Pflanzenschutz

So halten Sie Ihren Weizen gesund

Die Witterung und Sortenanfälligkeit entscheiden über die Intensität des Fungizideinsatzes. Achten Sie bei den Strategien auch unbedingt auf einen Wirkstoffwechsel.

Unser Autor: Hermann Hanhart, Landwirtschaftskammer NRW

Es war das Gesundjahr schlechthin – in 2020 reichten oft eine, in feuchteren Regionen meist zwei reduzierte Fungizidbehandlungen aus, um Krankheiten sicher zu kontrollieren. So einfach ist es aber nicht in jedem Jahr. Entscheidend ist die Witterung. Die Beobachtung der Wetterentwicklung und Feldkontrollen sind die wichtigsten Hilfsmittel, um zum richtigen Zeitpunkt die Behandlungsentscheidungen zu treffen.

Darüber hinaus beeinflussen die Sortenanfälligkeit und auch der Saattermin das Auftreten von Krankheiten. Wie anfällig die wichtigsten Weizensorten sind, entnehmen Sie folgender Übersicht. Bei einigen Schaderregern hat sich die Anfälligkeit auf der Grundlage von Beobachtungen im letzten Jahr leicht verändert.

ÜBERSICHT: ANFÄLLIGKEITEN WICHTIGER WEIZENSORTEN

Erfreulich viele Sorten sind sehr gesund, sodass sich Krankheiten selbst bei anhaltender Infektionswitterung in einigen Sorten mit einem extensiven Fungizideinsatz regulieren lassen. Letztendlich ist es wichtig, schlagspezifische Entscheidungen zu treffen: Je nach Sorte und Witterung und dem daraus resultierenden Befallsgeschehen können null bis drei Behandlungen notwendig werden.

Wirkstoffwechsel ist A und O

Zur Saison 2021 wird allmählich der Wirkstoffverlust praxisrelevant. Wer im Herbst 2020 noch Epoxiconazolprodukte vorgekauft hat, kann diese nun letztmalig einsetzen. Weil Osiris verbreitet im Angebot war, ist es in den Empfehlungen noch aufgelistet. Ohne Epoxiconazol schränkt sich das Spektrum erheblich ein. Dass demgegenüber viele verschiedene Prothioconazol-Produkte mit günstigen Preisen auf den Markt drängen, liegt daran, dass das Patent für den Wirkstoff ausgelaufen ist.

Wichtig bleibt, einen einseitigen Einsatz mit wiederholter Verwendung des gleichen Wirkstoffs möglichst zu vermeiden. Das heißt, dass man auch unter trockenen Bedingungen nicht dreimal Tebuconazol-Produkte einsetzt – gleiches gilt natürlich für Prothioconazol.

Mit einem weiteren Verlust von Wirkstoffen ist in den nächsten Jahren zu rechnen – ein sicheres Resistenzmanagement wird somit immer schwieriger. Achten Sie insbesondere darauf, den neuen Wirkstoff Mefentrifluconazol genauso wie die Carboxamide nur einmal in Spritzfolgen zu verwenden.

Wie intensiv und mit welchen Wirkstoffen man in 2021 behandeln muss, entscheidet vornehmlich die Witterung. Ob sich wieder trockenes Wetter einstellen wird, oder ob starke Regenfälle das Wasserdefizit ausgleichen werden, gilt es abzuwarten. Nachfolgend finden Sie Strategien für unterschiedliche Situationen – mit geringeren Intensitäten bei tendenziell trockenem Wetter und mit höheren bei feuchter Witterung.

ÜBERSICHT: EMPFEHLUNGEN FÜR EHER WARME UND TROCKENE FRÜHJAHRE OHNE STARKEN SEPTORIADRUCK

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Situation 1: Trockenes Wetter, geringe Intensität

Die Witterung im Frühjahr (April, Mai) ist seit mittlerweile 15 Jahren derart trocken, dass Septoria seitdem nicht mehr mit kritischem Befall vorkommt. Oft war Rost in den letzten Jahren die dominante Krankheit. In 2020 spielte aber auch dieser fast keine Rolle. In NRW blieb – bis auf wenige Ausnahmen – der Weizen bis zur Blüte fast frei von Krankheiten.

Nach einer langen Trockenphase von Mitte März bis Ende Mai führten dann kräftige Niederschläge ab Anfang Juni doch noch zu einer Ausbreitung von Septoria. Auf Einzelschlägen ließ sich gegen Ende Juni stärkerer Befall bonitieren.

Allerdings bestätigte sich wieder, dass ein Krankheitsdruck nach dem Ende der Milchreife den Ertrag kaum beeinflusst. In gesunden Sorten ließ sich das Krankheitsgeschehen wiederum mit nur einer Behandlung sicher kontrollieren. In Gebieten, in denen intensivere Niederschläge im Juni ausblieben, wie z.B. in Teilregionen Sachsens und Thüringens, konnte man gänzlich auf den Einsatz von Fungiziden verzichten – zumindest in gesunden Sorten.

Oft reicht eine Behandlung, aber bleiben Sie flexibel

Achten Sie in Jahren mit geringen Niederschlägen im April und Mai – abhängig von der Temperatur und Sonneneinstrahlung – vorzugsweise auf Mehltau und Rostkrankheiten. Septoria tritici, Halmbruch und Fusarium spielen unter trockenen Bedingungen keine Rolle. In der Regel können Sie in diesen Fällen die Gesundheit des Weizens mit nur einer Hauptbehandlung absichern.

Optimal platziert ist dieser Fungizideinsatz nach langer Trockenheit vor oder im Wetterumschwung. Wichtig ist, dass der Blattapparat voll ausgebildet ist, damit eine langanhaltende Dauerwirkung möglich wird – also ab EC 39. Strategien für derartige Situationen entnehmen Sie der zweiten Übersicht oben.

Bei Gelbrost- und Mehltaudruck vorbehandeln

Doch bleiben Sie flexibel. Eine Vorbehandlung kann erforderlich werden, wenn Gelbrost vorkommt. Die Erfahrung lehrt, dass die Anfälligkeit der Sorten von Jahr zu Jahr wechseln kann. Benchmark und einige hoch anfällige Sorten wie Maddox, Johnny oder Kashmir bekommen regelmäßig Gelbrost. Am besten ist es, auch gering anfällige Weizensorten zu kontrollieren – so zeigte z.B. Talent in 2020 mehr Befall, Reform weniger als in den Vorjahren.

Deshalb sind in der Schossphase immer wieder Feldkontrollen erforderlich. Behandlungen sind angeraten, wenn Gelbrostbefall auftritt, die Witterung Neuinfektionen begünstigt und der Weizen EC 31 überschritten hat. Je mehr Befall, umso dringender bzw. umso sicherer sollte die Wirkung des Fungizids sein. Orius und andere Tebuconazol-Produkte wirken gut, vorzugsweise aber mehr vorbeugend – also bei eher beginnendem Befall (hier und da kommt Gelbrost vor). Bei stärkerem Druck bringen z.B. Pronto Plus, Osiris oder Input Classic eine bessere sporenabtötende Wirkung.

Auch gegen Mehltau kann eine Vorbehandlung erforderlich sein. Kantik, Pronto Plus und Input Classic sind die momentan wirksamsten Produkte, um vorhandenen Befall abzutöten. Talius, z.B. im Input Triple enthalten, bringt die sicherste...


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