Nitrat

Unzufriedenheit mit neuen Regeln für rote Gebiete bricht nicht ab

Die neue Bund-Länder Übereinkunft zur Abgrenzung der Roten Gebiete kann die Differenzen im Düngestreit nicht befrieden. Bauernverband und Wasserverbände sehen Nachbesserungsbedarf.

Erheblichen Nachbesserungsbedarf sieht der Deutsche Bauernverband (DBV) bei der Verwaltungsvorschrift zur Gebietsabgrenzung im Rahmen der Düngeverordnung, die das Bundeskabinett gestern beschlossen hat. „Die Länder müssen jetzt dringend ihre Hausaufgaben machen. Betriebe, die im Einzugsgebiet von unbelasteten Grundwassermessstellen liegen oder die ordnungsgemäß wirtschaften, dürfen nicht ungerechtfertigt mit den neuen, verschärften Auflagen für so genannte ‚rote Gebiete‘ überzogen werden“, forderte der Präsident des DBV, Joachim Rukwied, mit Blick auf das nun anstehende Bundesratsverfahren.

Ein differenziertes und präzises Vorgehen bei der Gebietsabgrenzung dürfe nicht daran scheitern, dass die Länder keine verlässlichen Daten vorliegen haben oder über zu wenige Messstellen hierfür verfügen, um die nitratsensiblen oder eutrophierten Gebiete genauer abzugrenzen, betonte Rukwied. Auf Kritik stößt beim DBV auch eine Verschärfung der Nitratrichtlinie, indem der Zielwert für Nitrat bereits im Sickerwasser erreicht sein müsse und damit die Denitrifikation in den Unterböden komplett außer Acht gelassen werde.

DBV hält Regelungen zu Phosphat für "inaktzeptabel"

Für „nach wie vor völlig inakzeptabel“ hält der DBV die Regelungen zu Phosphat. Mit der von der Bundesregierung vorgesehenen Signifikanzschwelle von 20% müssten Landwirte bereits dann strenge Auflagen erfüllen, wenn 80% der Einträge nicht aus der Landwirtschaft stammten. „Demnach sollen die Landwirte das ausbaden, was aus anderen Quellen stammt. Das kann nicht funktionieren“, sagte Rukwied.

Als „absurd“ bezeichnete der Bauernpräsident die geplante Vorgehensweise, dass die Länder auf Daten von benachbarten Oberflächengewässern für die Gebietsausweisung zurückgreifen sollen, wenn sie für ein bestimmtes Gewässer keine Daten vorliegen hätten. Rukwied forderte Bund und Länder dazu auf, nachweislich gewässerschonend wirtschaftende Betriebe von zusätzlichen Auflagen freizustellen

BDEW fürchtet "künstliches Wegrechnen" von Nitratbelastungen

Der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) fürchtet mit den neuen Regeln zur Gebietsabgrenzung hingegen ein „künstliches Wegrechnen der tatsächlichen Grenzwertüberschreitung“. „Dies wäre keine Strategie, die die Belastung unserer Grundwasser-Ressourcen effektiv reduziert“, sagte Martin Weyand, BDEW-Hauptgeschäftsführer für den Bereich Wasser. Die Wasserverbände halten die von Bund und Ländern vorgelegte Binnendifferenzierung für die Ausweisung der roten Gebiete weiterhin für nicht kompatibel mit den Vorgaben der EU-Nitratrichtlinie.

Auch die geplanten Einschränkungen für die Düngung in den roten Gebieten stellen die Wasserverbände nicht zufrieden. „Auch die pauschale Reduktion der Düngemengen um 20 Prozent, wie sie jetzt vorgesehen ist, reicht nicht aus“, sagte Weyand. Der Europäische Gerichtshof orientiere sich zu Recht an der Frage, ob mit den geplanten Regelungen die Einhaltung des Grenzwerts von 50 Milligramm pro Liter gewährleistet werden könne und nicht daran, ob die Verordnung pauschale Düngereduktions-Vorgaben mache, so Weyand weiter. „Abhilfe schaffen kann deshalb nur eine vollumfängliche Anpassung der Düngeverordnung an die europäischen Vorgaben“, lautet die Einschätzung des BDEW.


Die Redaktion empfiehlt

Die Bundesregierung hat heute die Vorschrift für ein einheitliches Messstellennetz zur Ausweisung der roten Gebiete beschlossen. Damit soll die Nitratmessung genauer werden.

Das Bundeskabinett will diese Woche die bundesweiten Regeln für die Ausweisung der Roten Gebiete ab 2021 auf den Weg bringen. Sie sollen mindestens eine Messstelle je 50 km² garantieren.


Diskussionen zum Artikel

von Wolfgang Rühmkorf

Auch die Versorger in den Focus nehmen

Bei einer überstrapazierten Wasserabsaugung hat das Wasser nicht genügend Regenerationszeit beim Durchlauf des Bodenfilters! Auch dies muß erneut überprüft werden, anstatt immer größere Grundwasserentnahmerechte zu gewähren.

von Andreas Gerner

Im Grunde ist das, was so mancher Versorger macht, Raubbau.

Mehr entnehmen, als sich neu bildet.

von Wilhelm Grimm

Sofortige Einarbeitung, das geht !

Aber wer hat schon solche Technik? Und der Lohnunternehmer ? Der kostet !

von Andreas Gerner

Wie der BDEW auf "künstliches Wegrechnen" kommt, ist mir schleierhaft.

Ich habe die neuen Regeln gelesen und stelle fest, dass man danach zwingend im Roten Gebiet sein soll, auch wenn NUR EIN Brunnen darin über 50 bzw steigende 37,5 mg/l ist. Raus kommt man dann nicht (wie bisher) durch genug gute Brunnen (Jetzt schnappt die Falle schon ab einem Brunnen zu, ... mehr anzeigen

von Wilhelm Grimm

Nicht nur Stimmung machen, sie wollen manipulieren.

Das ist die bevorzugte Taktik des BDEW. Davon kann der Bauernverband was lernen, aber seit 2o16 haben sie sich über den Tisch ziehen lassen. Nun bleiben uns nur noch die Gerichte.

von Wilhelm Grimm

Mit Ideologen kann man nicht diskutieren, auch nicht über Kompromisse.

Ohne Gerichtsverfahren sind wir immer die Verlierer. Die Politik hat sich längst gegen uns entschieden, sie spielen mit uns nur noch, um uns in der Öffentlichkeit mit Hilfe der Medien als Schmutzfinken und Naturzerstörer zu diffamieren. Sie selbst, die Politiker, sind die Guten. So ... mehr anzeigen

von Stefan Gruss

Wie damals vor 80 Jahren!

von Frank Sieweke

Gülleausbringungsregeln treiben schon seltsame Blüten!

Bei mir um die Ecke hat einer seinen Rapsacker mit Gülle gedüngt. So weit so gut! Die Maßnahme wurde allerdings bei 35 Grad im Schatten ohne Schatten durchgeführt! Allerdings sorgte das trotz zeitnaher Einarbeitung selbst bei mir als Landwirt, der entsprechende Gerüche gewohnt ist ... mehr anzeigen

von Andreas Gerner

Klarer Fall.

Im Schatten war´s definitiv zu heiß, also ist er lieber raus aus dem Schatten ;-)

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