Gift oder unverzichtbare Alternative?

Umweltschützer protestieren in Frankreich gegen Notfallzulassung von Neonikotinoiden

Angeblich sind 70 % der Franzosen gegen eine Wiederzulassung von Neonikotinoiden, sagen Umweltschützer. Sie protestieren gegen die Notfallzulassung. Die Bauern verweisen auf fehlende Alternativen.

In Frankreich sorgt die geplante Notfallzulassung für Neonikotinoide weiterhin für Proteste. 31 Organisationen, darunter der World Wide Fund for Nature (WWF), Imkerverbände sowie die Verbraucherorganisation „UFC-Que Choisir“, wandten sich vergangene Woche mit einem Brief an die Abgeordneten der Nationalversammlung und forderten diese auf, der notwendigen Gesetzesänderung nicht zuzustimmen.

Sie meinen, Neonikotinoide hätten inakzeptable schädliche Auswirkungen auf bestäubende Insekten, die biologische Vielfalt sowie die Boden- und Wasserqualität. Notfallzulassungen stünden in völligem Widerspruch zum Schutz der Artenvielfalt und stützten ein überholtes Agrarmodell.

Die Organisationen haben nach eigenem Bekunden auch die französische Öffentlichkeit auf ihrer Seite. Sie führen eine Umfrage an, derzufolge sich sieben von zehn Bürgern gegen die Notfallzulassungen ausgesprochen haben. Eine entsprechende Petition hatte zudem innerhalb von 14 Tagen mehr als 100.000 Unterstützer gefunden.

UFC-Que Choisir räumte ein, dass es zur Bekämpfung von Blattläusen im Zuckerrübenanbau keine der Wirksamkeit von Neonikotinoiden vergleichbare Alternativen gebe. Allerdings könnten verschiedene andere Bekämpfungsmaßnahmen kombiniert werden.

Laut Bio-Berater Loïc Tridon wird im Ökolandbau vor der Aussaat beispielsweise ein falsches Saatbett angelegt. Dadurch würden die Biozuckerrüben deutlich später in den Boden kommen, so dass die Verbreitungsflüge der Blattläuse zum Teil schon abgeschlossen seien. Zudem würden Nützlinge, die sich von Blattläusen ernährten, besonders gefördert. Hilfreich seien außerdem weitere Fruchtfolgen und der Verzicht auf Mineraldünger.

Das Pariser Agrarressort hatte Anfang August eine Änderung am Neonikotinoidverbot angekündigt, um Notfallzulassungen zur „Rettung“ des Zuckerrübenanbaus zu ermöglichen. Ressortchef Julien Denormandie hatte die durch Blattlausbefall und Vergilbungsviren drohenden Ertragsausfälle als „beispiellose Krise“ bezeichnet. Bereits kurz danach hatten auch die Maiserzeuger Ausnahmen für ihre Kulturen gefordert.

Über die umstrittene Gesetzesänderung soll voraussichtlich Ende September im Parlament abgestimmt werden. Schon jetzt ist für die Gegner klar, dass das Ergebnis viel über die tatsächliche Bereitschaft zu einem ökologischen Wandel aussagen wird.


Diskussionen zum Artikel

von Wilhelm Grimm

Wer Landwirtschaft nicht gelernt hat, hat den Tunnelblick.

Ein Abwägungsprozess findet nicht statt. Der aber ist für jeden Landwirt täglich erforderlich.

von Gerhard Steffek

Wer davon nicht leben muß, hat ja auch leicht reden.

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