Nitraturteil: Jetzt ist 2020 ist das entscheidende Jahr Premium

Nach dem Nitrat-Urteil des Europäischen Gerichtshofes von dieser Woche dreht sich die Debatte darum, ob die Düngeverordnung vor 2020 noch einmal aufgeschnürt wird. In dem Jahr ist nämlich der nächste Nitratbericht fällig. Das Urteil polarisiert und erzeugt sehr viele Reaktionen.

Ausnahmen für die Gülledüngung auf Grünland müssen weiter warten, nun wird erst mal das Nitrat-Urteil des EuGH ausgewertet. (Bildquelle: Zunhammer)

Nach dem Nitrat-Urteil des Europäischen Gerichtshofes von dieser Woche dreht sich die Debatte darum, ob die Düngeverordnung vor 2020 noch einmal aufgeschnürt wird. In dem Jahr ist nämlich der nächste Nitratbericht fällig. Das Urteil polarisiert und erzeugt sehr viele Reaktionen. Am Donnerstag hat der Europäische Gerichtshof (EuGH) Deutschland wegen einer zu langen Duldung von hohen Nitratwerten verurteilt. Dabei ging es um die Rechtslage bis zu einer Frist vom 11. September 2014, die die EU-Kommission nach mehrmaliger Rüge Deutschland gegeben hatte. Deshalb bezieht sich das Urteil auf die zu dem Zeitpunkt zuletzt geänderte Fassung der Düngeverordnung von 2012. Die 2014 angemahnte Düngereform hat Deutschland dann 2017 durchgeführt, nachdem die EU-Kommission im Herbst 2016 Klage gegen Deutschland eingereicht hatte. Nächster Nitratbericht 2020 fällig Die nächste Evaluierung der EU-Kommission, ob das deutsche Düngerecht von 2017 ausreicht, um die Nitratgehalte im Grundwasser unter den Grenzwerten zu halten, steht eigentlich 2020 an. Dann ist nämlich der nächste Nitratbericht, den Deutschland nach Brüssel senden muss, fällig. Im letzten Nitratbericht von 2016 hatte Deutschland eingeräumt, dass an 28 Prozent der Messstellen in Agrargebieten die EU-Grenzwerte im Grundwasser von 50 mg/l überschritten werden. Ausnahmen für Grünland müssen warten Ob das Bundeslandwirtschaftsministerium das Düngepaket nun noch vor der Evaluierung in 2020 aufschnüren muss, hängt jetzt vom Ausgang der Gespräche des Bundeslandwirtschaftsministeriums (BMEL) mit der EU-Kommission ab. Darin soll geklärt werden, ob die vom EuGH in dieser Woche angemahnten Missstände mit der Düngereform 2017 vollständig behoben sind. Das hat auch Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner am Donnerstag in ihrer Reaktion zum Nitraturteil bestätigt. Daran hängt für die Landwirte noch ein zweiter offener Punkt. Erst wenn Brüssel die neue Düngeverordnung von 2017 als ausreichend akzeptiert hat, wird Deutschland eine neue Derogationsregelung für Grünland beantragen können. Mit dieser Ausnahmegenehmigung dürften Landwirte statt der Obergrenze von 170 kg/ha N bis zu 230 kg N pro ha und Jahr auf Grünland ausbringen. Connemann (CDU/CSU): „Neuer Düngeverordnung Zeit geben, zu wirken“ In der Politik und den Verbänden gibt es ein sehr großes Echo auf das EuGH-Urteil. Das zeigt, wie sehr das Thema Nitrat und Landwirtschaft polarisiert. Die stellvertretende Vorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Gitta Connemann plädiert dafür, der neuen Düngeverordnung Zeit zu geben, damit sie „wirklich wirken“ könne. „Die neue Düngeverordnung ist scharf. Sie stellt Höfe und Kommunen vor große Herausforderungen. Deutschland ist also schon auf dem Weg. Und das ist gut so“, sagte Connemann. Für die Unionsfraktion ...

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Artikel geschrieben von

Stefanie Awater-Esper

Korrespondentin Berlin

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Diskussionen zum Artikel

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von Guenter Loefflad

immer nur die Gülle

alles wird auf die Gülle geschoben, aber man sollte beim Mineraldünger auch mal aufpassen, daß das nicht zuviel wird. Mit organischer Düngung kann man halt nicht alle drei Gaben machen. Man müsste ein Gesamtkonzept entwerfen wieviel Dünger oganisch und mineralisch in einer Region gedüngt werden darf.

