Landwirtschaft im Dialog

Lehrke: NEC-Richtlinie fordert mehr Düngeeffizienz

Mit welchen Düngestrategien lassen sich die Klimaziele erreichen? Darüber wird bei "Landwirtschaft im Dialog" am 11.02 diskutiert. Wir haben Podiumsteilnehmer Ulrich Lehrke vorab befragt.

Mit der Umsetzung der europäischen NEC-Richtlinie hat sich Deutschland verpflichtet, den Ammoniakausstoß bis zum Jahr 2030 um 29% zu senken. Wo entstehen klimaschädliche NH3-Emissionen bei der Düngung?

Lehrke: NH3-Verluste entstehen vorrangig bei der organischen Düngung. Allerdings ist davon auszugehen, dass auch bei der Mineraldüngung gasförmige Verluste auftreten. Wie hoch diese sind, hängt von verschiedenen Faktoren ab, wie z.B. Witterung und Temperatur. Vor allem bei warmem und windigem Wetter sind die Verluste hoch. Bei kühler und feuchter Witterung ist die Emission dagegen gering. Auch die Bestandeshöhe bzw. der Bewuchs spielen eine Rolle.

Zusätzlich wirken sich die Bodeneigenschaften auf die Ammoniakemission aus. Die Verluste stehen dabei in enger Beziehung zum pH-Wert. Vor allem auf Standorten mit pH-Werten von über 7,5 steigen sie stark an. Daher beeinflusst die Applikationstechnik bei der Ausbringung von organischen Düngern die NH3-Verluste enorm. Viel NH3 geht verloren, wenn man die Wirtschaftsdünger breitwürfig ausbringt. Das gilt vor allem, wenn die Düngemittel nicht in den Boden eingearbeitet werden. Dabei steigen die NH3-Verluste bei Düngemitteln mit hohen pH-Gehalten deutlich an, besonders bei Gärresten. Auch wenn harnstoffhaltige Mineraldünger gestreut und nicht unverzüglich eingearbeitet werden, ist mit Verlusten zu rechnen.

Was können Landwirte tun, um diese Ammoniakemissionen zu vermeiden?

Lehrke: Bei der Kalkung sollte man darauf achten, dass der optimale pH-Wert der Böden nicht überzogen wird. Auf Standorten mit zu hohen pH-Werten empfiehlt es sich, physiologisch versauernde Dünger wie u.a. SSA anzuwenden. Bei der Auswahl von stickstoffhaltigen Mineraldüngern sollten KAS oder Harnstoff mit Ureaseinhibitorzusatz vorgezogen werden – auch wenn die Düngemittel eingearbeitet werden.

Darüber hinaus ist es angeraten, die Stickstoffdüngung vor allem in Getreide in mehreren Teilgaben auszubringen, um durch die Anwendung von Methoden zur Bedarfsermittlung (u.a. Nitracheck) das Optimum der Düngung besser bestimmen zu können. Versuche zeigen, dass unter günstigen Bedingungen beim Weizen eine Einsparung auf Grundlage von Nitratanalysen von bis zu 40 kg/ha möglich ist.

Bei der Applikation von Mineraldüngern vor der Saat, sollte eine unverzügliche Einarbeitung erfolgen. Die Kopfdüngung mit Mineraldüngern u.a. nach der Saat von Sommerungen wie Rüben und Mais sollte man vermeiden. Beim Einsatz von Flüssigdüngern kann die Injektion u.a. mit Hilfe des CULTAN-Verfahrens dazu beitragen, die Effizienz zu steigern und Verluste zu mindern. Durch den Einsatz der späten Nmin-Analyse in Rüben und Mais sollte es auch bei diesen Früchten gelingen, dass Nachlieferungspotential der organischen Dünger besser zu erfassen, um dadurch eine mineralische Ergänzungsdüngung – sofern überhaupt nötig – zu reduzieren.

Beim Einsatz organischer Dünger lassen sich noch höhere Verlustminderungen erzielen. In Zukunft darf man flüssige Wirtschaftsdünger nur noch bodennah applizieren. Bei der Ausbringung vor der Saat, empfiehlt es sich, die Einarbeitung in einem Arbeitsgang durchzuführen, z.B. mit einem Güllegrubber. Das Strip Till-Verfahren kann darüber hinaus helfen, auch die mineralische P-Düngung zu reduzieren. Bei der Applikation von festen organischen Düngern sollte grundsätzlich eine unverzügliche Einarbeitung erfolgen – das Ziel ist eine Stunde!

Bei der Kopfdüngung in wachsende Bestände kann man durch den Zusatz von Schwefelsäure eine weitere NH3-Minderung erreichen. Falls das noch nicht möglich ist, kann durch eine Bearbeitung nach der Applikation u.a. mit einem Striegel eine Verlustminderung angestrebt werden. Dies gilt umso mehr bei der Kopfdüngung von Mais und Rüben. Nach Möglichkeit sollte eine Kopfdüngung auch mit Wirtschaftsdüngern vermieden werden. Eine bedarfsgerechte Versorgung gelingt am besten, wenn man die Dünger bei den Sommerungen vor der Saat ausbringt. Sofern dies noch nicht möglich ist, weil Lagerkapazitäten fehlen, ist es angeraten, auch in den Reihenkulturen eine flache Einarbeitung vorzunehmen. Dazu eignen sich ebenfalls u.a. Striegel oder Hackmaschinen.

Kann es sich wirtschaftlich für die Betriebe auch lohnen, verlustarme Technik einzusetzen?

Lehrke: Durch die Begrenzung der Verluste können landwirtschaftliche Betriebe ihr Düngerkonto entlasten. Dadurch lassen sich die höheren Kosten für die Applikation in vielen Fällen ausgleichen. Voraussetzung ist jedoch, dass die Wirkung der Dünger mit Hilfe moderner Methoden zur Bedarfsermittlung besser als bislang erfasst wird. Die Nutzung von Entscheidungshilfen bei der Düngebedarfsermittlung über die Vorgaben der Düngeverordnung hinaus, ist in Zukunft unerlässlich.

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Die Veranstaltung "Effizient düngen und das Klimas schützen - geht das überhaupt?", die top agrar im Rahmen des Diskussionsformats „Landwirtschaft im Dialog“ durchführt und moderiert, findet am  11. Februar 2020 in Berlin in der Vertretung des Landes Hessen  statt. Die Teilnahme ist kostenlos. Weitere Informationen und die Anmeldung finden Sie unter www.seminare.lv.de. 

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Diskussionen zum Artikel

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von Thomas u. Helmut Gahse GbR

Ansäuerung mit Schwefelsäure

wäre eine sehr wirkungsvolle Möglichkeit den Stickstoffverlust zu senken, wenn die Anwendung so einfach wäre wie wenn man darüber spricht. Hier haben allerdings unsere s.g. Forschungseinrichtungen geschlafen, wahrscheinlich weil man sich zu sehr darauf konzentriert hat zu beweisen, dass der Bioanbau die Welt ernähren kann, was aber bis Heute nicht gelang. Es ist relativ einfach und auch vergleichsweise billig sich Schwefelsäure zu beschaffen, aber die Handhabung ist für den Landwirt faßt nicht möglich. Die technisch auch für kleinere Einheiten anwendbare Ansäuerung mit Schwefelsäure brächte deutlich mehr Effekt wie die Echtzeitmessung der Nährstoffgehalte mit NIRS.

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