Interview

Nitratmessstellen: Niedersächsisches Umweltministerium kritisiert Gutachten

Das von Landvolkverbänden in Auftrag gegebene Gutachten offenbarte Mängel an den Nitratmessstellen und der Ausweisung der roten Gebieten. Das Umweltministerium fühlt sich zu unrecht kritisiert.

Der Hintergrund: Die von mehreren niedersächsischen Kreislandvolkverbänden in Auftrag gegebene Evaluierung hat den Zustand von 648 der insgesamt 1085 Messstellen des niedersächsischen Wasserrahmenrichtlinien-Messnetzes (WRRL-Messnetz) sowie die Zustandseinstufung von 41 der insgesamt 123 Grundwasserkörper hinsichtlich der Nitratbelastung für das Bezugsjahr 2015 untersucht und bewertet. Das Gutachten kommt zu dem Schluss, dass gravierende fachliche Mängel sowohl an den Messstellen als auch an der Ausweisung der roten Gebiete vorliegen (topagrar berichtete). top agrar fragte beim Niedersächsischen Umweltminister Olaf Lies nach.

Laut Gutachten weisen 97 % der 648 untersuchten Messstellen Mängel auf, 39 % sogar so gravierende, dass von den erhobenen Daten kein belastbarer Rückschluss auf die tatsächliche Nitratkonzentration im Grundwasserleiter vorgenommen werden kann. Welche Konsequenzen zieht das Landesumweltministerium aus diesen Erkenntnissen?

Lies: Die Messstellen des niedersächsischen WRRL-Messnetzes entsprechen bundesweit geltenden Normen und Regelwerken. Pflege, Wartung, Neubau und Rückbau von Messstellen führt der Niedersächsische Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) regelmäßig gemäß den in betriebsinternen Fachblättern festgelegten Anweisungen durch, die auf Grundlage der einschlägigen Regelwerke erstellt und aktualisiert werden (DVWG Arbeitsblätter W110, W129; LAWA u.a.). Die Probenahmen und damit auch die Funktionskontrollen werden von den Betriebsstellen des NLWKN zweimal jährlich im Rahmen eines Frühjahrs- und eines Herbstzyklus durchgeführt. Zusätzlich führt der Landesbetrieb regelmäßig sowohl turnusmäßig als auch anlassbezogen Kamerabefahrungen an den Messstellen durch. Die Kamerabefahrungen sind, neben der Auswertung der Erkenntnisse aus den Probenahmen, die zentrale Grundlage für die Inspektion von Messstellen und werden bereits seit einigen Jahren mit eigenen Kameras des Landesbetriebes durchgeführt.

Dies ist ein etablierter und kontinuierlich laufender Prozess. Auf dieser Grundlage weist das Land Niedersachsen die Kritik des Gutachters am WRRL-Messnetz nach einer vertieften Überprüfung entschieden zurück und stellte fest, dass das Gutachten keine geeignete und substantielle Grundlage darstellt, um die vom Land Niedersachsen gemessenen Nitratwerte in Frage zu stellen. Diesbezüglich ist anzumerken, dass abweichend von den für Niedersachsen bzw. bundesweit geltenden Normen und Regelwerken eigene Ansichten des Gutachters als Vorgabe definiert wurden, die insgesamt zu einer unzulässigen Gesamt-Bewertung aggregiert worden sind.

Unabhängig von dem Gutachten hat die Landesregierung im Rahmen des Kabinettsbeschlusses vom 18.11.2019 zur NDüngGewNPVO eine gutachterliche Funktionsprüfung sämtlicher WRRL-Messstellen...

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