Hohe Kosten und Auflagen

Saatgutwirtschaft warnt vor ausufernden Vorschriften und steigenden Preisen

Eigentlich müsste dem Saatgut angesichts steigender Düngerkosten eine viel höhere Bedeutung zukommen. Immer schärfere Auflagen und Regeln verderben der Wirtschaft aber die Innovationsfreude.

Der Bundesverband der Saatguthersteller (BVO) hat davor gewarnt, den Bogen bei den behördlichen Auflagen zur Saatgutaufbereitung und -ausbringung zu überspannen. Ansonsten droht nach Überzeugung des BVO-Vorsitzenden Jörg Hartmann die „Zerstörung“ der überwiegend mittelständisch geprägten Saatguterzeugung in Deutschland.

Seine Kritik entzündet sich an den seit dem 1. Juni 2022 geltenden neuen Vorschriften zu Beizanlagen und zur Aussaat von gebeiztem Saatguts bei Wind. Die Branche habe in den letzten Jahren große finanzielle und zeitliche Ressourcen darauf verwendet, die Saatgutqualitäten weiter zu verbessern. „Trotz sehr guter Ergebnisse, was den Staubabrieb angeht, sehen die Behörden weiterhin die Notwendigkeit einer Windauflage, und weitere Verschärfungen der Beizauflagen stehen im Raum“, beklagte Hartmann.

Vor allem im süddeutschen Raum hätten kleinere Aufbereiter bereits angekündigt, angesichts steigender Auflagen für den Betrieb der Beizanlage nicht mehr vermehren zu wollen. „Solange es noch Beizen gibt, die man ohne Zertifizierung anwenden kann, bleiben die dabei, ansonsten hören sie auf“, berichtete der Verbandsvorsitzende.

Saatgut wird teurer

Zwar gibt es Hartmann zufolge auch dann in Deutschland insgesamt noch ausreichend Aufbereitungskapazitäten, zumal einige Anlagen bislang auch noch nicht komplett ausgelastet seien. „Die Frage wird sein, wie wir die Saatgutverteilung dann logistisch hinbekommen“, so der BVO-Vorsitzende.

Bisher habe man beim Transport „aus dem Vollen schöpfen“ können; inzwischen würden die Unternehmen aber durch Fahrermangel und teuren Sprit ausgebremst.

Von Politik und Behören forderte Hartmann in erster Linie Verlässlichkeit. Verfügbare Mittel und Methoden dürften nicht noch weiter eingeschränkt werden. Fehlende Planbarkeit stelle für die gesamte Branche ein Problem dar, für die größeren gewerblichen Saatgutproduktionsanlagen ebenso wie für die landwirtschaftlichen Vermehrer.

Hartmann geht davon aus, dass die Preise für Zertifiziertes Saatgut (Z-Saatgut) angesichts der aktuellen Preishausse bei Agrarrohstoffen und explodierter Betriebsmittelkosten steigen werden. Aus seiner Sicht macht es aber auch bei höheren Preisen Sinn, in Z-Saatgut zu investieren, denn mit dem Kauf zertifizierter Ware investiere der Landwirt in Ertragssicherheit.

Viele offene Fragen

Für BVO-Geschäftsführer Martin Courbier ist klar, dass das Betriebsmittel Saatgut in den nächsten Jahren eine enorme Aufwertung erfahren wird. „Bei rückläufigen Aufwandsmengen bei Düngung und Pflanzenschutz muss Saatgut im Pflanzenbau zusätzliche Aufgaben lösen“, begründete Courbier seine Einschätzung.

Die zu erwartende Aufwertung spiegle sich jedoch nicht in den aktuellen Genehmigungen und Beizzulassungen wider, wo die Situation besorgniserregend sei. So laufe aktuell keine einzige Zulassung länger als ein Jahr; zugleich gebe es immer weniger zugelassene Mittel. Und auch in Sachen Biostimulanzien gebe es noch viele offene Fragen.

„Wir bewegen uns in einem europäischen Wettbewerbsmarkt. Saatgutbehandlung und Auflagen stellen eine klare Wettbewerbsverzerrung dar, die den Standort Deutschland benachteiligen“, kritisierte der BVO-Geschäftsführer. Auf der einen Seite gebe es eine europäische Zulassung, während gleichzeitig nationale Auflagen ausgesprochen würden. „Das ist nicht im Sinne der deutschen Saatgutwirtschaft“, stellte Courbier klar.

Die Redaktion empfiehlt

Das Wichtigste zum Thema Ackerbau dienstags per Mail!

Mit Eintragung zum Newsletter stimme ich der Nutzung meiner E-Mail-Adresse im Rahmen des gewählten Newsletters und zugehörigen Angeboten gemäß den Datenschutzbestimmungen zu.