Bioschlachtkühe gemeinsam vermarkten

Jahrelang waren Bioaltkühe chronisch unterbezahlt. Den Reibach machten andere. „Damit soll Schluss sein“, dachten sich niedersächsische Biobauern und gingen in den Lieferstreik. Mit Erfolg!

Wir wollten uns nicht mehr mit einem Bioaufschlag von 20 bis 30 Cent/kg SG abspeisen lassen“, erzählt Biobauer Heinrich Meier-Köpke. Der 70-Jährige ärgert sich noch heute darüber, dass er seine Altkühe über Jahre hinweg so günstig abgeben musste. Sein Sohn hält mit ihm zusammen 90 Milchkühe im niedersächsischen Hessisch-Oldendorf.

Ähnlich sieht es Knuth Peters: „Wir wussten, dass in der Coronazeit Biofleisch gut nachgefragt war.“ Der Biomutterkuhhalter aus Wunstdorf ist überzeugt, dass sich vor allem der Lebensmitteleinzelhandel in dieser Zeit eine goldene Nase verdient hat.

Hohe Beteiligung beim Streik

Ende 2020 beschlossen deshalb eine handvoll Biolandwirte und -berater, dass es so nicht weitergehen könne und zettelten einen Lieferstreik für Schlachtkühe an. Sie wussten, dass sie nur eine Chance haben würden, wenn die Mehrheit der Betriebe mitmacht und forderten daher alle niedersächsischen Biomilchviehhalter und Biomutterkuhhalter schriftlich auf, den Streik zu unterstützen. Mit Erfolg, denn Anfang Januar kamen in Niedersachsen kaum noch Bioaltkühe auf den Markt. „Wer dennoch verkaufen musste, deklarierte die Rinder als konventionell“, erzählt Peters. Die Resonanz war überwältigend: „Ich schätze, dass wir etwa 70 bis 80% der üblichen Stückzahlen zurückhalten konnten.“ Der Streik brachte den Biorindfleischmarkt in Niedersachsen zum Erliegen und strahlte bundesweit aus. „Ich bekam sogar Anrufe aus Süddeutschland”, erinnert sich Peters.

Die großen Schlachter taten sich schwer, und erst nach zähen Verhandlungen war einer bereit, mehr zu zahlen. Doch die...