Nachhaltigkeitsziele setzen Landwirtschaft unter Anpassungsdruck

Die Kommission Landwirtschaft am Umweltbundesamt (UBA) fordert die Politik auf, Mindestanforderungen in Bezug auf Nachhaltigkeit an die Landwirtschaft zu definieren. Eine von Ertragssteigerung und Kostensenkung geprägte Landwirtschaft könne nicht nachhaltig sein. Gemeinwohlleistungen der Landwirtschaft sollen besser honoriert werden.

Grundlegende Anpassungen in Wirtschaft und Politik erfordern nach Auffassung der Kommission Landwirtschaft am Umweltbundesamt (KLU) eine konsequente Ausrichtung des Agrarsektors an Nachhaltigkeitszielen. „Eine allein von Ertragssteigerung und Kostensenkung geprägte Landwirtschaft sowie ein Markt, der im Wesentlichen auf preisgünstige Lebensmittel setzt, können nicht nachhaltig sein“ heißt es in einem Papier, das die Kommission unter Vorsitz des Agrarökonomen Prof. Alois Heißenhuber in der vergangenen Woche vorgelegt und zur Diskussion gestellt hat. Gleichzeitig müsse Nachhaltigkeit jedoch „in den jeweiligen politischen Kontexten und Verantwortungen“ ausgestaltet werden. Insbesondere die Politik müsse unter Einbeziehung der Beteiligten dafür Sorge tragen, „zukünftiges Landwirtschaften nachhaltig auszugestalten“.

Es gibt nicht die eine zukunftsfähige Landwirtschaft

Für das Expertengremium gibt es dabei nicht die eine zukunftsfähige Landwirtschaft. Vielmehr bestehe eine große Bandbreite an möglichen Ausprägungen, die allerdings jeweils Mindestanforderungen in Bezug auf Nachhaltigkeit genügen müssten. Der Politik komme die Aufgabe zu, diese Mindestanforderungen zu definieren und deren Einhaltung zu gewährleisten. In beiden Bereichen sieht die KLU derzeit politischen Handlungsbedarf. Dies gilt auch für die Notwendigkeit, ein Konzept zur Honorierung von Gemeinwohlleistungen der Landwirtschaft zu etablieren.

Der Ehrliche darf nicht der Dumme sein

Hart ging der KLU-Vorsitzende Heißenhuber mit der derzeitigen EU-Agrarpolitik ins Gericht. Sie verfehle weitgehend ihre Umweltziele und gerate auch durch ihre Verteilungswirkungen innerhalb der Landwirtschaft zunehmend unter Druck. Der frühere Inhaber des Lehrstuhls für Wirtschaftslehre des Landbaus in Weihenstephan stellte die einkommenssichernde Funktion der Direktzahlungen grundsätzlich in Frage. Die künftige Gemeinsame Agrarpolitik (GAP) müsse darauf ausgerichtet sein, Gemeinwohlleistungen der Landwirtschaft zu honorieren. Gleichzeitig habe der Staat die Aufgabe, Mindestanforderungen an die Betriebe festzulegen und dafür zu sorgen, dass die Regeln eingehalten werden. „Der Ehrliche darf nicht der Dumme sein“, so Heißenhuber.

Nur Kostenerstattung reicht nicht

Steffen Pingen vom Deutschen Bauernverband (DBV) warnte hingegen davor, die Einkommenswirkung der Direktzahlungen zu unterschätzen. Pingen teilt zugleich die von Seiten der Umweltverbände vorgebrachte Kritik an der vorgesehenen überproportionalen Kürzung der Zweiten Säule. Dringend erforderlich sei eine Anreizkomponente in den Agrarumweltmaßnahmen. „Nur von Kostenerstattung im Naturschutz können die Betriebe nicht existieren“, betonte Pingen.

Digitalisierung stärker politisch steuern

Die KLU spricht sich in ihrem Papier für eine stärkere politische Steuerung der Digitalisierung in der Landwirtschaft aus. Gewarnt wird davor, den Prozess „einfach laufen zu lassen“. Stattdessen sei die Politik gefordert, der digitalen Transformation in der Landwirtschaft „eine klare Richtung hin zu diversifizierten Landwirtschafts- und Ernährungssystemen“ zu geben und dafür eindeutige ökologische und soziale Regeln aufzustellen.

Nährstoffeffizienz erhöhen

Zu den Handlungsfeldern auf dem Weg zu einer zukunftsfähigen und nachhaltigen Landwirtschaft zählt die Kommission auch das Nährstoffmanagement. Notwendig sei es, die Nährstoffeffizienz zu erhöhen und die Gesamtzufuhr an organischen und mineralischen Nährstoffen noch besser an den Pflanzenbedarf anzupassen und gegebenenfalls zu reduzieren. Gefordert wird unter anderem, einen Strukturwandel zur Flächenbindung der Tierhaltung einzuleiten und das Düngerecht nachzubessern.

Nachhaltigkeit in Handelsabkommen aufnehmen

Eine differenzierte Analyse erfordert den Experten zufolge der internationale Agrarhandel. Mögliche Probleme wie ökologische und soziale Produktionsbedingungen überseeischer Futtermittel oder die Beeinträchtigung lokaler Märkte in Entwicklungsländern durch Agrarexporte dürften nicht außer Acht bleiben. Zu den KLU-Vorschlägen zählen eine Förderung regionaler Konzepte, der Import zertifizierter Erzeugnisse sowie die Aufnahme von Nachhaltigkeitsaspekten in Handelsabkommen.

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Stefanie Awater-Esper

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Diskussionen zum Artikel

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von Wilhelm Grimm

Was ist los, ihr TA-Experten.

Warum haut ihr meinen kritischen Kommentar in die Tonne?

von Renke Renken

Nachhaltig, was ist das?

Herr Heuser vom Milchindustrieverband hat uns kürzlich erklärt, das müssen wir machen, weil die aufnehmende Hand unserer Produkte hierzu Bedingungen und Kriterien aufstellt, die wir erfüllen müssen. D produziert 34 Mrd kg Milch, 16 Mrd kg Milchäquivalent werden exportiert, 14 Mrd. kg importiert - in unserem Globalisierungswahn transpotieren wir mit Schiff, Flugzeug und LKW alles um die Welt, und der MIV erwartet von uns Nachhaltigkeitskriterien, damit wir uns von der Masse abheben. So viel dazu. Halbwegs nachhaltig ist in meinen Augen, wenn mit einer Milchquote bei dauerhaft vernünftigen Erlösen eine fgestgestzte Menge Milch pro Betrieb produziert werden kann. Nur so ist gewährleistet, daß man mit dem geringsmöglichen Input an Betriebsmitteln versucht den maximalemn Erfolg zu erwirtschaften, zur Zeit haut jeder rein was geht um die Menge zu steigern, die dann am Markt keiner braucht. Und wenn Geld verdient wird, die Menge festgelegt ist, dann werden Landwirte schon in Tierwohl, Nachhaltigkeit und Resourcenschonung investieren. In diesem System der Globalisierung, und jeder kämpft gegen jeden um Marktanteile gibt es nur einen Gewinner, und das sind die Händler, Börsenmakler und sonstigen Profiteure des Welthandels, aber nie derjenige, der das Produkt erzeugt oder herstellt.

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Aussenhandel

würgt jede Diskussion ab. Die europäischen Erzeugerpreise haben sich den Weltmarktpreisen angepasst. Kostenreduzierung muss auf den Betrieben statt finden, sonst rutscht er in die Insolvenz.

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