazu in einer Resolution des Bauernverbandes Schleswig-Holstein.

„Es würde auch schon helfen, wenn wir die riesigen Vorlandflächen zwischen Deich und Küste beweiden dürften. Das würde die Gänse von den wertvollen Grünlandflächen wieder außendeichs locken“, ist Melfsen überzeugt. Ebenso fordern die Landwirte,...

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