Insektensterben

NABU-Studie: 50 % der Direktzahlungen müssten in naturverträgliche Bewirtschaftung fließen

Eine Studie im Auftrag des NABU fordert ein Umdenken in der Agrarförderung. Die Hälfte der Direktzahlungen sollte an Maßnahmen zum Lebensraumschutz gebunden sein.

Das Artensterben kann gestoppt werden, wenn die EU-Agrarpolitik deutlich mehr Geld für den Naturschutz bereitstellt. Dies ist das Ergebnis einer Studie, die der NABU beim Institut für Agrarökologe und Biodiversität (ifab Mannheim) in Auftrag gegeben hat.

Die Agrarökologen kommen zu dem Schluss, dass 50 Prozent der Gelder, die Landwirte aktuell als Direktzahlungen pro Hektar von der EU erhalten, künftig in die konkrete naturverträgliche Bewirtschaftung von Lebensräumen fließen müssen. Nur so werden Feldlerchen und Wildbienen ausreichend Platz finden. Für Deutschland bedeutet dies einen Finanzbedarf von etwa 2,4 Milliarden Euro jährlich.

Der NABU fordert Bundesagrarministerin Julia Klöckner und ihre Kollegen in den Ländern auf, sich bei ihrem Treffen in Landau auf einen naturverträglicheren Kurs in der Agrarpolitik zu verständigen. Bereits kommende Woche müsse Klöckner dann ihre Pläne mit nach Luxemburg bringen, wie sie die EU-Agrarförderung nachhaltiger gestalten will. Bislang sei sie dazu jeden Vorschlag schuldig geblieben, so der Naturschutzverband.

„Nochmal zehn Jahre eine solch zerstörerische Agrarpolitik und Insektensterben können wir uns nicht erlauben. Wir brauchen jetzt einen Kurswechsel. Für Landwirte muss es sich lohnen, unsere Lebensgrundlagen zu schützen“, so NABU-Präsident Olaf Tschimpke. Er warnte die Agrarminister davor, Fehler zu wiederholen und Probleme auf die lange Bank zu schieben – wie bei der Düngeverordnung. Die Quittung komme in Form von teuren Vertragsverletzungsverfahren und wachsendem Unmut der Bevölkerung.

Vorschlag zur Umsetzung

Laut Studie sollte die EU-Kommission hocheffektive Maßnahmen auf mindestens 18 Prozent der Fläche im Ackerland und auf 28 Prozent der Wiesen und Weiden anbieten – zusammen genommen auf rund 3,5 Millionen Hektar in Deutschland. Darüber hinaus sollte der Ökolandbau auf 1,7 Millionen Hektar gefördert werden.

Konkret empfehlen die Studienautoren für das Ackerland, auf 15 Prozent der Fläche Extensivgetreide oder Lichtäcker anzulegen und diese mit 400 Euro pro Hektar zu fördern. Auf weiteren drei Prozent sollten über- oder mehrjährige Blüh- und Brachestreifen entstehen, für die ein Landwirt eine attraktive Förderung von bis zu 750 Euro pro Hektar erhalten kann. Im Grünland sollten artenreiche und extensiv bewirtschaftete Wiesen und Weiden sowie Streuobstwiesen mit 350 bis 500 Euro pro Hektar unterstützt werden. Der Ökolandbau sollte 300 Euro erhalten.

Insgesamt ergibt sich daraus ein Finanzbedarf von rund 2,4 Milliarden Euro pro Jahr für die Eco-Schemes. Dies entspricht rund der Hälfte der Gelder, die derzeit als Direktzahlungen nach Deutschland fließen. Darüber hinaus müsse verpflichtend sein, dass alle Landwirte, die von Direktzahlungen profitieren, Landschaftselemente wie Hecken, Pufferstreifen und Brachflächen erhalten oder neu anlegen. Sollten all diese Maßnahmen umgesetzt werden, könnte Deutschland seine Biodiversitätsziele in der Agrarlandschaft erreichen.

Der NABU sieht sich durch die Studienergebnisse in seiner Forderung bestätigt, dass im künftigen EU-Agrarhaushalt insgesamt mindestens 15 Milliarden Euro für den Naturschutz zur Verfügung stehen müssen und dass mindestens 50 Prozent der Ersten Säule dieses Ziel verfolgen. So könnten die ökonomisch, sozial wie ökologisch unsinnigen pauschalen Flächenprämien schnell in gute Anreize für mehr Umweltschutz umgewandelt werden.

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Artikel geschrieben von

Alfons Deter

Redakteur top agrar Online

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Diskussionen zum Artikel

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von Henrik Plaas-Beisemann

Nachsatz

Wenn man allerdings Naturschutz im Agrarbereich machen will, wie Sie reicht es es kaum aus, den Bauern das Geld aus der einen Tasche zu nehmen um es dann wieder gegen Auflagen anzubieten. Da muss man schon für mehr Geld im System kämpfen. Alles was mit Wende betitelt wird, ob Energiewende oder ihre Agrarwende kostet Geld. Wer also die Agrarwende will muss ein paar Milliarden in Deutschland zusätzlich bereitstellen, oder er treibt den Strukturwandel. Das wäre dann aber auch ehrlich zu kommunizieren. Dann muss der Nabu auch sagen: Die Agrarwende kostet die Existenz von vielen Höfen.

von Henrik Plaas-Beisemann

Anreize?

Lieber Nabu, vielleicht sollten Sie sich mal die Zahlungen der Programme der 2.Säule ansehen, das sind Zahlungen die ohne Anreizsystem gezahlt werden. Wenn man geringere Zahlungen ansetzt, kann man wohl kaum von Anreizen und „Naturschutz muss sich für Bauern lohnen“ sprechen.Abgesehen davon, haben Sie die Berechnung zur Höhe der nötigen Zahlungen aus dem eigenen FRANZ-Projekt vorliegen. Das ist der Maßstab, auf den wir uns verständigen sollten.

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