Hamm/Köln

Regenüberlauf: Bach wird zum Abwasser-Kanal

Wer genau hinschaut, müsste das Problem seit Jahren kennen: Bei Regen schwimmen Fäkalien und Müll in manchen Oberflächengewässern, weil die Kläranlagen ablassen. Doch es interessiert kaum jemanden.

Immer, wenn es stark geregnet hat, trägt der Erlenbach in Hamm ekelige Fracht mit sich. Am Ufer und dem Bewuchs hängen Müll und Fäkalien. Das ärgert Landwirt Johannes Laurenz, denn außer ihm scheint das bisher niemanden so richtig zu interessieren. Die WDR Lokalzeit aus Dortmund ging der Sache nach.

Das Problem ist demnach wohl ein Gemisch aus Regen- und Abwasser, das durch die alte Kanalisation fließt. Laurenz berichtet, dass sich die Feststoffe in dem Abwassersystem eigentlich am Boden sammeln sollten, so dass nur klares Wasser oben weiter abfließt. Für den Anwohner ist das eine Farce, denn das Dreckwasser fließt ungefiltert in die Natur.

Laut WDR findet sich nur wenige Meter neben dem Bach entfernt die sogenannte Regenwasserbehandlungsanlage bzw. das Regenüberlaufbecken des Lippe-Verbandes. Ist zuviel Wasser in den Rohren, wird hier in den Bach abgeleitet. Laut Vorstand Emanuel Grün handelt es sich hierbei um „leicht verdünntes Schmutzwasser“. Und weiter erklärt er im WDR: „Statistisch sagt man, es handelt sich um eine 20-fache Verdünnung, also wir haben hier nach den allgemein anerkannten Regeln der Technik, ein System, dass deutschlandweit greift, und das ist in aller Regel für die Gewässer unschädlich.“

Johannes Laurenz

Landwirt Johannes Laurenz dokumentiert seit Langem die Verunreinigung der Kommunen und des Lippe-Verbandes. Er beklagt, dass die Öffentlichkeit die Bauern für die Gewässerverschmutzung verantwortlich macht. (Bildquelle: WDR)

Das sieht Laurenz anders, er fürchtet die Gefahr in den nicht sichtbaren Stoffen: „Medikamente, Hormone, Anti-Baby-Pille, was geht da alles in die Gewässer! Und das sitzt im Wasser, nicht in dem, was nach unten absinkt.“ Auf Facebook dokumentiert der 36-Jährige alles und macht seinem Ärger Luft. Und es sei prompt eine Reaktion des NRW-Umweltministeriums gekommen. Staatssekretär Dr. Heinrich Bottermann sagte in einem Video, dass es künftig das Ziel sei, alle Anlagen zur Wasseraufbereitung derart zu ertüchtigen, dass auch bei starken Niederschlägen die Kapazitäten aller Anlagen ausreichen, damit kein Wasser mehr ungefiltert in die Oberflächengewässer gelangt.

Das dreckige Wasser aus der Stadt mündet in die Lippe, so der WDR weiter. Hier seien die Schadstoffwerte erhöht, was dann stets den Bauern als Verursacher angelastet werde. Die Erfahrung hat auch Laurenz gemacht. „Es wird dann immer ganz schnell gesagt, der böse Bauer war es. Weil das kann man schön sehen, den Bauern mit der Spritze oder dem Güllefass.“

Langfristig helfen kann nur ein neues Kanalnetz. Das ist aber unbezahlbar, sagt der Lippeverband. „Aber was wir jetzt nicht in die Toilette werfen, das liegt dann auch nicht hier im Bach“, mahnt der WDR abschließend.

Reinigungsaktion: "Verband war vorgewarnt"

Wie Johannes Laurenz nach dem Dreh mit dem WDR auf seiner Facebookseite berichtet, hatte der Sender seinen Beitrag beim Lippe-Verband angekündigt. Dieser habe dann kurzfristig die Ufer gereinigt und die Einleitungen von Schmutzwasser gestoppt, so der Vorwurf des Landwirte. Hier sein Video:

Weitere Fälle

Über ähnliche Verschmutzungen hatte zuvor schon Lohnunternehmer Markus Wipperfürth auf seinem Facebookkanal berichtet. Hier einige Dokumentationen: