Vorschlag an Ministerin

Niedersachsen: Bauern wollen trotz EU-Vorgaben im Winter pflügen

Die Freien Bauern hoffen auf praktikable Ausnahmen bei der Pflicht zur Bodenbedeckung, zum Fruchtwechsel und zur Behandlung der nichtproduktiven Flächen.

Die Interessenvertretung "Freie Bauern" Niedersachsen hat in einem Schreiben an Landwirtschaftsministerin Barbara Otte-Kinast Vorschläge gemacht, wie durch Nutzung von auf Landesebene bestehenden Spielräumen die gröbsten Fehler der europäischen Agrarpolitik (GAP) abgemildert werden können.

„Wir brauchen praktikable Ausnahmen bei der Pflicht zur Bodenbedeckung, zum Fruchtwechsel und zur Behandlung der nichtproduktiven Flächen“, wünscht sich Christian Linne, Mitglied der Landesvertretung der Freien Bauern. „Da wir beim Bund nur zögerliche Zugeständnisse an die veränderte Versorgungslage wahrnehmen, sehen wir im Agieren der Bundesländer momentan die einzige Chance, die GAP zumindest in den Teilbereichen zu korrigieren, die besonders deutlich der guten fachlichen Praxis widersprechen.“

Pauschale Pflicht ist bürokratischer Nonsens

Nach dem Willen der Gruppe soll es in Niedersachsen weiter möglich sein, schwere Böden alle drei Jahre auch im Winter zu bearbeiten. „Durch die Winterfurche sparen wir Diesel und Pflanzenschutzmittel und halten das Wasser im Boden“, argumentiert Linne und verweist darauf, dass die winterliche Bodenbedeckung auf leichten Standorten, die jederzeit bearbeitet werden können, durchaus sinnvoll sei: „Nur eben die pauschale Pflicht ist bürokratischer Nonsens.“

Mehr Flexibilität fordert der 49-jährige Ackerbauer aus Sottmar im Braunschweiger Land auch für den Fruchtwechsel – so soll unter bestimmten Voraussetzungen ein Drittel der Vorjahresfläche mit derselben Frucht bebaut werden dürfen, zum Beispiel wenn die Witterungsverhältnisse es nahe legen. Und für die in der GAP vorgeschriebenen nichtproduktiven Flächen verlangt Linne die Möglichkeit, diese mit Gras einzusäen statt sie verunkrauten zu lassen: „Wenn wir das Land in guter Kultur halten können, brauchen wir auch hier später weniger Pflanzenschutz.“

Weitere Landesgruppen der Freien Bauern sind ebenfalls mit ihren Landwirtschaftsministerien im Gespräch über diese Vorschläge. Entsprechende Schreiben sind auch für Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern in Vorbereitung. Linne: „Wir hoffen, dass durch das Engagement der Bundesländer etwas mehr Vernunft einkehrt in die europäische Agrarpolitik, obwohl deren Ausrichtung auf Stillegung und Extensivierung natürlich im Grundsatz unvernünftig bleibt.“


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