Bonn

Mehr als 1,3 Millionen Hektar Ökologische Vorrangflächen

Insgesamt gut 6 Prozent des Ackerlandes in Deutschland werden als Ökologische Vorrangfläche genutzt. Prof. Jessel meint aber, der derzeitige Zustand der Wiesen und Weiden sei „dramatisch“

Hierzulande haben die landwirtschaftlichen Betriebsinhaber im Jahr 2018 insgesamt 1,35 Mio ha als Ökologische Vorrangflächen (ÖVF) beantragt. Gegenüber dem Vorjahr war das ein geringfügiger Rückgang von 1,1 %.

Allerdings ergibt sich nach Anwendung der Gewichtungsfaktoren zur Berücksichtigung der unterschiedlichen ökologischen Wertigkeit eine um 1,6 % höhere gewichtete ÖVF von 711 300 ha gegenüber knapp 700 000 ha im Jahr 2017. Bezogen auf das in der Bodennutzungshaupterhebung ermittelte Ackerland von rund 11,7 Mio ha entsprach das für 2018 einem Anteil von 6,1 % desselbigen.

Mehr als halbiert hat sich laut der Bundesregierung der Umfang der Ökologischen Vorrangfläche mit stickstoffbindenden Pflanzen. Ursache hierfür dürfte das ab 2018 geltende EU-rechtliche Verbot der Anwendung von Pflanzenschutzmitteln bei dieser Kategorie sein. Infolgedessen hätten die Landwirte vermehrt von anderen Typen der ÖVF, insbesondere den brachliegenden Flächen und den Zwischenfrüchten beziehungsweise Untersaaten, sowie den 2018 erstmals verfügbaren Typen Miscanthus, Durchwachsene Silphie und für Honigpflanzen genutztes brachliegendes Land Gebrauch gemacht, heißt es.

Derweil kritisierte die agrarpolitische Sprecherin der Linksfraktion, Dr. Kirsten Tackmann, den Rückgang der Landwirtschaftsfläche mit hohem Naturwert. Damit verfehle die Bundesregierung ihre selbstgesteckten Ziele. In der Regel verfügten Agrarflächen mit hohem Naturwert über eine höhere Artenvielfalt und beherbergten seltenere und spezialisierte Pflanzen- und Tierarten.

Wert des Grünlandes verdeutlichen

Schleswig-Holstein kündigte unterdessen an, den „dramatischen Artenrückgang“ der Wildpflanzen im Grünland aufzuhalten. Nach den Worten der Präsidentin des Bundesamtes für Naturschutz (BfN), Prof. Beate Jessel, ist vor dem Hintergrund der enormen ökologischen Bedeutung des artenreichen Grünlands der derzeitige Zustand der Wiesen und Weiden „dramatisch“. Diese negative Entwicklung müsse umgekehrt werden, forderte Jessel. Dazu sei eine Neuausrichtung der Agrarpolitik hin zu einer naturverträglicheren Landwirtschaft notwendig. Daneben müsse auch in der Gesellschaft der Wert des Grünlands deutlicher ins Bewusstsein gebracht und mit engagierten Vorhaben wie „BlütenMeer 2020“ artenreiche Grünlandstandorte wiederhergestellt werden.