Interview

„Wir stehen auch im Ackerbau am Scheideweg!“ Premium

Niedersachsen braucht eine eigene Ackerbaustrategie. Sie hilft den Landwirten, die Herausforderungen der Zukunft zu meistern. Davon ist die niedersächsische Landwirtschaftsministerin Barbara Otte-Kinast überzeugt.

Frau Ministerin, warum ist die Ackerbaustrategie so wichtig?

Otte-Kinast: Weil wir dringend klären müssen, wo wir mit unserem Ackerbau hinwollen. Die vergangenen Jahre zeigen, dass wir am Scheideweg stehen. Wir diskutieren heftig über den Einsatz chemisch-synthetischer Pflanzenschutzmittel, Nährstoffüberschüsse und die Abnahme der Biodiversität. Zudem ist der Klimawandel mit den zunehmenden Extremwetterereignissen immer deutlicher zu spüren. Das sind nur die vier größten Problembereiche. Sie belegen den gewaltigen Handlungsbedarf.

Was bringt da eine Ackerbaustrategie?

Otte-Kinast: Sie gibt eine Richtung vor und entwickelt Leitplanken – gemeinsam mit den Landwirten und anderen Akteuren im ländlichen Raum.

Auch Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner muss laut Koalitionsvertrag eine solche Strategie vorlegen? Reicht das nicht?

Otte-Kinast: Nein, weil die Verhältnisse und Probleme in Niedersachsen andere sind als z. B. in Mecklenburg-Vorpommern und Bayern. Das kann eine nationale Strategie allein nicht differenziert genug abbilden. Wir brauchen zudem mehr Tempo bei der Lösung der Zukunftsfragen. Die Debatte der vergangenen Monate zeigt doch: Uns läuft die Zeit weg. Deshalb kann und will ich in Niedersachsen nicht länger warten. Ich will Klarheit schaffen. Das bin ich unseren Landwirten schuldig.

Wie wollen Sie sicherstellen, dass die deutsche und niedersächsische Strategie am Ende zusammenpasst?

Otte-Kinast: Unsere Fachleute arbeiten auch in den Gremien des Bundeslandwirtschaftsministeriums mit. So können wir unsere Ideen nach Berlin tragen und gleichzeitig die Überlegungen des Bundes auf Niedersachsen runterbrechen. Und wir tauschen uns natürlich auch zwischen den Bundesländern aus. Entscheidend ist, dass wir uns gegenseitig gut informieren.

Was haben die Landwirte von Ihrer Ackerbaustrategie?

Otte-Kinast: Der eigentliche Gewinn eines solchen Prozesses ist, dass die Ackerbauern ihre zukünftigen Rahmenbedingungen mitgestalten. Dabei geht es zum Beispiel darum, früh genug zu diskutieren, was denn eine Alternative zu Glyphosat sein kann. Dafür will ich die Bauern sensibilisieren.

Bei vielen ist die Botschaft „wir müssen uns verändern“ schon angekommen, aber noch nicht bei allen. Die will ich wachrütteln. Wenn sich der Berufsstand nicht aktiv und offensiv in die Lösung der Probleme einbringt, entscheiden andere über die Zukunft der Landwirtschaft. Für die Beteiligung der Landwirte an der Lösungssuche will ich eine Plattform schaffen.

Was muss dafür geschehen?

Otte-Kinast: Wir müssen die zusammenbringen, die bisher eher nebeneinander und weniger miteinander arbeiten, z. B. Landwirte und Naturschützer, Bauern und Bürgermeister oder konventionell und ökologisch wirtschaftende Bauern. Ich sehe überall im Land viele gute Ideen, Ansätze und Projekte, z. B. beim nachhaltigen Pflanzenschutz, bei der Bodenbearbeitung, Fruchtfolge oder Biodiversität. Aber wir schaffen es bisher nicht, diese bekannt zu machen, systematisch zu vernetzen und gezielt ...

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Dr. Ludger Schulze Pals

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Diskussionen zum Artikel

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von Wilhelm Grimm

Eine Frontstellung wird es auch in Niedersachsen geben, Frau Ministerin !

Auch sie machen aus mangelnder Erfahrung den Fehler, dass sie in ihre Verhandlungsposition gleich den möglichen Kompromiss mit einbauen. während die Gegner der Landwirtschaft mit Maximalforderungen in die Gespräche starten und die auch durchziehen. Schon haben die Vernünftigen verloren, Bitte nicht so naiv.

von Wilhelm Grimm

Am Scheideweg stehen wir nur dann, wenn die Politik uns dahin treibt.

