Soest

Wissenschaftler und Politiker wollen mehr Ökologie im Ackerbau

Prof. Dr. Urs Niggli vom FiBL hält eine umfassende Ökologisierung der Landwirtschaft für unabdingbar. Den Ackerbau der Zukunft ist seiner Meinung nach eine Mischung aus Bioanbau und modernster Technik

Im Zeichen der neuen Ackerbaustrategie des Bundesagrarministeriums stand am vergangenen Freitag das Agrarforum der Fachhochschule Südwestfalen in Soest.

Prof. Dr. Urs Niggli, Direktor des Forschungsinstituts für biologischen Landbau (FiBL), hält eine umfassende Ökologisierung der Landwirtschaft und der Ernährung für unabdingbar. Er gab aber zu bedenken, dass die lokale ökologische Vorzüglichkeit bei steigender Bevölkerungszahl nicht gleichzusetzen sei mit einer globalen Ökoeffizienz.

Der Ökolandbau biete durchaus für viele Probleme der Landwirtschaft Lösungen. Dessen Ertragsschwäche erfordere aber die Produktion und/oder den Import von Lebensmitteln aus dem Ausland, was die Ökoeffizienz des Konzepts wiederum verschlechtere. Es sei die Aufgabe der Forschung, die Ursachen der Ertragsschwankungen zu identifizieren und mit umweltfreundlichen Maßnahmen und Techniken anzugehen.

Die Landwirtschaft der Zukunft stelle er sich als eine Kombination aus Elementen des Ökolandbaus mit modernsten Lösungen und Technologien vor. In diesem Zukunftsprozess müssten alle voneinander lernen: Der Ökolandbau im Hinblick auf technologische Innovation, die konventionelle Landwirtschaft im Hinblick auf die soziale und ökologische Innovation.

Auch Prof. Niggli sieht den Verbraucher in der Verantwortung. Er plädiert für eine Halbierung der Lebensmittelverschwendung sowie eine Einschränkung des Fleischkonsums, was enorme Anbauflächen, die derzeit für die Futtermittelproduktion belegt sind, freigeben würde – das in Kombination mit der Ökologisierung könnte ein nachhaltiges Ernährungssystem begünstigen.

Prof. Dr. Verena Haberlah-Korr berichtete über die Ergebnisse einer Befragung von 300 konventionell wirtschaftenden Betrieben aus Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Schleswig-Holstein zum integrierten Pflanzenschutz. Dabei werden chemische Pflanzenschutzmittel nach dem Motto „So viel wie nötig, so wenig wie möglich“ eingesetzt.

Der integrierte Pflanzenschutz umfasst neben mechanischen und biologischen Verfahren auch eine Vielzahl präventiver Maßnahmen, um den Einsatz chemischer Pflanzenschutzmittel zu minimieren. Obwohl bereits seit 1986 im Pflanzenschutzgesetz verankert, war einem Drittel der Befragten nicht klar, was mit dem Begriff gemeint ist. Erfreulicherweise gaben aber 70% an, nach Pflanzenschutzmaßnahmen Erfolgskontrollen durchzuführen, so Haberlah-Korr.

„Pflanzenbau ist bereits heute multifunktional ausgerichtet“, so Prof. Dr. Harald Laser. Landwirte produzieren nicht nur Nahrungsmittel, Futtermittel und Energiepflanzen, sondern fühlen sich auch für die Erhaltung und Pflege der Kulturlandschaft in all ihren Facetten verantwortlich. Klimaschutz, Trinkwasserproduktion, Recycling von Gülle, Mist und Komposten seien ebenfalls Ziele des Ackerbaus, so der Professor.

Wenn es um den Perspektivwechsel für den Ackerbau gehe, so sei ein Umdenken aller Beteiligten erforderlich. Der Pflanzenbau müsse künftig stärker als ganzheitliches System verstanden und betrieben werden. Landwirte müssen und wollen an einer nachhaltigen Optimierung für einen gesünderen Boden, für mehr Biodiversität, Fruchtfolgegestaltung und vieles mehr aktiv mitarbeiten. Allerdings sei auf diesem Weg eine intensivere Unterstützung durch Verbände, Politik, Ausbildung, Forschung und Beratung nötig.

