DSV

Nie wieder Gelbverzwergung: Erste resistente mehrzeilige Wintergerste verfügbar

Das Gelbverzwergungsvirus ist eine der ökonomisch bedeutendsten Krankheiten im Getreidebau. Bisher konnte ihm nur chemisch oder durch beschränkte ackerbauliche Maßnahmen begegnet werden. Bis jetzt...

Das Gelbverzwergungsvirus (Barley Yellow Dwarf Virus, BYDV) ist eines der am weitesten verbreiteten Pflanzenviren. In den letzten Jahren traten im praktischen Gerstenanbau vermehrt Schäden durch die Infektion auf. Die Übertragung des Virus erfolgt durch Blattläuse bereits im Herbst. Der Befall ist regional unterschiedlich stark ausgeprägt, führt jedoch stets zu erheblichen Schädigungen der Bestände (Zwergwuchs) bis hin zum kostspieligen Umbruch der Flächen und Neuansaat einer Alternativkultur. Wirtspflanzen sind neben der Gerste alle weiteren Süßgräser, wie z. B. Hafer, Weizen, Triticale, Roggen, Mais, auch Grasarten wie Weidelgräser.

Bekämpfung bisher nur eingeschränkt und kostspielig möglich

Im Moment stützt sich die Bekämpfung von BYDV in der Praxis hauptsächlich auf die chemische Kontrolle der Virusvektoren. Ergänzende ackerbauliche Maßnahmen sind die gezielte Bekämpfung von Ausfallgetreide als mögliche Virusquelle sowie spätere Aussaattermine im Herbst, um einen hohen Infektionsdruck auf die Jungpflanze zu vermeiden. Pflanzenschutzmaßnahmen wie auch produktionstechnische Strategien sind jedoch teilweise aus witterungstechnischen oder aber auch betriebswirtschaftlichen Gründen nicht immer erfolgreich durchzuführen.

Da insektizide Beizen nicht mehr zugelassen sind, erfolgt zur Zeit der Schutz vor Blattläusen durch mehrmaliges Spritzen über die warmen Herbstwochen. Das kann das Portemonnaie um einige Euros leichter machen und wirkt häufig nicht zuverlässig.

Die DSV weist daher auf ihre neue Sorte PARADIES hin. Diese resistente mehrzeilige (mz) Wintergerste ist die erste zugelassene mehrzeilige Wintergerstensorte mit Verzwergungsvirusresistenz (BYDV-Resistenz) in Deutschland, so das Lippstädter Unternehmen. Sie stammt aus der Getreidezüchtung der DSV in Leutewitz. PARADIES soll einen risikolosen und kostengünstigen Anbau von Wintergerste bei früheren Saatterminen und milden Herbsten mit Blattlausflug ermöglichen.

„Die Resistenzzüchtung ist die Grundlage zukünftiger Pflanzenschutzstrategien,“ meint der Züchter der DSV, Dr. Jens Vaupel. „Sie trägt zur Gewährleistung einer nachhaltigen, umwelt- und verbraucherfreundlichen Pflanzenproduktion bei. PARADIES ist nur der Auftakt zu einem ganzen Portfolio resistenter Sorten, die Erträge absichern. Weitere befinden sich in der Pipeline, so z.B. eine Sorte mit kombinierter BYDV- und Gelbmosaikvirus-Resistenz".

Laut DSV zeichnet sich PARADIES bei mittellangem Wuchs durch eine gute Strohstabilität bei mittlerer Reife aus. Sie gehört zu den gesündesten Sorten im Wintergerstenbereich. Mit der APS 3 bei Zwergrost habe sie zudem die beste vergebene Einstufung im Mehrzeilersegment und weist auch gegenüber Mehltau eine hohe Resistenz auf (APS 3).

Zu Ramularia und zu undefinierten Blattflecken gibt es keine offizielle Einstufung, offizielle Bonituren weisen allerdings auch hier auf eine gute Resistenz hin. Ertraglich zeige Paradies hohe unbehandelte Erträge, welche nochmals ihre gute Krankheitsresistenz unterstreichen. Als Korndichtetyp weist sie zudem höhere Kornzahlen je Ähre bei mittleren TKGs auf. Das behandelte Ertragspotenzial von Paradies ist mittel bis hoch.

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Artikel geschrieben von

Alfons Deter

Redakteur top agrar Online

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