Gülledüngung

Nitrat im Grundwasser: Verärgerung über Klage der Deutschen Umwelthilfe

Der Verein Deutsche Umwelthilfe meint, dass die Politik bei der Einhaltung des zulässigen Nitrat-Grenzwerts von 50 mg/l im Grundwasser versagt hat. Bauernverband und Politiker reagieren verärgert.

Aus Sicht der Deutschen Umwelthilfe (DUH) und des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) wird in Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen der Nitratgehalt im Grundwasser durch zuviel Gülle überschritten. Die Böden könnten die hohen Stickstoffeinträge nicht mehr aufnehmen, so die Umweltschützer. Sie haben daher Klage beim Niedersächsischen Oberverwaltungsgericht in Lüneburg gegen das Land Niedersachsen und das Land Nordrhein-Westfalenc eingereicht - wir berichteten. Hier einige Reaktionen:

RLV: Umwelthilfe konnte nicht abwarten

Bernhard Conzen

Bernhard Conzen ist verärgert (Bildquelle: Deter)

Als völlig unverständlich stuft der Rheinische Landwirtschafts-Verband (RLV) die Klage ein. Statt bereits auf die Wege gebrachte Maßnahmen zu wertschätzen und deren Auswirkungen abzuwarten, fordere die Umwelthilfe, ein „effektives Maßnahmenprogramm zum Schutz des Grundwassers“ vorzulegen.

„Genau das ist 2017 passiert, als die Düngevorgaben bereits massiv verschärft wurden“, erklärt RLV-Präsident Bernhard Conzen. Auch das Land NRW habe 2018 mit eigenen Landesvorschriften seine Hausaufgaben gemacht. „Wir haben das Problem längst erkannt und gehen es gemeinsam mit der Politik an.“

Schnelle Erfolge zu erwarten, zeuge von wirklichkeitsfremden Vorstellungen. Die Umsetzung von Stoffen im Boden sei ein dynamischer Prozess und bis Resultate sichtbar seien, könnten je nach Bodenbeschaffenheit Jahre vergehen. „Gerade werden bereits auf Druck der EU weitere Verschärfungen beschlossen, sehr zur Sorge der Landwirte. Dass die DUH ausgerechnet jetzt noch die Bundesländer NRW und Niedersachsen verklagt, ist in diesem Zusammenhang absolut sinnfrei und zeigt, dass man in Sachen Gewässerschutz nicht an einem Strang zieht“, so Conzen weiter.

Der 2018 veröffentlichte Nährstoffbericht der Landwirtschaftskammer NRW zeige, dass die Bauern bei der Ausbringung von Wirtschaftsdüngern die Vorschriften einhalten und in den letzten Jahren erkennbare Fortschritte erzielt wurden. Dass die neue Düngeverordnung bereits wirke, so Conzen, komme auch beim Einsatz von Mineraldüngern zum Ausdruck, der deutlich zurückgehe.

„Wir müssen noch besser werden und das ist uns bewusst. Nicht ohne Grund gibt es in NRW viele freiwillige Wasserkooperationen, in denen mehr als 11 000 Landwirte aktiv sind und gute Resultate erzielen.“ Überall im Rheinland sieht man momentan zudem Stickstoff reduzierende Zwischenfrüchte, wie den gelb blühenden Senf. „Landwirte sind aktiv für den Gewässerschutz im Einsatz, denn eins gilt sicher: Unser Boden ist unser wichtigstes Gut“, so der RLV-Präsident abschließend.

Heinen-Esser äußert „absolutes Unverständnis“

Ursula Heinen-Esser

Ursula Heinen-Esser (Bildquelle: Twitter @HeinenUlla)

Das Land Nordrhein-Westfalen teilte unterdessen mit, man halte die Klage für nicht zielführend und kontraproduktiv. In Düsseldorf ist man besorgt, dass ein Klageverfahren in der aktuellen Phase die Umsetzung zahlreicher Maßnahmen zur Senkung der Nitratwerte im Grundwasser ausbremsen könnte.

"Die Klage der Deutschen Umwelthilfe stößt bei mir auf absolutes Unverständnis. Es besteht kein Zweifel daran, dass die in einigen Regionen bestehenden Grundwasserbelastungen zurückzuführen sind. Aber wir arbeiten seit Monaten mit dem Bund und der Europäischen Kommission an Maßnahmen, die zu einer Einhaltung der Nitratwerte in den besonders belasteten roten Gebieten führen. Uns ist der Ernst der Lage bewusst. Dafür benötigen wir keine zusätzliche Klage", sagte Umweltministerin Ursula Heinen-Esser.

Die Nitratbelastung des Grundwassers sei insgesamt erfreulicherweise rückläufig. Aber es gebe nach wie vor Gebiete, in denen die Nitratgrenzwerte im Grundwasser deutlich überschritten werden. "Dort müssen wir alles Erforderliche tun, das Grundwasser zu schützen und gleichzeitig die Landwirte bei den enormen Herausforderungen in ihrem Engagement unterstützen. Das ist und bleibt unser ambitioniertes Ziel und hierfür benötigen wir praktikable Lösungen", sagte Ministerin Heinen-Esser.

Die Belastungssituation und Verteilung ist ihren Informationen nach regional sehr unterschiedlich. Vor diesem Hintergrund seien im Rahmen der Verhandlungen über weitere Verschärfungen der Düngeregeln Lösungsansätze mit einer stärkeren Flexibilisierung erforderlich. Zudem gelte es, noch stärker als bisher, in Nährstoffkreisläufen zu denken, um Wirtschaftsdünger umweltverträglich und zugleich wirtschaftlich zu nutzen. Indem Nährstoffe aus Gülle, Mist und Ernterückständen speicher- und transportfähig gemacht werden, könnten sie überregional verwertet und gezielt eingesetzt werden.

