Schneckenalarm auf dem Grünland

Die Schneckengefahr auf Grünland verkennen viele. Doch die Schleimer richten auch dort Schäden an. Tipps und Empfehlungen gibt Martin Hoppe, LWK Nordrhein-Westfalen.

Wenn im Ackerbau die Aussaat von Winterraps ansteht, läuten vor allem bei pflugloser Bestellung die Alarmglocken: „Achtung, Schneckenschäden an jungen Pflanzen!“ Viele Pflanzenschutzwarndienste warnen vor dem Zuwandern von Schnecken aus benachbarten Grünland- oder Stilllegungsflächen. Sie raten bei Gefahr zumindest zum Abstreuen der äußeren Fahrgassen mit Schneckenkorn.

Verkannte Gefahr:

Obwohl die Schneckendichte auf dem Grünland, vor allem auf lehmigen, tonigen und somit gut wasserführenden Böden sehr hoch ist, spricht kaum jemand über Schneckenschäden dort. Wie gefährlich ist Schneckenbefall im Grünland?

Bei genauem Überprüfen finden sich dort in der Tat die klassischen Schneckenarten wie die Ackerschnecken (Deroceras-Arten) und Wegschnecken (Arion-Arten). Besonders während niederschlagsreicher Phasen mit hohen Temperaturen kann man sie und ihre Fraßschäden mit Schleimspuren an jungen Blättern der Gräser mit bloßem Auge erkennen. Doch richten sie nennenswerten Schaden an? Wohl kaum, wenn es sich hierbei um den klassischen Loch- und Schabefraß an ausgewachsenen Grünlandpflanzen handelt.

Schäden an jungen Gräsern!

Deutlich problematischer sind die Schäden, die an den auflaufenden jungen Gräsern entstehen, die sich nach Übersaat, Durchsaat oder umbruchloser Neuansaat in der Keimung bis zum Einblattstadium befinden. Vor allem bei Nachsaaten müssen sich die jungen Gräser in der Altnarbe etablieren. Diese bietet einen Verdunstungsschutz und erhöht bei feuchten Bodenbedingungen mit gleichzeitig hohem Schneckendruck die Schadgefahr. Selbst massive Fraßschäden mit Totalverlust fallen dann aber nicht direkt auf. Denn das Grundgerüst der Altnarbe ist stets noch vorhanden und man bemerkt das Ausfallen der Nachsaat nur bei regelmäßiger Kontrolle. Bei einer Schlitzrillensaat ist dies einfacher nachzuprüfen als bei Breitsaat. Unzureichende Nachsaat-Erfolge können daher zum Teil durch Schneckenschäden bedingt sein.

Vor allem umbruchlose Grünlanderneuerungen, die nach Glyphosat-Einsatz ohne Bodenbearbeitung mit einer Schlitzdrille in die kurze, abgestorbene Narbe erfolgen, können bei massivem Schneckenbesatz zum Totalschaden werden. Sie beginnen häufig zu verkrauten, bevor zum zweiten Mal eine entsprechende Neuansaat erfolgen kann. Der Schaden erhöht sich damit enorm.

Schneckenmatten einsetzen!

Kon­trollieren Sie daher vor einer umbruchlosen Grünlanderneuerung den Schneckenbesatz. Das ist vor allem auf schweren Böden mit guter Wasserversorgung wichtig. Neben den klassischen Schneckenmatten aus isolierter Alu- und Schwarzfolie können Sie auch feuchte Jutesäcke mit untergelegten Gurkenscheiben oder Salatblättern verwenden. Sind Schnecken auf der Fläche, werden sie sich schnell darunter einfinden. Je Fläche sollten Sie mindestens 4 Schneckenmatten – gleichmäßig verteilt – auslegen.

Sollten mehrere Schnecken unter einer 50 x 50 cm-Matte nach einigen Tagen morgens zu finden sein, ist die umbruchlose Neuansaat zu risikoreich! Leider ist der Einsatz von Schneckenkornpräparaten im Dauergrünland nicht zugelassen, obwohl hierfür dringender Bedarf besteht.