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Diskussionen zum Artikel

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von Diedrich Stroman

Die Landwirtschaft!

Hat viele Probleme, laut Herrn Niggli, nein nicht die Landwirtschaft hat viele Probleme,!Die Herren Wissenschaftler machen den Bauern Probleme mit ihren antiquierten Meinungen und Geschichten erzählen die aus Halbwahrheiten zusammen geschustert werden, hier kann man wirklich nur noch mit dem Kopf schütteln! Von Praxis null Ahnung, hier hat der Wohlstand die Gehirnzellen verödet und den geistigen Zustand ohne weiter Bildung eingefroren! Bei uns Bauern fangen schon wieder die staatlichen Fortbildungen in Sachen Düngung und Pflanzenschutz an, verpflichtend wäre gut wenn Politik dieses ihrer eigenen Kaste und ihren belehrenden Professoren an dient, wie wäre es mit drei Wochen Kursen auf Bauernhöfen incl. Wochendarbeit!!!

von Heiner Husmann

Zitat: Scheiß drauf...

Selten hat es ein Unternehmen so deutlich formuliert, wie LIDL in seinem neuesten Spot, indem es einen Ballermannsong hat umschreiben lassen. Was sagt uns Bauern diese deutliche Ansage? Richtig, BlaBla von hochdotierten Proffessoren können wir uns anhören, müssen wir aber nicht und das ist gut so.

von Roland Opitz

Was für ein

dummes Geschwätz von Prof. Niggli, wenn er nach den Gründen für schwache und große Ertragsschwankungen im Bioanbau sucht. Wenn er das immer noch nicht erkannt hat sollte er seinen Professoren Titel zurück geben und noch mal eine Lehre machen. Es ist nämlich ganz einfach: Wenn man um einen Doppelzentner Getreide 2,5 kg Stickstoff benötigt, aber nur einen Bruchteil davon einsetzt muss man sich nicht wundern, wenn man gar keinen Doppelzentner erntet. Hinzu kommen unterschiedliche hohe Düngernachlieferungen aus dem Boden und natürlich Witterungseinflüsse im allgemeinen. Das wissen die Landwirte natürlich alle selber, dazu braucht man keine hoch bezahlten Professoren, die sich auf Konferenzen selber gerne reden hören.

von Willy Toft

Wer soll das bezahlen, wer hat es bestellt, wer hat die Pinke, wer hat das Geld!

Der Handel reagiert nie auf solche Vorstöße, und wird uns nicht dafür bezahlen, dass wir Ökologischer werden! Blühstreifen- Programm kann der Staat dazu geben, aber mehr wird nicht drinnen sein! Alle Restriktionen, die vom Staat kommen, muss dieser auch ausgleichen, sonst machen wir die Bücher zu!

von Reiner Matthes

wenn alle Öko essen wollen

müssen wir auch noch die letzten Urwälder roden. Was haben wir in der Grundschule gelernt ? Halber Ertrag braucht doppelte Fläche. (= kleines Einmaleins)

von Wilhelm Grimm

Wieder nur kleine, ganz kleine Schlauheiten !

Der Ökolandbau erfordere aber die Produktion und/oder den Import von Lebensmitteln aus dem Ausland, was die Ökoeffiziens verschlechtere, ist die Erkenntnis von Prof,Niggli ! Donnerwetter ! Und Prof Dr Haberle Korr sagt: so viel wie nötig, so wenig wie möglich. Bahnbrechende Aussage. Auch Prof. Dr. Laser meint: ein Perspektivwechsel für den Ackerbau erfordere ein Umdenken aller Beteiligten. Alles klar. Sie werden sich wohl noch wesentlich differenzierte geäußert haben. Dennoch nur kleine Schlauheiten, wie so viele in letzter Zeit.

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