Spätere Saattermine

Wechselweizen wird fester Bestandteil integrierter Fruchtfolgen

War der Saattermin früher eine Frage der Witterung, Fruchtfolge und Arbeitswirtschaft, ist er heute einer der wichtigsten Bausteine des integrierten Pflanzenschutzes. Auch die Sortenwahl ist wichtig.

Mit dem Klimawandel verlängert sich die Bestockungsphase des Winterweizens. Die Vegetationsruhe beginnt später und endet früher, die Wachstumsphase im Kurztag hat sich in den vergangenen Jahrzehnten je nach Region um ca. zwei bis drei Wochen verlängert, berichtete die Saaten Union am Donnerstag.

Damit verschiebt sich auch das Saatzeitoptimum allmählich weiter in den Herbst hinein. Zum einen, um ein Überwachsen der Bestände und damit den Verlust der Winterfestigkeit zu vermeiden. Zum anderen um Krankheits-, Schädlings- und Ungrasproblemen entgegenzuwirken, die mit chemischem Pflanzenschutz immer weniger zu kontrollieren sind.

Saattermine bis etwa drei Wochen nach dem Saatzeitoptimum

Dieses Saatzeitoptimum reicht regional unterschiedlich von Mitte Oktober in Nordostdeutschland bis Mitte November im Rheingraben. Bei normalem Witterungsverlauf erreichen diese Saattermine vor dem Winter noch den Bestockungsbeginn (BBCH 21/22). Hierfür eignen sich mit graduellen Unterschieden alle in Deutschland geprüften und zugelassenen Winterweizensorten, erklärt die Saaten Union weiter.

Die standortgerechte Bestandesdichte sollte durch eine um ca. 20 % höhere Saatstärke unterstützt werden, um bei frühem Vegetationsende den Anteil weniger leistungsfähiger Frühjahrstriebe zu begrenzen. 260 – 320 Körner/m² bilden 220 – 260 abgrenzbare Einzelpflanzen mit durchschnittlich 1,5 kräftigen Bestockungstrieben 1. Ordnung. Genug Potenzial für – je nach Standort und Sorte – 550 bis gut 600 leistungsfähige und ertragsstabile Ähren, so die Fachberater.

Aussaat (Bildquelle: Pressebild)

Spätsaaten ab drei Wochen nach dem Saatzeitoptimum

Jetzt sollten nur noch Winterweizensorten bestellt werden, die ihre Spätsaateignung in Versuchen bzw. der Praxis bestätigt haben. In den langjährigen Spätsaatversuchen der Saaten-Union waren das ausnahmslos früh- bis mittelreife Winter- und Wechselweizensorten. Die Ertragsstruktur spielte dabei eine untergeordnete Rolle: Frühe Korndichtetypen (z.B. Porthus) überzeugten dabei genauso wie Einzelährentypen (Nordkap) bzw. Sorten mit ausgeglichenem Ertragsaufbau (Genius).

Als weniger geeignet erwiesen sich langtagbetontere, spätere Korndichttypen, die nur bei rechtzeitige Saatterminen überzeugen. Saatstärken von 350 bis 420 Körner/m² stellen – unter Berücksichtigung des zurückgehenden Feldaufgangs – mindestens 300 bis 360 abgrenzbare Keimpflanzen sicher: So wird wenigsten die Hälfte der Ähren von Haupttrieben versorgt und nicht die spät angelegten, leistungslabileren Nebentrieben.

Wechselweizen fester Bestandteil integrierter Fruchtfolgen

Bei späteren Drillterminen können sich in Verbindung mit kühler Witterung Keimung und Feldaufgang um Wochen verzögern. Dann wird im Spätherbst – wenn überhaupt – nur noch das Ein- bis maximal Dreiblattstadium erreicht (BBCH 11/13). Sorten für späte bis sehr späte Saattermine müssen deshalb an eine kürzeres Systemwachstum angepasst sein, erklären die FAchleute der Saaten Union. Zudem müssten sie ein eher geringeres Vernalisationsbedürfnis aufweisen, um auch nach milden Wintern mit dem Langtagbeginn ohne Verzögerung zu schossen.

Beide Ansprüche werden ideal von Wechselweizen erfüllt. Sofern es sich um „echte“ Wechselweizensorten (z. B. WeW Lennox) handelt, sind dies Kreuzungen aus Sommer und Winterweizen: Sie benötigen wie Sommerweizen keinen Vernalisationsreiz, sind andererseits winterhart wie verbreitete Winterweizensorten. Mit späteren Saatterminen bringen sie zunehmend höhere Erträge als Winterweizensorten vergleichbarer Qualität.

Hauptvorteil des Wechselweizens ist jedoch die Saatzeitflexibilität: „Bei schlechten Bestellbedingungen kann die Bestellung problemlos ins Frühjahr bis Ende April verschoben werden. Die Erträge sind dann nicht ganz so hoch wie die der leistungsfähigsten Sommerweizensorten“, so Sven Böse, Leiter Fachberatung Saaten Union.

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Was sind Wechselweizen?

Wechselweizen (Bildquelle: Pressebild)

Als Kreuzung von Sommer- mit Winterweizen besitzen WeW Wechselweizensorten eine zügigere Jugendentwicklung als Winterweizensorten und eine höhere Winterfestigkeit als Sommerweizen.

Als optimale Vorwinterentwicklung – auch im Hinblick auf die Winterfestigkeit – ist der Bestockungsbeginn anzustreben (BBCH 21/23). Je nach Anbaulage ist dies mit Saatterminen von Mitte Oktober bis Anfang November zu erreichen, i.d.R. also ca. drei Wochen nach dem ortsüblich optimalen Saattermin bei Winterweizen.

Im Hinblick auf leistungsfähige Bestände mit einem hohen Haupttriebsanteil empfiehlt die Saaten Union nicht zu knappe Aussaatstäken beginnend mit 360/380 Körner/m² im Herbst bis 400 /450 Körner/m² im Frühjahr.

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Artikel geschrieben von

Alfons Deter

Redakteur top agrar Online

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