Birkenhof: Blitzschnell zur SoLawi

Als im Jahr 2011 eine Darmstädter SoLawi-Initiative einen Betrieb suchte, überlegten Arno und Ingrid Eckert nicht lange: Sie sagten zu und entwickelten ihren 80 ha-Betrieb mit Gemüseanbau in Egelsbach zwischen Frankfurt und Darmstadt schlagartig weiter. Zwar verzichteten die Eckerts schon lange auf Pestizide, doch nun stand die komplette Bioumstellung an, dazu kamen der Kartoffelanbau und neue Gemüsesorten. Der schnelle Start war ein Kraftakt für den Betrieb: Eckert erinnert sich noch an die Ratlosigkeit, als es zum ersten Mal darum ging, welche Gemüsemengen er produzieren soll. Dann entstanden finanzielle Schieflagen, weil er die Vollkosten der Produktion zu niedrig ansetzte, wie Eckert rückblickend selbstkritisch feststellt.

Doch nach drei Jahren SoLawi sind die Eckerts zufrieden. Die Zahl der Anteile ist von 25 auf jetzt 130 gestiegen. Derzeit kostet ein Gemüseanteil 55 € monatlich, wer zusätzlich Obst möchte, zahlt 15 € mehr. Mitglieder müssen sich mindestens ein Jahr lang binden. Der Birkenhof erwirtschaftet derzeit gut die Hälfte des Gesamtumsatzes aus der SoLawi. Die Vollkosten der SoLawi-Produktion, einschließlich Afa, Lohn etc., an die Mitglieder weiterzugeben, findet Arno Eckert immer noch schwer. Bei der nächsten Verhandlungsrunde muss er die Mehrkosten für den Mindestlohn zur Sprache bringen. Für sich selbst setzt Eckert derzeit 13 € pro Stunde an.

Interessant ist, dass die SoLawi-Gruppen aus Darmstadt und Frankfurt völlig neue Kunden sind. Die Kundschaft vor Ort kauft wie gehabt spontan im Hofladen ein. SoLawi sorgt aber nicht nur für neue Abnehmer, Arno Eckert schätzt auch die intensive Kommunikation. Neben der wöchentlichen E-Mail über die Vorgänge auf dem Hof gibt es täglich Anfragen per E-Mail und Telefon: „Das ist ein echter Zeitfaktor, aber wir haben viel mit- und voneinander gelernt“, so sein Resümee. Er kann sich auch vorstellen, SoLawi noch weiter auszuweiten. Für ihn macht das Konzept Sinn, weil die Landwirtschaft mit ihrer Urproduktion wieder unmittelbar als Lebensgrundlage im Leben und Bewusstsein der Mitglieder verankert wird und diese Produktion für ihn wirtschaftlich abgesichert ist: „Für die Hälfte der Ernte muss ich kein Risiko übernehmen, sie ist vorab bezahlt. Das schafft auch Zeit, mit den Mitgliedern Neues auszuprobieren, wie z.B. verschiedene Wege der Kompostproduktion.“

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