Ratgeber

Sicherer Schutz für Ihren Weizen Premium

Wer den Fungizideinsatz in Weizen nach Schema F durchführt, verpulvert Geld. Die Sorte und die Witterung bestimmen die Intensität. Wie Sie Ihre Bestände wirksam und wirtschaftlich schützen, erklärt Hermann Hanhart, LWK Nordrhein-Westfalen.

Jedes Jahr stehen Landwirte und Berater erneut vor der Herausforderung, die Fungizidstrategien präzise nach der Witterung und Sorten-Anfälligkeit auszurichten. Dabei ist es wichtig,

  • die Schadpilze genau zu kennen,
  • den Epidemieverlauf mit den möglichen Ertragsverlusten realistisch einzuschätzen sowie
  • Wirkstoffe und Mittel richtig zu beurteilen.

Pauschale Empfehlungen zeugen dagegen von Unwissenheit oder Gewinnmaximierung der Handelsstufen.

1. Wenn Septoria- und Fusarium-Gefahr drohen

Starker Krankheitsdruck ist am ehesten in früh gedrilltem Weizen (September/Anfang Oktober) beim Anbau von höher anfälligen Sorten wie Tobak, Faustus, Benchmark, Patras, Kashmir und Rumor zu erwarten. Da die Aussaat vieler Bestände sehr früh erfolgte, müsste theoretisch mit einem hohen Septoria-Ausgangsbefall zu rechnen sein. Allerdings sind bis Ende November kaum Niederschläge gefallen. Diese sind aber für eine frühe Infektion notwendig. Daher wird voraussichtlich in Frühsaaten kein hoher Ausgangsbefall auftreten. Wegen der langsamen Septoria-Entwicklung wird auch ein feuchter Winter daran nichts ändern. Entscheidend wird das Wetter ab dem 15. April sein:

  • Sollten Niederschläge das Defizit aus dem Jahr 2018 erst zum Frühjahr und anhaltend im Mai 2019 ausgleichen, könnte Septoria noch zur wichtigsten Krankheit werden.
  • Bleibt es eher trocken, würde der Pilz wie in den letzten Jahren bedeutungslos bleiben.

Strategien für den Spritzstart

Empfehlungen für Situationen mit hohem Septoria-Druck – wenn der Pilz günstigste Infektionsbedingungen in der frühen Schossphase vorfindet – entnehmen Sie Übersicht 1.

Erste Behandlung: Diese wird ab EC 31/32 erforderlich. Bessere Wirkungsgrade lassen sich erzielen, wenn man vor starken Infektionsblöcken behandelt. Diese zeichnen sich durch intensive, langanhaltende Niederschläge über mehrere Tage aus.

Vorbeugend bringt der Wirkstoff Chlorthalonil gegen Septoria tritici die sicherste Wirkung, sodass Amistar Opti das Mittel der Wahl ist. Häufig muss man in solchen Situationen in Regenpausen behandeln. Das macht aber eine zusätzliche Kurativwirkung erforderlich, um latente (nicht sichtbare) Infektionen zu stoppen. Zur ersten frühen Behandlung eignet sich besonders Prochloraz. Von der Kombination 1,25 l je ha Amistar Opti + 1,0 l/ha Mirage darf man eine 3-tägige Kurativleistung mit etwa 10 bis 14 Tagen Dauerwirkung erwarten.

Befall mit anderen Pilzen: Bei Frühsaat, feuchtem Frühjahr und in anfälligen Sorten ist auch mit Schneeschimmelbefall zu rechnen. Solo-Anwendungen von Amistar Opti helfen hier nicht. Gute Wirkungen sind nur kombiniert mit Azolen zu erreichen, die vorzugsweise Prochloraz enthalten. Das setzt aber voraus, vorbeugend vor Niederschlägen zu behandeln. Denn Schneeschimmel lässt sich nicht kurativ kon-trollieren.

Die Wahl des Azols zum Amistar Opti lässt sich am Auftreten weiterer Krankheiten wie folgt ausrichten:

  • Eleando bringt im Vergleich zu Mirage bei 1,5 l/ha eine leicht bessere Dauerwirkung. Mit Mengen von über 2,0 l/ha ist eine etwas bessere Kurativwirkung von 3 bis 4 Tagen möglich.
  • Input Classic ist gegen Halmbruch wirksamer und bekämpft beginnenden Mehltau.
  • Kantik ist preiswert und gut gegen Mehltau geeignet. Es hat aber den Nachteil der Strohauflage VV214. Danach ist es verboten, behandeltes Stroh in der Tierhaltung und -fütterung einzusetzen.
  • Capalo ist sehr breit wirksam und stark gegen Roste. Die Nachteile: schwächste Kurativwirkung gegen Septoria tritici und weniger effektiv gegen Schneeschimmel.

Statt Amistar Opti können Sie auch Dithane NeoTec einsetzen. Es hat aber keine Rostwirkung.

Wann für Anschluss sorgen?

Nach der frühen Vorlage sind bei hohem Krankheitsdruck immer Anschlussbehandlungen nötig. Den Termin bestimmt die Witterung. Bei anhaltendem Infektionsdruck muss früh ab EC 33 nachgelegt werden. Stellt sich nach der ersten Behandlung bzw. Ablauf der Dauerwirkung von etwa 10 Tagen dagegen trockene Witterung ein, können Sie noch etwas warten. Erst bei erneut feuchter Witterungslage heißt es: Nachbehandeln!

Falls Nachbehandlungen erst ab Ende Schossen (EC 39) erforderlich werden, reichen diese auf Schlägen bzw. in Regionen ohne Fusarium-Risiko aus, um „gesund“ bis zur Ernte zu kommen. Wichtig ist aber, mit voller Aufwandmenge nachzulegen.

Für die zweite Behandlung sind bei hohem Septoria-Druck die Carboxamid-Produkte erste Wahl. Termin, Infektionsdruck (Sorte, Regendauer) und die benötigte Kurativwirkung bestimmen Mittel und Menge. Optimal sind Behandlungen vor Infektionen, also vor Niederschlägen. Alle Produkte wirken gut vorbeugend. Bei hohem, anhaltenden Infektionsdruck verbessert das Zumischen von Amistar Opti oder Dithane NeoTec die Wirkung. Zudem beugt es einer vorschnellen Selektion resistenter Typen vor.

Wenn Sie nach Niederschlägen zwischen den Schauern oder letztmalig ab EC 39 behandeln, sollten nur die besten Präparate zum Einsatz kommen. Mit vollen Mengen und Anwendungen ab EC 39...

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Redaktion Betriebsleitung, Geld, Steuern, Recht

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