von Edelhard Brinkmann

Wasserproben

Warum nehmen wir Landwirte nicht selber Wasserproben und überprüfen die Angaben der Wasserwerke. Eine bessere Öffentlichkeitsarbeit von uns wäre vielleicht auch nicht schlecht ? Der Bürger ist sonst nicht mehr von uns zu erreichen,weil fast kein Kontakt mehr zur Landwirtschaft besteht. Wir Landwirte müssen unsere Kunden selbst informieren und uns nicht vorführen lassen von Anderen. Kein anderer lässt das mit sich machen.

von Hans Merk

Habe verstanden

wenn ich die dislikes meines Kommentars ansehe ist mir klar: die große Masse bescheißt und dadurch wird nichts besser und die Auflagen immer schärfer und sinnloser.

von Thomas U. Cordula Schulz

Die Verschärfung wird kommen

Ich kann euch leider wenig Hoffnung machen, wer den Zeitplan für den Nitratbericht kennt und die Planung Seitens der Länder. In den Bericht für 2020 werden fast ausschließlich Modelle und N Bilanzen bis 2016 oder 2017 einfließen. Das spiegelt nicht die Entwicklung wieder, interessiert aber keinen einzigen Verband.

von Rudolf Rößle

Spanien

wir waren vor 20 Jahren zu einer Studienreise in Spanien. Damals hatte es in der Region schon große Mastschweineanlagen gegeben. Das Getreide haben sie von Nordeuropa bezogen, da ihre ha Erträge zu niedrig sind( Wassermangel). Ich kann mir nicht vorstellen, dass dort eine Nährstoffbilanz funktioniert. Die Schweinebestände sind bis heute in Spanien gestiegen.

von Bernhard ten Veen

@Norbert Schulze-Darphorn

...interessanter Ansatz... dann würden wir aber wahrscheinlich mitbekommen, dass wir Deutschen nur dazu da sind um Ausgemolken zu werden mit Vertragsverletzungsverfahren usw. Die anderen EU-Staaten halten sich nicht an die Vorgaben. dafür fehlt ihnen das Geld. das müssen wir zuerst überweisen. ...dafür fehlt Top-Agrar aber die Traute und die Experten haben nicht die Eier dafür in den Hosen.

von Reinhard Matzat

Bilanzen hin und Bilanzen her

Hat von Euch schon mal einer drüber nach gedacht wenn er Morgens seinen Haufen in die Kanalisation schickt was damit passiert ? Er wird in einem Klärbecken(GÜLLEBEHÄLTER) gesammelt. Feste Stoffe setzen sich ab. Die gelösten Nährstoffe wie N und P werden danach noch Ordentlich Belüftet, damit sich N verflüchtigt (Luftverschmutzung)! Der Rest wird danach mehr oder weniger Kontrolliert in die Vorflut eingeleitet ! Unsere Zivilisationsgülle ist das wirkliche Problem !

von Jens Geveke

zum Kommentar Phosphorbilanz

Wirtschaftsdünger kann man mit einfachen technischen Mitteln aufbereiten und nach Nährstoffschwerpunkten trennen. (Separieren mit Schnecke oder Dekanter). Wichtiger ist, dass man da wo Bedarf nach Nährstoffen ist, diesen auch aus Wirtschaftsdünger decken kann. Wenn kein Phosphorbedarf ist, darf da auch kein Phosphor hin, aber wenn da Stickstoffbedarf ist, dann kann es nicht sein, dass eine gut gesteuerte organische N-Gabe verboten ist und statt dessen eine klimaschädliche N-Mineralgabe erlaubt wird. Überall spricht man von Kreislaufwirtschaft und ausgerechnet denjenigen, die es am besten könnten, wird es verboten.

von Heinrich-Bernhard Muenzebrock

Phosphorbilanz

Hier wird am Thema vorbei diskutiert - Nicht N (Stickstoff), da könnten die Grenzwerte bei 300 kg. erreicht sein, sondern Phosphor ist das große Problem. Wenn diese Bilanz über 5 Jahre zu hoch ausfällt, dann werden in Zukunft die Flächen für die Wirtschaftsdüngergabe gesperrt!!!!. Es gibt wohl immer noch Landwirte die diese Problematik nicht erkannt haben!!. Bei mehr als 40 cbm Kuhgülle/Jahr wird die Bilanz rot!!.

von Hans Merk

Pfeife auf das Dokumentieren

solange jeder seine Gülleproben selbst zieht und verdünnt. Wer keine Gülle und Substrat aufnimmt kann über die GV je ha ganz leicht kontrolliert werden. Wer Gülle abgeben muß weil zu wenig eigenbewirtschaftete Fläche, bescheißt aus Kostengründen bei Gülle- und Bodenproben und verursacht damit für die große Masse welche etwas weniger gewinnoptimiert und dafür umweltverträglicher wirtschaftet, die Probleme. Bei Gülle- und Bodenuntersuchung sowie den tatsächlichen Verbleib der Gülle müssen Kontrollen verschärft werden und dann löst sich das Nitratproblem ohne weitere sinnlose Auflagen relativ schnell. Hätte nie gedacht daß ich mal nach schärferen Kontrollen rufe.

von Jens Geveke

Die Derogationsregelung ist Teil der Lösung...

