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LBV Brandenburg: Moorschutz und Landwirtschaft zusammen denken

Moore können eine wesentliche Rolle beim Klimaschutz spielen. Entscheidend ist jedoch der umsichtige Umgang mit den flächenmäßig sehr umfangreichen Moorstandorten, sagte LBV-Präsident Henrik Wendorff.

Am Mittwoch veranstaltete der LBV Brandenburg eine Presse-Exkursion, die sich dem übergeordneten Thema Wasser in der Landwirtschaft widmete und Impulse gab, wie Landwirtschaft und Moorschutz auf Brandenburgs Moorflächen gleichermaßen gelingen können.

Dazu besuchten die Teilnehmenden mit der Brücker Agrar- und Landschafts GbR und dem Hof Schreinicke zwei landwirtschaftliche Betriebe im Landkreis Potsdam-Mittelmark.

Niederschläge nehmen ab

LBV-Präsident Henrik Wendorff stellte zu Beginn der Exkursion heraus, dass Klimaveränderungen bereits Realität seien und deren Auswirkungen die Brandenburger Landwirte seit einigen Jahren immer wieder auch vor schwierige Problemlagen stellen.

„In Zukunft wird es immer wieder Perioden mit auf der einen Seite weniger Niederschlägen in der Fläche geben, aber auch Situationen nach ergiebigen Regenfällen, in denen große Wassermengen gemanagt werden müssen. Dieser Umstand erfordert Anpassungsleistungen, sowohl innerhalb der Bewirtschaftung der Flächen als auch bei der Ertüchtigung der Gewässerinfrastruktur “, so Wendorff.

Hoffnung in Brandenburger Moore

Nach Einschätzung des LBV ist die Landwirtschaft nicht nur Leidtragende von klimatischen Veränderungen, denn es bieten sich auch neue Möglichkeiten innerhalb der Landnutzung, Klimaveränderungen entgegen zu wirken. Brandenburger Moore könnten hierbei eine nicht unerhebliche Rolle spielen.

„Entscheidend ist jedoch der umsichtige Umgang mit den flächenmäßig sehr umfangreichen Moorstandorten, zumal es möglich ist, positive Effekte auf das Klima zu erzielen, ohne die landwirtschaftliche Nutzbarkeit durch eine radikale Wiedervernässung zu gefährden“, erklärte der LBV-Präsident.

Das sind die Probleme der Wiedervernässung

Maria Lubkoll, Projektmanagerin Klimabauern beim LBV Brandenburg erläuterte in ihrem Impulsvortrag die Probleme, die bei einer kompletten Wiedervernässung von Moorstandorten entstehen. „Nicht nur die gesellschaftlich gewollte Weidehaltung von Rindern wäre nicht mehr möglich, auch die Lebensqualität der Menschen in den betroffenen Regionen würde stark eingeschränkt, denn stehende Gewässer bieten ideale Lebens- und Reproduktionsbedingungen für Mücken, die auch Krankheiten übertragen können “, so Lubkoll.

Nicht genug Ausgleichsflächen

Die erste Station der Exkursion führte die Teilnehmenden an die Belziger Landschaftswiesen. Die über 50 dort wirtschaftenden Landwirtschaftsbetriebe würden durch eine komplette Wiedervernässung des Moors vor kaum lösbare Probleme gestellt. Nicht nur, dass viele ihrer Flächen nicht mehr zu bewirtschaften wären, es gäbe auch nicht genug Ausgleich, um diese zu ersetzen. Das wäre ein nicht zu kompensierender Verlust für die Wirtschaftlichkeit der Unternehmen.

Burghard Haseloff (Brücker Agrar- und Landschafts GbR), einer der betroffenen Landwirte verdeutlichte die zukünftigen Herausforderungen anhand seines Unternehmens und zeigte die in Rede stehenden Weiden und Wasserbauwerke.

Moorschonende Stauhaltung ist gangbarer Weg

Den nächsten Halt legte die Gruppe im Bereich der Nuthe-Nieplitz Niederung ein. Landwirt Jens Schreinicke zeigte den Journalisten die von ihm bewirtschafteten Flächen sowie die dazu gehörende Gewässerinfrastruktur.

Wendorff, Haseloff und Schreinicke sprachen sich ausdrücklich für Maßnahmen des Moorschutzes aus, wobei sie die moorschonende Stauhaltung, als einen gangbaren Weg bezeichneten, der landwirtschaftliche Nutzung und Erfordernisse des Klimaschutzes zusammenbringen könnte. Darüber hinaus forderten sie die frühzeitige Einbindung von Flächeneigentümern und Landwirten, da alle Maßnahmen in dieser Richtung erhebliche Auswirkungen auf die Infrastruktur der ländlichen Räume haben und komplette Dörfer auf Mooren erbaut sind.

40 cm bis zur Grasunterkante anstauen

„Damit Moore ihre CO2-speichernde Funktion wahrnehmen können, müssen sie nass sein. Dem könnte Rechnung getragen werden, indem der Wasserpegel bis auf 40 cm zur Grasunterkante angestaut wird. Auf diese Weise könnten Klimaschutzeffekte erzielt werden und die betroffenen Flächen wären weiterhin durch Landwirte wirtschaftlich nutzbar“, so Wendorff.

LBV Hauptgeschäftsführer Denny Tumlirsch ergänzte, dass das Thema Moorschutz in Brandenburg nicht ausschließlich vor dem Hintergrund von Klimazielen diskutiert werden dürfe. Es gäbe Hinweise darauf, dass auch das sensible Thema Agrarstruktur tangiert ist. Der LBV habe deshalb einen Antrag auf Zugang zu Umweltinformationen nach Umweltinformationsgesetz gestellt.


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