Stellungnahme

Verunreinigtes Mischwasser in Bächen – Das sagt der Betreiber

Die Betreiber der Regenwasserbehandlungsanlagen an Emscher und Lippe haben die Vorwürfe der Landwirte bei top agrar in Sachen Bachverschmutzung wahrgenommen. Man halte sich an Recht und Gesetz.

Vergangene Woche berichteten wir über Bäche, die nach Regenfällen mit Unrat aus Abwasser und Toilette verunreinigt waren. Grund sind überlaufende Regenwasserbehandlungsanlagen – keine Kläranlagen, die Abwasser ablassen, betonen die Emschergenossenschaft und der Lippeverband.

So sei das Kanalnetzsystem mit seinen vielfältigen Anlagen ein komplexes System, stellt Pressesprecherin Anne-Kathrin Lappe gegenüber top agrar klar. „Europaweit schützen Regenwasserbehandlungsanlagen uns bei starken Regenfällen vor einem Kollaps des Kanalsystems oder einem Kollaps der Kläranlage. Sie dienen der Trennung von sauberem Regenwasser und Abwasser. In Stauraumkanälen oder Becken wird bei starken Niederschlägen das Mischwasser gesammelt. Es tritt ein starker Verdünnungseffekt ein, das Wasser wird angehalten und beruhigt.

Dabei kommt das physikalische Gesetz der Schwerkraft zum Tragen: Die schwereren Schmutzsedimente setzen sich nach unten ab und können gedrosselt durch eine Ableitung in den Abwasserkanal und anschließend zur Kläranlage transportiert werden. Das oben schwimmende, weitestgehend saubere und nicht-klärpflichtige Regenwasser kann nach Erreichen einer bestimmten Menge und Höhe über eine sogenannte Entlastungsschwelle ins Gewässer schwappen“, erklärt Lappe.

Regenwasserbehandlungsanlagen dienten als Pufferzone bei Regenereignissen und seien daher unverzichtbar. Emschergenossenschaft und Lippeverband betonen, die Anlagen nach den gesetzlichen Anforderungen und nach anerkannter Technik zu betreiben. Die Anlagen würden genehmigt und regelmäßig überprüft – genauso wie die Gewässerabschnitte in diesen Bereichen.

Lappe: „Es ist nach Regenfällen möglich, dass im Zuge der Regenwasserbehandlung – also beim gewollten „Überschwappen“ von Regenwasser – auch Hygieneartikel wie Feuchttücher, Binden etc. mit ausgespült werden, wenn diese unsachgemäß über die Toilette entsorgt wurden. Insbesondere nach langer Trockenheit kann es passieren, dass sich diese Fremdkörper am Boden des Kanals ablagern und dann im Regenereignis aufgewirbelt werden. Das ist ärgerlich und könnten durch die sachgemäße Entsorgung über den Restmüll vermieden werden. So entfernen unsere Kolleginnen und Kollegen die Hygieneartikel regelmäßig aus betroffenen Bereichen.“

Laut der Pressesprecherin habe Deutschland ein Netz an hochmodernen Kläranlagen, die zuverlässig Abwasser reinigen und in den Wasserkreislauf zurückführen. Regenwasserbehandlungsanlagen dienten im System lediglich als „Airbag“ und lösten nur im Notfall aus. Komplexe Mischsysteme der Kanalisation, die es in den meisten städtischen Bereichen gibt, würden sich nur äußerst langfristig entlasten lassen, in dem man versucht, Regenwasser separat aufzufangen und versiegelte Flächen vom Kanalsystem „abzukoppeln“. „Zur Wahrheit gehört auch, dass all diese Maßnahmen wünschenswert sind, aber auch viel Geld kosten, das letztendlich jeder einzelne von uns über die Abwassergebühren mit bestreiten müsste“, so Lappe.

Zuvor hatte Landwirt Johannes Laurenz im WDR berichtet, dass es im Erlenbach Hamm immer wieder zu Verunreinigungen kommt. Er beklagt, dass die Öffentlichkeit die Bauern für die Gewässerverschmutzung verantwortlich macht, die Probleme mit dem Kanalsystem aber ignoriere. Das Schwerkraftverfahren in den Becken hält er für wirkungslos, da Schadstoffe und Nährstoffe in hohen Konzentrationen im Wasser gelöst seien.

Regenwasserbehandlungsanlage entsteht südlich des Berger Feldes

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