Es bleibt Ihnen daher lediglich eine tiefere Bodenbearbeitung, um Abhilfe zu schaffen. Diese tötet die Schnecken ab und verlagert Schneckeneier in tiefere Bodenschichten. Außerdem lockert sie sehr feste Grünlandböden. Das führt zu einer schnelleren Erwärmung und gleichzeitig schnellerem Wuchs der jungen Gräser, die den Schnecken dann förmlich davonwachsen. Ob Sie flach fräsen oder besser pflügen, hängt von den Standortbedingungen ab. Grundsätzlich gilt: „Je tiefer die Bodenbearbeitung, umso geringer die Schneckengefahr!“

Bedenken Sie aber besonders auf Ampfer-verseuchten Flächen, dass jede Bodenbearbeitung wieder Millionen von Ampfersamen in den Keimhorizont schafft. Sie sorgt dann förmlich für ein „Wildwerden“ des Bestandes.

Nachteilig ist auch, dass jeder Umbruch das besondere Bodengefüge “opfert”, das die Grünlandnarbe braucht. Und: Die dabei freiwerdenden hohen N- Mengen führen zu Nährstoffausträgen ins Grundwasser. Aus diesem Grund ist die umbruchlose Grünlanderneuerung zu bevorzugen. Nur bei Schneckengefahr und notwendigem Einebnen sind Bodenbearbeitungen auf dem Grünland zu empfehlen.

Branntkalk oder Kalkstickstoff?

Die toxische, hygienisierende Wirkung vor allem von Kalkstickstoff, aber mit starken Abstrichen auch von Branntkalk, kann auf der bereits abgespritzten Narbe ebenfalls eine Alternative sein. Allerdings ist die Wirkung nicht immer zuverlässig. Außerdem müssen Sie bei umbruchlosem Einsatz vor der Neuansaat eine entsprechende Wartezeit bis zur Saat einhalten, um Schäden an den Pflanzen zu vermeiden. Gleichzeitig entwickeln sich die Gräser ohne Bodenbearbeitung infolge der langsameren Bodenerwärmung nur zögerlich. Ein Kompromiss ist zumindest die flache Bearbeitung mit einer Kreiselegge, die ein flaches, feines Saatbett schafft und ein rascheres Wachstum der Gräser ermöglicht.

Außer Schnecken gibt es noch weitere Schädlinge, die für Fraßschäden an Gräsern verantwortlich sind. Neben den Larven der Wiesenschnake, den Tipulalarven, sind Haarmückenlarven und Mai- oder Junikäferlarven im Grünland vertreten. Diese treten häufig örtlich begrenzt auf und können neben jungen Saaten auch voll entwickelte Grünlandpflanzen nachhaltig schädigen.

Junge Gräser gezielt fördern!

Bei allen Neuansaaten trägt ein Überkreuzsäen mit der halben Aufwandmenge bei Drillsaat wesentlich zu einem schnelleren Narbenschluss bei und kann somit ein Verkrauten verhindern. Dennoch werden auflaufende Unkräuter durch einen Reinigungs- oder Schröpfschnitt zurück-gedrängt, sodass die Gräser dann bestandsbildend werden. Gleichzeitig fördert ein früher Schröpfschnitt die Bestockung der Gräser. Das trägt zusätzlich zu einem schnelleren Narbenschluss bei.

Verzichten Sie bei der Düngung von Neuansaaten auf eine Gülledüngung nach dem Auflaufen der Gräser bis zur 2. Nutzung, um die Gräser zu schonen. Der günstigste Termin für die Neuanlage ist für die meisten Regionen Ende August/Anfang September, da hier im Gegensatz zur Frühjahrsaussaat mit deutlich weniger Unkrautauflauf zu rechnen ist und vorher noch zwei bis drei Nutzungen erfolgen können (ca. 75 % des Jahresertrages). Die im September wieder einsetzenden Niederschläge mindern zudem das Ausfallrisiko. Die jungen Gräser können sich bis zum Winter noch ausreichend entwickeln, sodass sie sicher über den Winter kommen.

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