Ministerin Heinen-Esser: "Ich verstehe die Sorgen der Landwirte angesichts drohender zusätzlicher Düngeanforderungen. Während die Umstellungen mit der neuen Düngeverordnung noch in vollem Gange sind, soll es weitere Verschärfungen geben. Deshalb müssen wir alles tun, das Grundwasser zu schützen und den Landwirten zugleich unter die Arme zu greifen, damit sie die aktuelle Situation meistern können."

Lies hält Klage für unnötig

Auch Niedersachsens Umweltminister Olaf Lies hat mit Unverständnis auf die gemeinsame Klage reagiert. Er bezeichnete das Vorgehen der beiden Verbände als „völlig unnötig und wenig hilfreich“. „Wir haben ein Problem mit Nitratbelastung, aber wir handeln längst", betonte Lies und verweis auf die geltende Düngeverordnung für Niedersachsen.

Zugleich erklärte der SPD-Politiker, er werde die Klage „sorgfältig bewerten“.„Zudem stehen wir in engem Kontakt mit dem Nachbarland Nordrhein-Westfalen, das ebenfalls beklagt wird, dem Bund und den EU-Behörden, um die Nitrat-Problematik noch schneller und besser in den Griff zu bekommen“, führte der Umweltminister aus. In Niedersachsen gebe es dazu eine ganz enge Abstimmung mit den beiden hauptsächlich beteiligten Ministerien für Umwelt und Landwirtschaft.


Mehr zu dem Thema

Die Redaktion empfiehlt

Wegen zu hoher Nitratwerte im Ems-Gebiet hat die Umwelthilfe Klage gegen Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen eingereicht. Umweltministerin Schulze sieht bei der Düngeverordnung die EU am Zug.


Diskussionen zum Artikel

von Rudolf Rößle

Andere Berufszweige

können sich freuen, da sie nach der Landwirtschaft dran sind. Mikropartikel, Weichmacher, Chemie in Baustoffen und Treibstoffen usw.usw.

von Willy Toft

Die Landwirte hätten viel mehr Grund zur Klage, oder schließt sich der BV an?

Hier werden Tatsachen verdreht und die Landwirtschaft verunglimpft, jeder Landwirt möchte das aufgeklärt wissen. Diese Mutmaßungen die Landwirtschaft bewirtschaftet die größte Fläche, also hat sie Automatisch schuld, damit muss dann auch mal aufgeräumt werden! Der Vergleich, dass ... mehr anzeigen

von Hermann Freese

Steinle

Warum ..nicht? Ganz einfach: alle fragen immer, warum keiner klagt aber keiner macht es selber. Die Anderen solln`s machen ;)

von Oswald Steinle

Warum verklagen die Landwirte nicht das BMU weil :

es Aufgrund von nicht Bewiesenen Aussagen und Halbwahrheiten (wo ist das den BEWIESEN das die hohen Nitratwerte ausschließlich aus der Landwirtschaft kommen, ganz zu schweigen von dem falsch angelegten Messnetz dieser Brunnen) die Wirtschaftsweise einer oder mehreren Berufsgruppen ... mehr anzeigen

von Heinrich-Bernhard Muenzebrock

Deutsche Umwelthilfe

Dieser Verein wird von NGO`s und Lobbyisten der erneuerbaren Energien und Umweltverbände getragen und gesteuert. Sie sind gegen alles was uns lieb und teuer ist und uns den Wohlstand gebracht hat und erhält. Für sie steht das Medieninteresse im Vordergrund. Sie wissen, dass sie den ... mehr anzeigen

von Gregor Grosse-Kock

Der DBV

Hat ein Problem dem Nachzugehen, und das nicht nur bei diesem Thema, sondern bei vielen Anderen auch, so entsteht doch erst der Rufmord und der Populismus mit den Doktrinen gegen uns Landwirte! Wir der Einzelne mag an vielem Schuld sein, aber unsere politische Vertretung hat ein ... mehr anzeigen

von Renke Renken

Dieser Staat

kommt scheinbar erst zur Vernunft , wenn Chaos und Hunger herrscht. Beidem nähern wir uns scheinbar mit großen Schritten-

von Wilhelm Grimm

Hamgurgs Umweltminister Kerstan

hat sich während der Umweltministerkonferenz am 14.11.20019 über die Bauern wegen des angeblich schlechten Hamburger Grundwassers beschwert. Aber das in Hamburg geförderte Grundwasser ist sehr gut. Wenn die Umweltministerien in Deutschland die Bevölkerung falsch informieren, haben ... mehr anzeigen

von Wilhelm Grimm

Der Bauernverband hat es noch nicht einmal geschafft,

von den Ministerien seriöse Grundwasserwerte zu bekommen. Erst dann können wir uns ein Urteil erlauben.

von Wilhelm Grimm

Lasst die doch klagen !!!

Dann muss alles auf den Tisch !!!

Diskutieren Sie mit

Tragen Sie mit Ihrem Beitrag zur Meinungsbildung zu diesem Artikel bei.

Sie müssen sich anmelden um Kommentare zu bewerten

Abbrechen

Sie haben noch kein Benutzerkonto?

Benutzerkonto erstellen

Kommentar melden

Abbrechen

Sie haben noch kein Benutzerkonto?

Benutzerkonto erstellen

Auf Kommentar antworten

Abbrechen

Sie haben noch kein Benutzerkonto?

Benutzerkonto erstellen