Düngeverordnung

So ermitteln Sie den Düngebedarf

Vor jeder Düngemaßnahme gilt es, den Düngebedarf für Stickstoff und Phosphat zu ermitteln. Hier ein Fahrplan.

Die Düngeregeln schreiben vor, für jeden Schlag oder jede Bewirtschaftungseinheit eine Düngebedarfsermittlung (DBE) nach vorgegebenen Kriterien durchzuführen. Das Ergebnis stellt bei Phosphat eine Empfehlung, bei Stickstoff den Maximalrahmen für die Düngung dar.

N-Bedarf für den Acker

Um die DBE für Ackerfrüchte durchführen zu können, benötigen Sie u. a. die Bedarfswerte der Kulturen sowie die Zu- und Abschläge.

Im Folgenden wird die Erstellung der DBE kurz skizziert:

  1. Tragen Sie die Kultur ein und geben Sie das durchschnittliche Ertragsniveau in dt/ha der letzten 3 Jahre an.
  2. Ordnen Sie diesem Ertragsniveau den N-Bedarfswert laut DüV zu (für jede Kultur gilt ein festgelegter N-Bedarf, der vom Ertrag abhängt).
    Jetzt muss man noch die Zu- und Abschläge vornehmen:
  3. Weichen Ihre betrieblichen Erträge von den Annahmen der DüV ab, gelten für die Ertragsdifferenz Zu- oder Abschläge. Beispiel: Bei 10 dt/ha mehr Weizenertrag können Sie 10 kg N/ha zum Bedarf hinzurechnen.
  4. Abzuziehen ist dann die verfügbare N-Menge im Boden. Entweder greifen Sie dabei auf aktuelle Richtwerte der zuständigen Stellen (z. B. LWK) zurück, oder Sie ziehen eigene Nmin-Proben.
  5. Auf Flächen mit mehr als 4 % Humusgehalt sind wegen der N-Nachlieferung aus dem Bodenvorrat 20 kg N/ha vom Bedarf abzuziehen.
  6. Bei langjähriger organischer Düngung müssen Sie wegen der N-Nachlieferung aus dem Vorjahr 10 % vom organisch gedüngten Gesamt-N abziehen. Bei Kompost können Sie die 10 % auf 3 Jahre aufteilen.
  7. Zuletzt erfolgen die Mindestabschläge für die Vorfrucht bzw. Vorkultur.
    Der Saldo ergibt den Gesamt-N-Düngebedarf nach DBE für den bestimmten Schlag oder die Bewirtschaftungseinheit.

N-Bedarf von Grünland

Die DBE für Grünland unterscheidet sich in folgenden Punkten:

  • Der  N-Gesamtbedarf  hängt nicht nur vom Ertrag, sondern auch vom Rohproteingehalt und der Nutzungsintensität ab (Schnittnutzung, Weide, mehrschnittiger Feldfutterbau). Die dazu passenden Bedarfswerte sind in der DüV hinterlegt. Weicht der tatsächliche Ertrag in Ihrem Betrieb im Schnitt der letzten drei Jahre davon ab, sind je 10 dt TM/ha Zu- oder Abschläge vorzunehmen. Das gilt auch für den Rohproteingehalt. Liegen die Proteingehalte höher oder niedriger, gilt es, die vorgeschriebenen Korrekturwerte aus der DüV zu nutzen.
  • Je nach Boden, muss man die N-Nachlieferung aus dem Bodenvorrat berücksichtigen. Der Abschlag reicht von 10 kg N/ha auf Böden mit weniger als 8 % Humusgehalt bis zu 80 kg N/ha auf Niedermoorböden.
  • Rechnen Sie ebenfalls die N-Bindung durch Leguminosen an. Je nach Anteil in der Grasnarbe wird ein Abschlag von 10 bis 60 kg N/ha fällig.
  • Abschließend geht es dann noch um den Stickstoff aus der Vorjahresdüngung. Wie auch bei der DBE für Ackerkulturen sind 10 % Nachlieferung aus der organischen Düngung des Vorjahres anzurechnen.
    Der Saldo aller Punkte ergibt den gesetzlichen N-Düngebedarf für Ihr Grünland.

P-Bedarf kalkulieren

Wer mehr als 30 kg P2O5/ha ausbringt, muss auch für Phosphat eine DBE vornehmen. Basis dafür sind die repräsentativen Bodenproben.

Ab Gehaltsklasse C ist eine Düngung in Höhe des P2O5-Entzuges durch das Erntegut vorgesehen. Darunter (Gehaltsklassen A und B) errechnet sich der Bedarf aus dem Pflanzenentzug, dem Bodenvorrat und der P2O5-Festlegung im Boden. Im Rahmen der Fruchtfolgen darf maximal drei Jahre im Voraus auf Vorrat gedüngt werden.

