Düngetipps

Nährstoffversorgung – für den Raps wird es eng!

Die neue DüV erschwert beim Raps die wichtige Herbstdüngung sowie eine frühe Andüngung zu Vegetationsbeginn. Daher wird es besonders schwierig, eine ertragssichernde Nährstoffversorgung zu realisieren

Unser Autor: Dr. Ulrich Lehrke, LWK Niedersachsen

Die Rapserträge der letzten Ernte haben zum ersten Mal seit mehreren Jahren wieder überzeugen können. Dadurch ist die Anbaufläche in Deutschland zur Herbstaussaat wieder leicht angestiegen. Allerdings zählt Raps zu den Kulturen, die von der Verschärfung der Düngeverordnung (DüV) am stärksten betroffen sind. Daher müssen ackerbaulich alle Register gezogen werden, um gewohnte Erträge generieren zu können.

DüV knebelt den Rapsanbau

Der aktuelle Bedarfswert für Raps von 200 kg/ha Stickstoff (N) entspricht zwar dem alten Sollwert, früher waren jedoch in schwachen Beständen sowie auf Sand- und Marschstandorten Zuschläge von 20 bis 40 kg N/ha möglich. Die N-Versorgung ist daher eng bemessen. Eine zugestandene Abweichung vom Bedarfswert ist nur bei wenigen extremen Wetterlagen zu erwarten.

Neu ist zudem, dass mit der Novellierung jetzt auch der im Herbst gedüngte Stickstoff vom Bedarfswert im Frühjahr abzuziehen ist. Dies wird vor allem bei schwach entwickelten Beständen zu Ertragsverlusten führen. Mit der Pflicht, die Düngung um 20% in den roten Gebieten zu mindern, drohen darüber hinaus hohe Ertragseinbußen, sodass der Rapsanbau auf vielen Standorten auf der Kippe steht.

Nur wenn es gelingt, Stickstoff von anderen Kulturen – wie z.B. von Zuckerrüben – auf den Raps zu verschieben, wird es möglich sein, ein adäquates Ertragsniveau zu erzielen. Weitere Anpassungsschritte der Anbausysteme werden aber nötig sein, um den Rapsanbau in roten Gebieten zu halten.

Auch beim Einsatz von organischen Düngern gibt es ab 2021 eine Verschärfung. Grundsätzlich ist es nun verboten, N-haltige Dünger auf Frost auszubringen. Diese strengere Auslegung der Aufnahmefähigkeit der Böden wird, je nach Witterung, dazu führen, dass eine organische Düngung häufig infrage zu stellen ist. Insbesondere wenn auf schweren, nassen Böden eine Düngung erst ab Ende März möglich wird, lässt sich die von der DüV geforderte N-Mindestwirksamkeit häufig nicht erzielen. Die seit der jüngsten Novellierung geforderte 60%ige N-Anrechenbarkeit bei flüssigen Gärresten und bei Rindergülle sowie die 70%ige Wirkung bei Schweinegülle sind ohnehin beim Raps kaum zu erreichen.

Da ein zusätzlicher mineralischer Ausgleich nicht mehr möglich ist, wird sich auch diese Regelung auf die Erträge auswirken.

Bedarfsermittlung steht am Anfang

Vor der Düngung ist der aktuelle Bedarf festzustellen. Dies muss für jeden Schlag oder Bewirtschaftungseinheit erfolgen. In Übersicht 1 ist dies beispielhaft aufgeführt.

Folgende Schritte sind zu beachten:

  • Der Bedarfswert beträgt 200 kg N/ha. Anhand des fünfjährigen betrieblichen Ertragsdurchschnittes können Sie Zu- oder Abschläge vornehmen. Der Basisertrag liegt bei 40 dt/ha (je 5 dt/ha Mehrertrag + 10 kg/ha; je 5 dt/ha Minderertrag - 15 kg/ha).

  • Danach ist der Nmin-Gehalt (0 bis 90 cm) abzuziehen. Hier kann der Landwirt zwischen den Richtwerten der Düngebehörde oder eigenen Untersuchungen wählen. Solange vor der Düngung keine aktuellen Werte vorliegen, ist der fünfjährige Richtwert heranzuziehen.

  • Auf Standorten mit mehr als 4% Humus ist darüber hinaus ein Abschlag von 20 kg/ha vorzunehmen.

  • Ist im Vorjahr zur Hauptfrucht organischer Dünger gefallen, sind davon 10% vom Gesamt-N anzurechnen.

  • Zusätzlich ist der Bedarfswert um die Herbstdüngung zu reduzieren. Eine mineralische Herbstdüngung ist zu 100%, eine organische Herbstdüngung in Höhe des verfügbaren Stickstoffes abzuziehen. Der verfügbare Stickstoff ist die Summe des Ammonium-N im Wirtschaftsdünger.

An dem Beispiel in der Übersicht oben wird deutlich, dass die mögliche N-Zufuhr nach einer Herbstdüngung nur noch 135 kg N/ha beträgt. Zuzüglich Nmin liegt das N-Angebot dann bei 160 kg/ha. Ohne Herbstdüngung ist eine N-Gabe von 165 kg/ha möglich (N-Angebot inkl. Nmin 190 kg/ha).

In den roten Gebieten drohen bei einer möglichen N-Zufuhr von nur noch 108 kg N/ha nach einer Herbstdüngung (N-Angebot 133 kg/ha inkl. Nmin) bzw. 132 kg/ha ohne Herbstdüngung (N-Angebot 157 kg/ha inkl. Nmin) wesentliche Ertragsverluste.

Versuche zur reduzierten N-Düngung

Welche Folgen eine eingeschränkte N-Düngung auf die Erträge hat, lässt sich anhand von Versuchsergebnissen ableiten. In Übersicht 2 sind Rapserträge aus dreijährigen Düngeversuchen eines Lehmstandortes in Südniedersachsen dargestellt. Die Düngung ist dabei als N-Angebot einschließlich Nmin abgebildet.

Die Ergebnisse: Der optimale Ertrag wird auf diesem gut...


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