Aber die Politik hat bis heute die Meinungsbildung zur und über die Landwirtschaft den Grünen und ihren tolldreisten Sprüchen überlassen. Die Klagemöglichkeit der Umweltverbände und die leichten Möglichkeiten, Volksbegehren von völlig Fachfremden und blutigen Laien erfolgreich durchführen zu können, ist in unserem demokratischen System von den Vätern des Grundgesetzes so nicht gewollt gewesen. Nicht nur die Landwirtschaft wird sinnlos geopfert, auch jede noch so gute Infrastrukturmaßnahme kann verhindert werden. Wenn die Politik und die Gesetzgebung hier nicht eingreifen, sind wir dem UNTERGANG SEHR NAH!

von Gerhard Steffek

Wetten!!!!

Am Ende wird es so sein, daß man sagen kann: "Der Berg kreiste und gebar ein Mäuschen". Aber auch nur um zu kaschieren daß der ganze Arbeitskreis von vorneherein im Grunde nur ein Totgeburt ist. Ja, sogar sein mußte, da die Interessen zu sehr auseinander gehen. Das größte Problem dabei sind die Ideologien der ganzen NGO's und Vorstellungen der "Experten" die komplett an der Praxis vorbeigehen. Viele Antworten der Ministerin zeigen doch nur auf welche Inkompetenz hier vorherrscht es aber versucht wird diesen mit Aktionismus zu kaschieren. Sach- und Fachverstand ist hier nicht gefragt, hier wollen Laien, Dilettanten und Ideologen ihrer Vorstellungen durchdrücken. Frau Otte-Künast sollte sich ein Wort Bismarcks in Erinnerung rufen: "Im Verfall der Landwirtschaft sehe ich eine der größten Gefahren für unseren staatlichen Verband." Wir haben mittlerweile sehr viele, die an diesem Verfall fleißig arbeiten. Diese kommen mir vor wie eine Made im Speck. Noch können sie sich an dem Vollfressen, aber was, wenn der Speck dann mal weg ist? Die Landwirtschaft war bisher immer durch ihre Bodenständigkeit und Beständigkeit ein Kitt für das ganze Land. Ist dieser weg was dann? Na ja, die SPD und die Grünen sind ja eh schon dabei gar ein neues Europa zu schaffen. Laden sie deshalb schon die ganze Welt zu uns ein? Nur - wer soll die dann durchfüttern? Mit Ideologie - und sei sie noch so gutmeinend - wird bestimmt keiner satt. Bisher war es ja dann auch immer so, daß jede Ideologie von der Wirklichkeit überrollt wurde wie die Laus von einer Straßenwalze.

von Michael Koch

Gebranntes Kind

scheut das Feuer . Zu oft waren die Vereinbarungen das Papier nicht wert auf dem sie stehen . Wir gaben die Hand , dafür wurde uns der Arm abgerissen . Solche Vereinbarungen werden auch gern "nachjustiert " . Insbesondere bei einem Regierungswechsel , da kommen dann Minister die von der Materie keinen Schimmer haben aber ideologisch festgelegt sind .

von Hermann Kamm

Tag träumereien einer Ministerin!

Es gibt sehr viel wichtigeres in der Politik zu regeln als immer die schuld bei den Landwirten zu suchen. Oder eifert diese Frau den Grünen nach um ihr gewissen zu beruhigen? Für was sind wir Landwirte in die Schule gegangen und haben unseren Job gelernt? Sehr geehrte Frau Ministerin, Sie brauchen uns Landwirte nicht so hinstellen als wären wir auf der Brennsuppn daher geschwommen.

von Wilhelm Grimm

So viel anders sind die Probleme in Niedersachsen nicht,

aber in Berlin müssen sich Frau Klöckner und der agrarische Super-Gau Schulze auf eine gemeinsame Linie einigen.. Das aber kann nur Unfug ergeben. Daher ist der Vorstoß aus Niedersachsen zu begrüßen. Andererseits ist Niedersachsen auch nur ein unsicherer Kantonist, der sich weigert, seine Grundwassermessstellen von unabhängiger Seite beproben zu lassen. Transparenz sieht anders aus. Da muss der Bauernverband viel mehr Druck machen.

von Ludwig Rasche

Strategiewechsel

Die Frage ist wie lange wir Landwirte den Zauber noch mitmachen. Mann kann auch aufhören, schlechter wird es dann auch nicht. Das ist auch eine Strategie ganz ohne Behörden.

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