Hilfe bei der DBE

Wer die DBE nicht selbst erstellen möchte, kann sich an die zuständigen Dienststellen der Bundesländer wenden. Sie bieten eine Beratung oder Hilfen per PC-Anwendungen an. Darüber hinaus gibt es viele Angebote privater Dienstleister oder auch von Beratungsringen.

So funktioniert’s im Ackerbau

Um die DBE für Ackerfrüchte erstellen zu können, benötigt man die Bedarfswerte der Kulturen sowie die Zu- und Abschläge. Nachfolgend haben wir alle Tabellenwerte, die Sie laut DüV dafür benötigen, zusammengestellt und beispielhaft den Düngebedarf eines B-Weizens errechnet:

Tabelle 1: So berechnen Sie Ihren N-Düngebedarf (Beispiel für B-Weizen)

Betriebsinformationen

Schlag bzw. Bewirtschaffungseinheit

Ertragsniveau (3-jähriger Durchschnitt, dt/ha)

N-Bedarfswert (kg N/ha)

Zu- oder Abschlag (Ertragsdifferenz, kg N/ha)

Abschlag (Nmin-Probe bzw. Richtwert, kg N/ha)

Abschlag (Standort/Humus, kg N/ha)

Abschlag (organische Düngung der Vorjahre, kg N/ha)

Abschlag (Vorfrucht bzw. Zwischenfrucht, kg N/ha)

N-Düngebedarf in der  Vegetation (kg N/ha)

Ø-Ertrag Ihres Schlages

laut DüV bei 80 dt/ha Ø-Ertrag (Tab. 2)

siehe Tab. 3

siehe Tab. 4

siehe Tab. 5

§ 4 (1) Punkt 5 (DüV)

siehe Tab. 6

Summe Berechnung

Am Hof

90

230

10

-43

-20

-10

-10

157

top agrar; Quelle: DüV

Für die Berechnung des N-Bedarfs müssen Sie zuerst das Ertragsniveau ermitteln. Im Beispiel sind das 90 dt/ha. Laut DüV werden dafür 230 kg N/ha benötigt. Unter Berücksichtigung der verschiedenen Zu- und Abschläge beträgt der N-Düngedarf 157 kg/ha.

Tabelle 2: N-Bedarfswerte für wichtige Ackerkulturen¹

Kultur

Ertragsniveau in dt/ha

N-Bedarfswert in kg N/ha

Winterraps

40

200

Winterweizen A, B

80

230

Winterweizen C

80

210

Winterweizen E

80

260

Hartweizen

55

200

Wintergerste

70

180

Winterroggen

70

170

Wintertriticale

70

190

Sommergerste

50

140

Hafer

55

130

Körnermais

90

200

Silomais

450

200

Zuckerrübe

650

170

Kartoffel

450

180

Frühkartoffel

400

220

Sonnenblume

30

120

Öllein

20

100

1) abhängig vom Ertragsniveautop agrar; Quelle: DüV 

Je nach Ertragsniveau dürfen unterschiedlich hohe Stickstoffmengen gedüngt werden.

Tabelle 3: Zu- und Abschläge nach Ertrag

Kultur

Ertragsdifferenz, dt/ha

Höchstzuschlägebeihöheren Erträgen in kg N/ha je Einheit (nach Spalte 2)

Mindestabschläge bei niedrigeren Erträgen in kg N/ha je Einheit (nach Spalte 2)

Raps

5

10

15

Getreide und Körnermais

10

10

15

Silomais

50

10

15

Zuckerrüben

100

10

15

Kartoffeln

50

10

10

top agrar; Quelle: DüV 

Liegt der Ertrag z. B. bei Getreide im Schnitt der letzten drei Jahre um 10 dt je ha höher, darf man maximal 10 kg N/ha zusätzlich düngen.

Tabelle 4: Richtwerte für Nmin in NRW (Beispiel) ¹

Boden

Kultur

Vorfrucht

0 – 30

30 – 60

60 – 90

0 – 90

leichter Boden (S, lS, sU) ²

W-Weizen

alle

8

8

11

27

W- Triticale

W-Gerste

alle

7

5

7

19

W-Roggen

alle

8

4

4

16

Kartoffeln

alle

14

13

10

37

Mais

alle

12

8

7

27

S-Getreide

alle

14

8

21

43

leichter Boden (S, lS, sU) + mittlerer Boden ²

W-Raps

alle

10

7

3

21

mittlerer Boden (ssl, lU, sL, uL, L)

