Kommentar

Prof. Schönberger: "Reduzierung von Pflanzenschutzmitteln hat klare Grenzen"

Pflanzenschutzmittel werden nur zugelassen, wenn sie die Umwelt nicht schädigen. Umso unverständlicher ist es für Fachleute, dass die EU-Kommission die Mittel schlecht redet und reduzieren will.

Ein Kommentar von Prof. Dr. Hansgeorg Schönberger. Er gründete 1986 das private Beratungsunternehmen N.U. Agrar GmbH. Als Dozent und Berater ist er europaweit tätig.

Was Pflanzenschutz können soll und was nicht, ist klar definiert. So beschreibt der Nachhaltige Aktionsplan Pflanzenschutz (NAP) den Integrierten Pflanzenschutz folgendermaßen:

„Aufgabe des modernen Pflanzenschutzes ist, Schäden an Nutzpflanzen und die Belastung des Erntegutes durch Schaderreger, Unkräuter oder andere Einflussfaktoren zu verhindern oder zu mindern. Die dafür eingesetzten Verfahren dürfen jedoch kein Risiko für Mensch, Tier und Umwelt darstellen. Vielmehr sollen sie natürliche Regelmechanismen der Agrarökosysteme erhalten.“

Das europäische und das deutsche Pflanzenschutzrecht gewährleisten, dass nur Pflanzenschutzmittel in Verkehr gebracht werden, die auf ihre Umweltauswirkungen geprüft wurden. Die Umweltprüfung in Deutschland erfolgt im Rahmen des Zulassungsverfahrens durch das Umweltbundesamt.

Trotzdem heißt es in einer Mitteilung der EU-Kommission hinsichtlich der Farm-to-Fork-Strategie im Mai 2020: „Der Einsatz von Pestiziden in der Landwirtschaft führt zur Verschmutzung von Böden, Gewässern und der Luft.“ Die Kommission wird – so wörtlich – weitere Maßnahmen ergreifen, um bis 2030 den Einsatz von und das Risiko durch chemische Pestizide insgesamt um 50 % und den Einsatz von Pestiziden mit höherem Risiko ebenfalls um 50 % zu verringern.

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