Kommende Dürre

Niedersachsen gibt Brachen für Futterzwecke frei

Der aktuelle Wetterbericht lässt nichts Gutes erwarten: Es drohen Wochen mit Hitze und Trockenheit. Nun hat auch Niedersachsen die Ökologischen Vorrangflächen zur Nutzung freigegeben.

Hitze und Trockenheit lassen das Futter knapp werden. Auf vielen Höfen gibt es aufgrund des Dürrejahres 2018 kaum Reserven. Das Niedersächsische Landwirtschaftsministerium hat daher am Dienstag entschlossen, dem drohenden Engpass zu begegnen.

Ab sofort können Landwirte in Niedersachsen und Bremen die Brachflächen bzw. die ökologischen Vorrangflächen (öVF) unter bestimmten Voraussetzungen zu Futterzwecken nutzen. Die Ausnahmeregelung betrifft etwa 7.000 Betriebe mit rund 23.500 Hektar öVF-Brachen. Entsprechende Anträge können jetzt bei den Bewilligungsstellen der Landwirtschaftskammer Niedersachsen gestellt werden. Das Formular befindet sich auf der Internetseite www.lwk-niedersachsen.de unter dem Webcode: 01035612.

Im Antrag sind u.a. die Flächen zu benennen, die genutzt werden sollen, sowie die Art der Nutzung und die Hintergründe des Futtermangels. Eine Nutzung ohne Genehmigung bleibt ein Greening-Verstoß. Die Nutzung ist auf Futterzwecke beschränkt. Eine andere Verwendung, z. B. in einer Biogasanlage, ist nicht zulässig.

Die Nutzung umfasst die maschinelle Ernte wie auch die Beweidung von Brache als öVF mit dem Nutzungscode 062 (Brache ohne Erzeugung). Das heißt, Bearbeitungsschritte darüber hinaus oder eine Aussaat sind nicht erlaubt und auch die anderen Vorgaben für öVF, z. B. bezüglich Düngung und Pflanzenschutz, gelten weiterhin.

In gleichem Maße genutzt werden können ab dem 1. Juli von jeher öVF mit den Nutzungscodes 057/058 (Feldränder/Pufferstreifen - Ackerland und Grünland) und 054 (Streifen am Waldrand). Die Regelung bezieht sich nur auf das Entfernen des vorhandenen Aufwuchses. Die Nutzung darf nicht kommerzieller Art sein. Folglich ist ein Verkauf des Aufwuchses nicht erlaubt, die kostenlose Abgabe an von der Trockenheit betroffene Betriebe, die ebenfalls EU-Agrarzahlungen beantragen, ist aber gestattet.

Die Möglichkeit der Nutzung des Aufwuchses gilt nicht für Honigbrachen mit dem Nutzungscode 065/066 und auch nicht für ein- oder mehrjährige Blühstreifen oder -flächen im Rahmen einer Agrarumwelt- und Klimamaßnahme (Nutzungscode 574 und 575).

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Alfons Deter

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Diskussionen zum Artikel

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von Steffen Harms Harms GbR

Ich mus

auch zusehen dass wir unsere Tiere satt bekommen.Wir können aber nicht auf zusätzliche Brachflächen zurück greifen weil wir unser Greening erfüllen (75%grünlang). Anstatt hier zu sinnlos diskutieren ob Bio oder Konventionelle Landwirtschaft besser ist, sollte mal lieber den Ansatz überlegen das diese DÄMLICHE Antragsstellerei reduziert wird . Wir Landwirte sind in sorge die Tiere satt zu bekommen,aber Hauptsache die hinterm Schreibtisch sitzen haben Arbeit.Damit meine ich auch das Umbruch Verbot lockern ,eine neue Narbe kann Trockenheit minimal besser ab als eine ältere, aber das haben wir ja Herr Maier zu verdanken.

von Gerhard Steffek

@Herr Ilchmann -

sie können sich daran stoßen, aber Tatsache ist doch die, daß ausgerechnet die Grünen diesesSpielchen mit Vorliebe spielen. Wie laut schreien sie es doch immer hinaus, daß "ihre Biolandwirtschaft" erheblich besser dastehen würde. Nach meinen Erfahrungen ist das aber nicht so und wer ein bißchen Hirn hat und dies richtig anzuwenden weiß kommt auch zu dem Schluß. // Mit dieser Auschlüsselung gäbe es dann wenigstens belastbares Material. Schwarz auf Weiß wodurch sich die Grünen nicht so leicht herauswinden könnten. Daß sie das versuchen werden ist absehbar wie das Amen in der Kirche, aber es wird nicht mehr so leicht gehen. // Gab es nicht voriges Jahr die schlaue Erkenntnis das ein dichter Getreidebestand besser mit der Trockenheit zurecht kommt wie ein dünner? Wenn ich im Grünland vom ersten Schnitt mehr wegbekomme als mein "Bionachbar", wer tut sich dann bei den folgenden leichter? Die meisten Biobauern haben keinen Mais, aber gerade der kann mir ev. auch noch etwas die Futterrationen entzerren. // Es gibt viele Dinge die man hier anführen kann. Man muß halt nur ehrlich sein wollen. Das Problem das die heutige moderne Landwirtschaft im Grunde hat, ist deren Erfolg. Sie ist zu erfolgreich und wird gerade deswegen nicht mehr geachtet weil der Mensch derzeit leben kann wie die Made im Speck. Dies dann leider auch ausgiebig tut und dabei vergißt wem er das zu verdanken hat.

von Ottmar Ilchmann

Wirkliche Lösungen suchen!

Die Verfütterung des Aufwuchses der ökologischen Vorrangflächen ist eine reine Alimaßnahme. Der Futterwert ist gering, gerade für Milchkühe eher ungeeignet. Was wirklich erwas bringen würde, das wäre die Möglichkeit für die Bauern, ihre Mehrkosten, den Aufwand und die geringeren Erlöse infolge der Trockenheit an die Abnehmer weiterzugeben. In jeder anderen Branche außer der Landwirtschaft würde das genau so funktionieren. Wir hoffen jetzt seit letztem Sommer vergeblich auf die Einpreisung unserer Verluste aus der letzten Dürre, und nun kommt schon die nächste.

von Ottmar Ilchmann

@Steffek

Ich finde es erbärmlich, die Nöte der Tierhalter mit der Trockenheit zu nutzen, um die verschiedenen Bewirtschaftungsformen gegeneinander auszuspielen. Es werden wohl alle, biologisch wie konventionell, unter der Dürre leiden.

von Gerhard Steffek

Interessant wäre -

dann eine Aufschlüsselung der Flächen. Hier würde mich interessieren welche Betriebe diese Anträge stellen. Bio oder Konventionell? Daß ist dann die Frage. Damit könnte man auch die Frage beantworten wer besser mit der Dürresituation zurecht kommt. Ich habe für meinen Teil die Erfahrung gemacht, daß es die Biobetriebe stärker erwischt. Aber es kann ja nicht sein was in den Augen unserer Ideologen nicht sein darf.

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