W-Weizen

Halmfrucht

10

12

16

38

W-Weizen

Blattfrucht

12

15

16

43

W-Triticale

Halmfrucht

11

10

21

42

W-Triticale

Blattfrucht

11

10

28

49

W-Gerste

Halmfrucht

9

10

10

29

W-Gerste

Blattfrucht

12

11

18

41

W-Roggen

alle

7

12

18

37

Rüben

Halm- u. Blattfrucht

20

28

12

60

Rüben

Zwischenfrucht

27

18

8

53

Kartoffeln

Halm- u. Blattfrucht

15

20

15

50

Kartoffeln

Zwischenfrucht

17

14

2

33

Mais

Halm- u. Blattfrucht

20

19

15

54

Mais

Zwischenfrucht

14

16

7

38

S-Getreide

alle

20

23

10

53

schwerer Boden (utL, tL, T) ²

W-Weizen

alle

14

22

19

55

W-Gerste

alle

11

16

10

37

W-Raps

alle

13

11

6

30

¹ Angaben der Bodenprobentiefen in cm

² Für alle unter den Kategorien leichter und schwerer Boden nicht aufgeführten Kulturen wird der Nmin-Wert der Kategorie mittlerer Boden zugeordnet

top agrar; Quelle: DüV

Bei den Nmin-Werten haben Sie die Wahl: Entweder ziehen Sie die aktuellen Werte der zuständigen Stelle heran – hier ein Beispiel aus Nordrhein-Westfalen – oder Sie rechnen mit „neuen“ Nmin-Werten eigener Bodenproben. Die Werte sind auf eine Bewirtschaftungseinheit übertragbar.

Tabelle 5: Abschläge abhängig vom Humus

Boden

Korrekturwert

Humusgehalt in %

Mindestabschlag in kg N/ha

größer 4,0 (humos)

20

top agrar; Quelle: DüV

Liegt der Humusgehalt über 4 %, ist ein Abschlag von 20 kg N/ha vorzunehmen.

Tabelle 6: Abschläge abhängig von Vor- und Zwischenfrüchten

Vorfrucht (Hauptfrucht des Vorjahres)

Mindestabschlag in kg N/ha

Grünland, Dauerbrache, Luzerne, Klee, Kleegras, Rotationsbrache mit Leguminosen

20

Rotationsbrache ohne Leguminosen, Zuckerrüben ohne Blattbergung

10

Raps, Körnerleguminosen, Kohlgemüse

10

Feldgras

10

Getreide (mit und ohne Stroh), Silomais, Körnermais, Kartoffel, Gemüse ohne Kohlarten

0

Zwischenfrucht

Nichtleguminosen, abgefroren

0

Nichtleguminosen, nicht abgefroren

– im Frühjahr eingearbeitet

20

– im Herbst eingearbeitet

0

Leguminosen, abgefroren

10

Leguminosen, nicht abgefroren

– im Frühjahr eingearbeitet 

40

– im Herbst eingearbeitet

10

Futterleguminosen mit Nutzung

10

andere Zwischenfrüchte mit Nutzung

0

top agrar; Quelle: DüV 

Der Mindestabschlag bei Stickstoff hängt von der angebauten Vor- und Zwischenfrucht ab.

Vorgehensweise für Grünland

Im Unterschied zum Ackerbau berücksichtigt die DüV beim Grünland neben der Ertragserwartung auch den Rohproteingehalt. Nachfolgend stellen wir vor, wie Sie bei der Erstellung der DBE für Grünland vorgehen. Zudem haben wir für Sie alle Tabellen aus der DüV zusammengestellt, die Sie dafür benötigen.

DBE je nach Nutzung (Beispiele)

Nutzung

2 Schnitte, Hochmoor

3 Schnitte, Niedermoor

4 Schnitte, Sand

5 Schnitte

Ertragsniveau, dt TM/ha

55

80

90

110

Rohproteingehalt, RP % i.T.

11,4

15

17

17,5

Stickstoffbedarfswert, kg N/ha

100

190

245

310

Betriebliche Korrekturen (kg N/ha)

Korrektur für Ertrag 1)

0

0

0

0

Korrektur für Rohprotein 2)

0

0

0

0

N aus Bodenvorrat 3)

50

80

10

0

N aus Leguminosen 4)

0

0

20

20

N aus org. Düngung Vorjahr 5)

15

15

15

15

= N-Düngebedarf

35

95

200

275

1) je 10 dt/ha Ertragsdifferenz zwischen Vergleichswert und 3-jährigem Mittel gelten Zu-/Abschläge 2) Zu-/Abschläge je 1% Differenz beim Rohproteingehalt; 3) Abschläge je nach Boden 4) Bei 5 bis 10 % Leguminosen gelten Abschläge in Höhe von 20 kg N/ha, bei bis zu 20 % Leguminosen von 40 kg N/ha, darüber hinaus von 60 kg N/ha (in diesem Beispiel liegt der Leguminosenanteil zwischen 5 und 10 %) 5) Abschlag von 10 % der organischen Düngung des Vorjahres, im Beispiel wurden im Vorjahr 150 kg Gesamt-N über Wirtschaftsdünger gegeben.top agrar; Quelle: LWK Niedersachsen

Für jeden Standort ist eine DBE mit jeweiligen Zu- und Abschlägen durchzuführen. 

Düngebedarf: Ermitteln Sie jetzt!

Artikel geschrieben von

Redaktion Betriebsleitung, Geld, Steuern, Recht

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