Wissenschaftliche Argumente

"Darum ist das Volksbegehren ´Rettet die Bienen BW` schlecht gemacht!"

„Sehr gut gemeint, aber schlecht gemacht“: Wissenschaftler der Uni Hohenheim beklagen falsche Prioritäten, Maximalforderungen und fehlenden Dialog beim Volksbegehren „Rettet die Bienen“ in BaWü.

Das Volksbegehren „Rettet die Bienen“ in Bayern war das erfolgreichste der Landesgeschichte und soll nun 1:1 Gesetz werden. Seit vergangener Woche läuft auch in Baden-Württemberg ein Volksbegehren unter gleichem Namen der Initiative „proBiene. Doch die Forderungen zum Stopp des Insektensterbens gehen nach Ansicht von Experten der Universität Hohenheim deutlich über das bayerische Vorbild hinaus. Entsprechend größer sei auch der Widerstand der Landwirte.

Die Forderungen im Überblick:

  • Der Anteil der ökologischen Landwirtschaft soll bis 2035 auf 50 % erhöht werden
  • In Naturschutzgebieten sollen Pflanzenschutzmittel verboten werden
  • Flächen, auf denen PSM eingesetzt werden, sollen sich bis 2025 halbieren
  • Streuobstwiesen sollen geschützt werden

„Gut gemeint, schlecht gemacht“

Aus Sicht von Prof. Dr. Johannes Steidle, Fachgebiet Tierökologe der Uni Hohenheim, ist das Volksbegehren sehr gut gemeint, aber schlecht gemacht. „Ich werde den Text in der vorliegenden Form nicht unterschreiben. Die Forderungen sind zu sehr auf die Pestizide verengt. Sie sind sicherlich ein Faktor für das Artensterben. Aber sie zum Kern des Problems zu erklären, das gibt die Datenlage nicht her“, kritisiert der Professor.

Ein wirklich entscheidender Faktor wird seiner Meinung nach im Volksbegehren hingegen quasi gar nicht berücksichtigt: Damit Insekten überleben können, benötigen sie Lebensräume: Fraßpflanzen, Pflanzen, an denen sie ihre Eier ablegen können, Lücken im Boden, blühende Wildpflanzen, Hecken…

„Monokulturen mit Nutzpflanzen sind für Insekten hingegen in etwa so attraktiv wie eine geteerte Fläche. Ob man auf dieser ‚geteerten Fläche‘ dann auch noch Pflanzenschutzmittel ausbringt oder nicht, spielt letztendlich keine so große Rolle mehr“, erläutert Steidle seine Gründe.

Der erste Schritt wäre also etwas gegen die Strukturarmut unserer Landschaft zu unternehmen: Beispielsweise ein verpflichtender Grünstreifen am Rande großer Äcker, schreibt er weiter. Ein wichtiger Ansatzpunkt ist seiner Ansicht nach auch ein anderer Umgang mit Grünland, das in immerhin 50% der landwirtschaftlichen Fläche in Deutschland ausmacht. Es sollte erheblich seltener gemäht werden, so Steidles Rat.

„Mein zweiter Kritikpunkt ist das geforderte Pauschal-Verbot sämtlicher Pflanzenschutzmittel und Biozide in Schutzgebieten. So wie ich die entsprechenden Gesetzestexte verstehe fallen darunter auch die biologische Schädlingsbekämpfung und andere...

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