Bundeslandwirtschaftsministerium will Lebensmittelverschwendung bis 2030 halbieren

Gut 75 kg Lebensmittel wirft jeder Deutsche weg, 33 kg davon sind vermeidbar. Das BMEL arbeitet an einer Strategie dagegen. Die Grünen wollen ein "Anti-Wegwerf-Gesetz".

Das Bundeslandwirtschaftsministerium (BMEL) hält an seinem Ziel fest, die Lebensmittelverschwendung bis 2030 zu halbieren. Bei der dahinterstehenden Strategie sollen alle Beteiligten der Wertschöpfungskette in die Pflicht genommen werden. „Wir stehen hier vor einer gesamtgesellschaftlichen Aufgabe, die nicht nur an einem Punkt in der Kette gelöst werden kann“, sagte ein Sprecher des Berliner Agrarressorts. Gemeinsam mit allen Sektoren würden erstmals konkrete Zielvorgaben vereinbart, die überprüfbar eingehalten müssten. Der Sprecher wertete diesen sektorübergreifenden Ansatz als „entscheidenden Schritt“ zur Zielerreichung. Ausdrücklicher Teil der Strategie werde die Prüfung sein, ob der bestehende rechtliche Rahmen ausreiche.

5 bis 7 Mio. t Lebensmittelabfälle sind vermeidbar

Laut einem Report des Thünen-Instituts (TI) zu den Lebensmittelabfällen in Deutschland betrug im Jahr 2015 das mittlere Lebensmittelabfallaufkommen hierzulande zwischen 10,27 Mio t und 13,43 Mio t. Mit der sogenannten Baseline wurden die Lebensmittelabfälle in der gesamten Wertschöpfungskette, aufgeteilt in die fünf Teilsektoren Primärproduktion, Verarbeitung, Handel, Außer-Haus-Verpflegung und private Haushalte, berechnet, um die gesetzte Zielerreichung und deren Zwischenschritte feststellen zu können. Laut TI-Report 2015 lag der theoretisch vermeidbare Anteil der Lebensmittelabfälle in Deutschland über alle Teilsektoren hinweg bei 5,67 Mio t bis 7,69 Mio t. In Haushalten seien Lebensmittelabfälle in Höhe von 6,14 Mio t entstanden, wovon etwa 5,05 Mio t über das kommunale Abfallsammelsystem erfasst worden seien. Die über die Kanalisation entsorgten Lebensmittelabfälle seien in dieser Menge nicht enthalten. Der theoretisch vermeidbare Anteil der Lebensmittelabfälle in Haushalten habe sich auf 2,69 Mio t belaufen; davon seien etwa 2,21 Mio t über das kommunale Abfallsammelsystem entsorgt worden. Umgerechnet auf die deutsche Bevölkerung betrug laut TI-Report das Lebensmittelabfallaufkommen im Jahr 2015 etwa 75,2 kg pro Einwohner, wovon 32,9 kg theoretisch vermeidbar waren.

Grüne fordern verbindliche Maßnahmen

Als „absurd und unzureichend“ wertete indes die ernährungspolitische Sprecherin von Bündnis 90/Die Grünen, Renate Künast, die Strategie von Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner. Die Erreichung des Ziels nach einer Halbierung der Lebensmittelverschwendung bis 2030 könne nur über verbindliche Maßnahmen erreicht werden. Dazu gehöre auch ein „Anti-Wegwerf-Gesetz“ wie in Frankreich. Künast kündigte an, in Kürze einen entsprechenden Antrag in den Bundestag einbringen zu wollen.

Traktor von gestern. Technologie von morgen.

Meldung verpasst? Wir verhindern, dass Sie nicht mitreden können. Tragen Sie sich jetzt für unseren Newsletter ein und wir benachrichtigen Sie über alle wichtigen Ereignisse rund um die Landwirtschaft.

Artikel geschrieben von

Schreiben Sie Agra Europe (AgE) eine Nachricht

Stefanie Awater-Esper

Korrespondentin Berlin

Schreiben Sie Stefanie Awater-Esper eine Nachricht


Diskussionen zum Artikel

Kommentar schreiben

Diskutieren Sie mit

Tragen Sie mit Ihrem Beitrag zur Meinungsbildung zu diesem Artikel bei.

Sie müssen sich einloggen um Kommentare zu bewerten

Abbrechen

Sie haben noch kein Benutzerkonto?

Benutzerkonto erstellen