... und muss schnellstens kommen: Grünland verwertet organische Dünger hervorragend und grundwasserschonend durch seine praktisch ganzjährige Aufnahmefähigkeit. Es benötigt höhere Stickstoffgaben wie andere Früchte, weil es eben eher ein Eiweißfuttermittel ist. Und dieser Stickstoffbedarf kann sehr gut im Sinne der Kreislaufwirtschaft durch organische Dünger gedeckt werden. In vielen Milchviehregionen gibt es viele "kann"-Ackerflächen, die im großen Umfang zu Ackergrasflächen umgewandelt würden, wenn man 230kg org. düngen darf. Somit hätte man ohne "Zwang" oder Zuschüsse sehr umfangreich Grünland-Futterflächen geschaffen und viel für die Milchviehbetriebe und auch für den Grundwasserschutz getan. Ansonsten lassen die Rahmenbedingungen wieder die Entscheidung zum Maisanbau fallen. Warum diese Zusammenhänge immer wieder ignoriert werden und als politscher Spielball genutzt werden ist erschreckendund zeigt, wie viele Ackerbauern in den Gremien vertreten sind und wie wenig Milchviehbetriebe.

von Rudolf Rößle

Düngefenster

ist so klein geworden, dass Betriebe im Frühjahr ihre Gülle auf den Feldern verklappen. Bei starkem Regen weiß jeder was passiert.

von Joachim Löber

Nitratproblematik

Auch mit der neuen Düngeverordnung wird sich am Nitrat - Problem nichts ändern. Wir Bauern müssen doch jetzt nur alles dokumentieren, was wir bisher als gute fachliche Praxis getan haben. Nachwievor wird bis zum Optimum gedüngt aber dokumentiert. Auf das Grünland kann bis zum 30. Sept. Gülle ausgebracht werden, obwohl die Vegetation vorbei ist. So sehen Lösungen aus!

von Harald Finzel

@DBV: Prognosen einfordern!

Wenn der Deutsche Bauernverband noch eine minimale Handlungsfähigkeit beweisen möchte, dann möge er doch endlich Auskunft verlangen, wie lange es denn laut Experten dauern wird, bis die Maßnahmen der neuen Düngeverordnung empirisch anhand der konkreten Grundwassermesswerte erkennbar sein werden. Es ist ein Unding, dass hier keiner die Fachleute in die Pflicht nimmt! [[In die gleiche Kerbe schlägt übrigens gerde der EuGH in seiner Urteilsbegründung (https://t.co/Ebg19FtErY): Die Hinhaltetaktik der Bundesregierung in den Jahren 2007 bis 2014 nähme der EU-Nitratrichtlinie 91/676 "jede praktische Wirksamkeit". Dabei sähe sogar die EU-Nitratrichtlinie vor, dass der alle vier Jahre anzufertigende Nitratbericht "Prognosen der Mitgliedstaaten über den Zeitraum enthält, in dem die Gewässer voraussichtlich auf die Maßnahmen des Aktionsprogramms reagieren, und zwar unter Angabe der Unsicherheitsfaktoren, mit denen diese Prognosen behaftet sind".]]

von Norbert Schulze-Darphorn

Wie wird das eigentlich in anderen EU Staaten geregelt ?

Währe doch Mal ein schöner Artikel für top agrar wie die Düngergesetzgebung in den anderen Mitgliedsländern der EU geregelt ist, schön tabellarisch aufgearbeitet mit Obergrenzen, Ausnahmeregelungen usw, als Sahnehäubchen vielleicht noch die Anzahl der Brunnen die nach Brüssel gemeldet werden. So kann man das ganze doch realistischer einordnen.

von Wilhelm Grimm

Habeck hat milderne Umstände, weil er selbst keine Ahnung hat,

sich aber auf Tauben verlässt, die Falken sind.

von Bernd Croonenbroek

Habeck (Grüne SH): "Wir haben ein Gülleproblem"

Herr Habeck, wie soll es ein Gülleproblem geben bei 170 kg/N Obergrenze Organischer (Gülle) Dünger je Ha ?????? Entzug bei Silomais 220 kg/N oder noch besser bei Grünland von über 300 kg/ha ???????????????? Das kommt davon wenn wir in der Politik Leute sitzen haben die von Landwirtschaft keine Ahnung haben !!!!

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