Feldaufgang

Mais: Lückige Feldaufgänge bereiten Sorgen

Regional sind in Maisbeständen stärkere Keimlingsausfälle und Vogelfraß zu finden.

Abhängig vom Saattermin, Standort und im Einzelfall auch der Saatgutpartie sind in Maisbeständen stärkere Keimlingsausfälle zu finden. Es ist allerdings zu beachten, dass selbst unter optimalen Auflaufbedingungen in der Praxis kaum Feldaufgangsquoten von mehr als 90 bis 95 % erzielt werden, was bei der Einstellung der Aussaatstärke schon berücksichtigt worden sein sollte.

Tendenziell scheinen Bestände mit frühen Aussaatterminen ab Mitte April besonders auf Standorten mit leichten Böden stärker betroffen zu sein. Sandböden kühlen über Nacht schneller aus, was die Triebkraft der Keimlinge zusätzlich beansprucht. Während ein Mangel an Keimwasser diesjährig als Ursache ausscheidet, hatten es die Keimlinge besonders schwer, wenn die Körner, in der Hoffnung, dass es dort wärmer ist, zu tief abgelegt wurden. Das Feldaufgangsergebnis wird dadurch regelmäßig verschlechtert, da dem Keimling auf dem Weg nach oben schnell „die Puste“ ausgeht. In Regionen, in denen es viel Wasser gegeben hat, wird es auch zu gewissen Verdünnungseffekten beim Beizschutz gekommen sein. Neben abgestorbenen Keimlingen bzw. Saatkörnern, sind in betroffenen Beständen auch regelmäßig verdrehte Keimlinge und schwache Nachaufläufer zu finden, die im weiteren Verlauf weniger zum Ertragsaufbau beitragen. Abgestorbene Saatkörner „vergammeln“ schnell im Boden. Insbesondere auf Flächen mit viel Organik zum Beispiel nach Stallmistgabe werden gequollene, angekeimte und abgestorbene Körner auch von Larven der Saatenfliege angegangen.

In der Regel sind die Keimlingsausfälle nicht mit schlechter Saatgutqualität zu begründen, sondern den widrigen Auflaufbedingungen anzulasten. Das ist spätestens dann zu erkennen, wenn dieselbe Saatgutpartie unter normalen Bedingungen, also späteren Saatterminen oder auf anderen Schlägen, keine Probleme macht. Die gesetzlichen Anforderungen verlangen lediglich eine Mindestkeimfähigkeit von 90 %. Diese wird im Labor unter günstigen Bedingungen ermittelt. Das gehandelte Maissaatgut weist in der Regel aber höhere Keimfähigkeiten auf. Sofern eine einzelne Saatgutpartie aufgrund schlechter Keimfähigkeit/Triebkraft auffällt, wird dies infolge von Reklamationen über die Lot-Nr. im Saatgutvertrieb auffallen und entsprechende Probleme werden sich für diese Partie an anderer Stelle wiederholen. In begründeten Fällen wird dann schon einmal eine Kulanzregelung über die Vertriebsfirma getroffen. Es geht dabei aber „nur“ um den Wert des Saatgutes und nicht um mögliche entgangene Erträge.

Falls Zweifel über die ausreichende Pflanzenzahl bzw. Bestandesdichte bestehen, sollte die Anzahl der Pflanzen je m² ermittelt werden. Dazu müssen die Pflanzen an mehreren Stellen in repräsentativen Reihen auf 10 m Länge gezählt werden. Die Anzahl der Pflanzen geteilt durch 7,5 (7,5 m² bei 75 cm Reihenabstand) entspricht dann der aktuellen Bestandesdichte. Kritisch wird es, wenn in Abhängigkeit von Sorte und Standort deutlich weniger als 5 bis 6 Pflanzen/m² gezählt werden. Die Pflanzen sollten dabei gleichmäßig verteilt sein. Eine Neueinsaat will genau überlegt sein, denn die Zeit ist mittlerweile deutlich fortgeschritten. Höchsterträge dürften mit Saaten Anfang Juni kaum noch zu erzielen sein. Wenn neu gesät werden soll, zählt jetzt jeder Tag. Bei optimalen Auflaufbedingungen kann mit Auflaufzeiten von ca. 8 bis 10 Tagen gerechnet werden. Im Zweifelsfall kommt aber eher eine Nachsaat von z.B. 4 bis 5 Körnern/qm zwischen den Reihen in Betracht. Grundsätzlich sollten jetzt nur noch frühe Sorten bis maximal Reifezahl S 220 gesät werden. Nach- und durchgesäte Bestände oder Teilbereiche sind vornehmlich als Silomais zu nutzen.

Auch Verluste durch Vogelfraß

In der Regel auf Einzelschläge begrenzt oder in Teilbereichen sind Verluste durch Vogelfraß zu finden. Während Fasane meistens vom Feldrand ausgehend angreifen, sind Schäden durch Krähen und Dohlen eher mitten in den Schlägen zu finden. Das Ausmaß wird dann oft erst bei anstehenden Herbizidmaßnahmen wahrgenommen. Fasane hacken typischerweise bis zum 4. Laubblattstadium (BBCH 14) eine Reihe Jungpflanzen aus dem Boden und fressen das Maiskorn. Die Pflanzenreste verbleiben dabei in den entstandenen Löchern. Krähen und Tauben sind zur gleichen Zeit aktiv und reißen die Jungpflanzen aus dem Boden.

Im Gegensatz zu den witterungsbedingten Keimlingsausfällen sind von den Fraßschäden oft größere Bereiche betroffen - oft reihenweise. Wird hier neu gesät, ist zu befürchten, dass die jetzt nachgelegten Körner unter Umständen wieder bevorzugt von den Vögeln angegangen werden. Da es an Alternativen mangelt, können unter extremen Bedingungen auch durch den Einsatz einer Zusatzbeize wie Korit 420 oder Duvitt erneute Fraßschäden nicht verhindert werden. Kurzzeitig kann in Teilbereichen mit Vogelscheuchen oder Flugdrachen versucht werden, die Vögel fernzuhalten. Grundsätzlich ist alles zu unternehmen, dass der nachgelegte Mais zügig aufläuft und schneller wachsen kann als die Vögel fressen. Mit den höheren Temperaturen sollte diesbezüglich jetzt zumindest das Wetter mitspielen. Wo nachgelegt wird, ist eine erneute Bodenbearbeitung in der Regel nicht notwendig. Allerdings sollte das Unkraut beobachtet werden und Konkurrenz frühzeitig ausgeschaltet werden.